Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 27

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Burghof Wallhausen bei Konschtanz / Abräumtisch Speisen / 6. 9. neulich

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Jailbreak oder wenn die Neugier stirbt

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In jenen Tagen als ich nächtens plante noch

Mich an zerfetzten aneinandergeknoteten Bettlakenstreifen

An den Mauern meines selbst errichteten Gefängnisses abzuseilen

In ungeahnt zu laut beklatschter Freiheit romantisch baumelnd

Bauchnabelpuhler und Theoretiker eines Lebenslaufes ohne Ziellinie

Da schienen mir die Sterne heller bis ich bemerkte

Es funkeln sich nur vorlaut knisternde Kürzschlüsse hinter der Iris zur Blüte

Tanzende Synapsen im Rausch

Steppende Teddybären auf der Flucht aus dem Kinderzimmer

Dann biss mich der Schwarze Hund in meine Wade

Dann suchte ich eine Heimstatt auf dem Sofa

Und blieb in langen Gesprächen mit meinen Wärtern

Insasse meines Selbst

Lebenslänglich

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Heute Nacht

Ich erwacht‘

Nach was gesehnt

Tür angelehnt

Lufthauch doch

Neugier

Noch

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(Im Regionalexpress von KN nach Karlsruhe / 9. September diesen Jahres)

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Nachträgliches Vorwort:

„Es ist elend schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt.“

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(Peter Esterhazy, Harmonia Celestis)

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Dies Zitat zitiert aus: Ingo Schulze: Das Wasser im August. Seite 9

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„Die Todesursache wurde noch nicht bekanntgegeben!“

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Es wird gestorben derzeit. In dichter Taktung. Unfreiwillig. Sehr oft aber auch freiwillig. Manche kokettieren damit öffentlich rum diesen Weg mal beschreiten zu wollen, andere schweigen und tun es einfach und sind dann einfach mal weg. Während Hape Kerkeling der nächste Bundespräsident werden soll. Verzeihung für das Wortgespiele. Die Hinweise auf die Abgänge sind oft Spurenelemente. „Möchte meine letzten Jahre als Einsiedler in Alaska verbringen.“ Las ich eben. Dies sagte der nun Verstorbene, vielleicht schon länger innerlich Tote. Nach jahrelanger Krankheit? Auch so eine gerne wiedergekäute Formulierung. Alte Gefährten aber müssen sich selbstredend äußern: „So früh. So früh!“ Darf man dann auch noch lesen! Wie lange kann man Lebenszeit raushandeln als saufender Depressiver? Als depressiver Säufer? Ich weiß, ich spekuliere an den Rändern rum. Jedoch statt dem Menschen seine Möglichkeit der endgültigen Weltflucht zu gestatten, gibt es unten rechts (sic!) das Kästchen mit den Telefonnummern. Sind Sie suizidgefährdet? Rufen Sie uns an. Vorschlag: Nennen wir es einfach: Lebbe tut weh! Ist extrem gefährlich und führt sehr oft zum Tod. Oder wie es ein mir einst bekannter Blogist punktgenau formulierte: „Vor dem 24 Stunden und sieben Tage währenden Lärm der Stadt gibt es keinen Schutz.“  Ach nee?

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0800-1110111 oder keine warmen Worte mehr

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Wenn ich gehe

Gehe ich

Wenn ich schweige

Schweige ich

Wenn ich dich liebe

Habe ich es zumindest versucht

Wenn ich müde bin

Bin ich die ganze Nacht wach

Wenn ich mehr wüßte

Könnte ich es dir sagen

Nein

Schreiben tät ich es

Eine Postkarte aus Alaska

Oder vielleicht

Das letzte Telegramm

Aufgegeben im plattgemachten Postamt

Das mal ein Gegenüber mir war

Ich habe den Schlüssel mitgenommen

Zur Not und man weiß ja

Ein bisserl vielleicht

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(Heute / eben / Gießen)

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„So I’ll remove the cause … hmm … hmm … hmm … but not the symptom!“

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Keine Premierenfeier oder sonst wie notwendige Zusammenkunft inklusive Körperschütteln ohne dieses Lied. Einst. Köln. Schauspielschule. Erste Engagements. Shivering with anti …. zipation. Heten, Frauen, Schwule und die anderen 27 Sexes versuchten sich in Tim Curry-Interpretationen. Stell Dir einen roten Teppich vor! Augenbraue hochziehen, manchmal Jaggers Hasenpfote in der Hose, erinnere mich sogar an ein Kölschglas an dieser Stelle, Buben durften Highheels antesten, die schwachen Bänder und Sehnen mißachtend. Es war ein Heiden(sic!)spaß. Seltsam unschuldig und sehr heiter. Urteilen wir morgen. Oder wenn das Buch in Gänze gelesen!

