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„Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig, und nur im Handeln gewinnen wir soziale Energie.“ (Hartmut Rosa)
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Die Kugelschreiber sind verteilt, die Luftballons sind davongeflogen oder geplatzt, die Windrädchen atemlos stille. G., die Heldenstadt, ach was: das Heldenland – im folgenden Gihela – hat gewählt. Kommunal. Als jemand, der auf dieser Seite keck behauptet, an den Rändern lauerten die Erfahrungen, muß ich selbstredend Gihela, jener tendenziell selbstverliebten Melange aus weltgeistbewegtem ewigem Kinderladen und Einkaufseden für Co2-Junkies aus dem Umland, zum Wahlergebnis gratulieren, haben doch die fuffzig Prozent des Wahlvolkes, die wollten, obwohl sie durften, die Ränder stark kumuliert und panaschiert.
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Kurzer Blick in den neuen Magistrat: Die Wirtin des Vertrauens der Generation Bürgerpunk wird selbstlos um den Erhalt des identitätsstiftenden sinnlosen Betonmonsters Dickhäuterlocus kämpfen und den Aufstieg der Männerturner mit gezielten Pilsinfusionen fördern. Die erste und größte Friedenskämpferin und Nachlaßverwalterin der DDR auf mittelhessischen Boden hat, nachdem sie morgens neben ihrer Putinbüste erwacht war, hoch und heilig geschworen der Arbeiterklasse unter der Führung der Lehrerschaft von Gihela aus ohne Blutvergießen an die Macht zu verhelfen. Im Westen und Osten, koste es, was es dauert, während der letzte, altweis(ß)e Poltersozi aus der Weststadt und ehemaliger Kapo aller Karusselschubser in die Weststadt zurückkehrte und sich nun frei gewählt darüber ärgern darf, daß die alten Sozen unter der Leitung äh Führung äh dem Vorstehen eines Pastors und ohne ihn sogar zugelegt haben. Man munkelt Lars, der Berliner Eisbär, denke darüber nach, nach Gihela zu ziehen. Er ist sich noch unschlüssig, ob er dann im Kinderladen oder bei Karstadt unterkommen will.
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Ich habe die gewählt, welche ich vor 5 Jahren gewählt habe und für die ich damals als Unterstützer ein paar politische Liedlein coronasicher eingesungen habe. Die sind so naiv wie ich, nicht benzinsüchtig und oder / aber auch fleißiger in der Sache, finde ich, als die meisten anderen Fraktionen. Und wir teilen uns einen Lieblingsgegner. Die ahl Juffer Madame Kettensäge, die sich an der Macht genauso verbissen festklammert wie inzwischen an ihrem Rollator. Während den vorüberziehenden Teilzeitbewohnern und Wählern der Linken die Stadt Gihela in Sachen Entwicklung wahrscheinlich am Arsch vorbeigeht. Außer sie bleiben hier hängen.
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In letzter Zeit muß ich bei jedem zweiten Bucherwerb – Ja! Ich KAUFE und BEZAHLE Bücher und Musik, wohlwissend was falscher Geiz mit den Geldbeuteln der Künstler anstellt! – das Bestsellerpickerl vom Einband puhlen. Inflationär. Zwischenruf: Herr Weimer! Schaffen Sie das ab! Lese aber dieser Tage ein Buch von der Sachbuchhitliste mit höchstem Vergnügen. Schön, wenn ein anderer das ausdrückt, was einen so umtreibt und in den letzten Jahren mir manche Freude u.a. am Beruf genommen hat. Zu oft wird dir die Rolle des Vollziehenden zugewiesen. Das Handeln wird nervös beäugt. Bleibt im Alter gerne über die Rolle des Klugschwätzers. Auch nicht abendfüllend.
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Apropos Alter. Bei 3Sat ein vom Schweizer Fernsehen produziertes, amüsantes Interview mit dem Diogenes der deutschen Unterhaltung, Harald Schmidt, gesehen. In Sachen Alter äußerte er sich dahingehend, wer jenseits der 60 mit enger Lederjacke, mit den Schirm nach hinten gedrehter Kappe und Sneakers rumlaufe, den Schuß wohl nicht gehört habe. Das Lied Stell Dir vor erwähnte er nicht. Ich habe es nochmal gesungen.
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Appendix oder Eidechsenschwänzlein
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(…………………………………………………..…..) Hier bei Bedarf abtrennen!
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Sah ich heute auf dem Weg in den Botanischen Garten, einem der angenehmeren All(t)agsorte von Gihela. Wiederaufschließung war um 8 Uhr morgens. Ich war der ERSTE! „Putzig“, meinte meine liebe Gattin dazu. Ich konnte direkt eine reiche Bärlauchernte einfahren. Bisserl was ist noch über. Wenn man sich sputet! Und für die herbstliche Maroneneinsammlung habe ich mich gegen ein geringes Entgelt – Sind ja schließlich kein Volkseigentum die Kugeln! Gelle Genossen! – bei den Gärtnern eingetragen. Für den 11. Oktober 2026. Gegen 12 Uhr. Man sagte mir, ein paar preiswerte Timeslots zwecks Sammlung wären noch frei. Nach dem Motto: First Come! First Serve! Klingelbeutel nicht vergessen! Ach: Wo ist eigentlich mein alter „Willy wählen!“ – Anstecker?
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Ende 2020 hatte ich bei einem der vielen Eventtage im besetzten Dannenröder Forst ein bisserl Scherben und Gundi gesungen. Kampflieder, wie man so sagte. Nächste Woche werden wir das erste Mal über die neue A 49 fahren. Alles verändert sich. Ein paar Tage in nordhessische Wälder. Mal schauen, ob die neue Hüfte sich schon wieder mit Waldwegen anfreunden kann. Solange bleibt hier das gerupfte Schiff vor Anker und harrt aus in den Winden des All(t)tags.
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