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Denke auch im Rückblick auf diesen fürchterlichen, hoffentlich bald enden mögenden, Sommer 2026, da ich im Gegensatz zu Frau Cpunkt Wahl das Schwimmen nicht als Möglichkeit von Erkenntnisgewinn in Betracht ziehen kann und mag, obwohl oder halt deswegen, da ich an einem See aufwuchs, vielleicht hätte ich auch in den Flüßen, Bächen und Tümpeln meiner jungen Jahre, in all meinen Lebensgewässern also, mehr Hungersteine hinterlassen sollen. Müssen gar? Wenn sich die Lebenswasser zurückziehen und so einiges trockenfällt, bleibt man gemahnt. Warte nicht auf bess’re Zeiten! Hätte man sich so sorgfältiger auf die unvermeidlichen anstehenden Brühe – sprich: Identitätsbruch – (Hallo! Lassen Sie diesen Vertipper – Brühe statt Brüche – bitte stehen. Selten gelang Ihnen in den letzten Tagen Sinnigeres. Gelle und so: Der Säzzer!) … also sich auf die unvermeidlich anstehenden Brüche einstimmen sollen? Zurück nach Gießen! Warte nicht auf bess’re Zeiten?

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„Könnte man Gott sehen, wäre man um keinen Deut weiter. Der Mensch ist eindeutig jenes Ding, das nichts um einen Deut weiterbringt.“

(Georgos Perros / Klebebilder)

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“It’s a sad and beautiful world.” (Zack)

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An der Lahn bei Naunheim / Lockdown / Mai 2020

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Im Jahre 1986 fiel im Gefolge von Jim Jarmushs “Down by law” Tom Waits, mit gehöriger Verzögerung, auch in Deutschland in die geneigten Ohren. Zu dieser Zeit pendelte ich zwischen Köln, Düsseldorf, St. Gallen, Münster und Basel jungschauspielernd. Viele Nächte in stets pünktlichen Zügen verdöst. Und egal wo ich ausstieg, in den Wohnungen oder Kneipen, lief die 80er Jahre Trilogie Swordfishtrombones, Rain Dogs und Frank Wild Years in Heavy Rotation. Und überall erzählte man sich die Mär vom trinkenden, einsamen Streuner aus LA. Dabei hatte der 1980 seine Frau Kathleen Brennan kennengelernt und den Whiskey in die Ecke gestellt. The Piano wasn’t drinking anymore.

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In Köln aber feiert bis 1993 Gerd Köster und das Klavier dat immer noch jesoffe hätt, den Barden mit dem kleinen Hut. Der kleine Hut blieb mir irgendwann.

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Die Welt war traurig und wunderschön. Damals. Schon immer. Und blieb sie auch dann fürderhin. Mal so oder eben so.

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 Roberto: It is a sad and beautiful world!

 Zack: Yeah, it’s a sad and beautiful world, pal. Eh, buzz off.

 Roberto: Ah, thank you! Buzz off-a to you, too.

 Zack: Buzz off!

Roberto: Ah, buzz off. Buzz off? Buzz off? It’s – it’s a sad and beautiful world. Buzz off. [writes it  down in a pocket notebook]

Roberto: Buzz – off. Good evening, buzz off to everybody. Oh, thank you. Buzz off to you too. Oh, it’s a pleasure. Thank you.

 Zack: [takes a swig of beer, starts singing] O-we, now, now, it’s a sad and beautiful world, It’s a sad and beautiful world, It’s a sad and beautiful world, It’s a sad and beautiful world …

(Dialog / Down by law / Roberto Benigni / Tom Waits)

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Heute wird er 75 Jahre alt der Mann, den ich in den letzten Jahren etwas aus den Augen und Ohren verloren habe. Bereiten wir ihm zu Ehren einen Hasen zu. An den alten Lagerfeuern. And then we all scream-a for icecream-a.

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„Männer mit weißer Hautfarbe sind Geister von Toten, die ihr Ende nicht finden, leben nicht mehr und sind noch nicht tot.“ (Thomas Brasch / Kargo)

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Im Zug / Fensterblick / Zwischen Leipzig und Hoyerswerda / Das Wo ist vergessen / Juni ’23

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Am 3. November 2001, vor 23 durch die Zeitachse davon gejagten Jahren, starb Thomas Brasch. Auf vielfältige Art und in vielen Zusammenhängen mir eine aufploppende Projektionsfläche und Identifikationsfigur.

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„Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber

wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber

die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber

die ich kenne, will ich nicht mehr sehen, aber

wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber

wo ich sterbe, da will ich nicht hin:

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“

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(Thomas Brasch / Kargo. 32. Versuch auf einem untergehenden Schiff aus der eigenen Haut zu entkommen)

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Im Sommer 1980 hat mir meine damalige Geliebte dieses Buch geschenkt. Mit gereimter Widmung. Wo ist das Buch? Ich habe es – glaube ich – im Rahmen meiner Arbeit an der „Tankstelle für Verlierer“ – irgendwohin verliehen. Manches kehrt nie mehr zurück. Ich erinnere mich, wie ich mich durch diesen wilden Wust versuchte durchzulesen. Viel begriff ich nicht. Was ich aber begriff: wie wuchtig die Heimatlosigkeit, das Atmen ohne Wurzeln, die verlassen, das blinde Tasten namens Wut in diesen Texten. Damals befremdete mich das. Inzwischen ist es Bestandteil meiner Sicht auf das Außen. Obiges Gedicht war Motto meiner Gundermann–Arbeit.

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„Wieviele sind wir eigentlich noch.

Der dort an der Kreuzung stand,

war das nicht von uns einer.

Jetzt trägt er eine Brille ohne Rand.

Wir hätten ihn fast nicht erkannt.

Wieviele sind wir eigentlich noch

War das nicht der mit der Jimi-Hendrix-Schallplatte.

Jetzt soll er Ingenieur sein.

Jetzt trägt er einen Anzug und Krawatte.

Wir sind die Aufgeregten. Er ist der Satte.

Wer sind wir eigentlich noch.

Wollen wir gehen. Was wollen wir finden.

Welchen Namen hat dieses Loch,

in dem wir, einer nach dem andern, verschwinden.“

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(Brasch / DDR-Lyrikreihe Poesiealbum)

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Kurz nach der Biermann-Ausbürgerung 1976 verschob sich auch Brasch mit seiner Geliebten Katharina Thalbach in den Westen. Ließ sich auf eigenen Antrag hin verschieben. Wer bereut was und wann? Das Wortungetüm namens Ausreiseantrag. 1980, eben in Köln auf der Schauspielschule angefangen, sah ich im Schauspiel Köln Flimms Inszenierung des „Käthchen von Heilbronn“. Die junge Thalbach eine Explosion der Darstellungskunst. Tief beeindruckt. Damals verstummte Brasch eine längere Zeit lang, zumindest öffentlich, und besoff und bedröhnte sich, wenig beeindruckt vom „Versprechen West“. Der Grenzgang, das Faszinosum Euphorie, war mir nie fremd gewesen. Früher noch mit etwas mehr Glitzern versehen. Heute gelegentlich erschreckend banal mit dem eigenen Untergang jonglierend. Nie vergessen werde ich den Schluß des Theaterabend zu Kölle. Die Rückwand der Bühne öffnete sich, man sieht die nächtliche Krebsgasse. Kalt zieht und sieht es in den Zuschauerraum hinein. Draußen stehen die Schauspieler und glotzen zurück. Ein Poem von Brasch?

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„Und wenn wir nicht am Leben sind

dann sterben wir noch heute.

Die Liebe stirbt, du lebst, mein Kind

Die Mädchen werden Bräute

Ach, wenn ihr mich gestorben habt,

lebt ihr mich weiter heute,

gemeinsam wird ein Land begrabt

und einsam sind die Leute.“

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(Brasch / Gedichtsammlung: Die nennen es Schrei)

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Der ewige Riß. Laut oder leise. Wie einst der Vorhang im Tempel zu Jerusalem. Die Welten werden weiterhin Pharisäer beheimaten, denen eine gezielte Beerdigung ihres Landes am Schrumpelhirn vorbeigeht. Man setzt lieber fremdes Eigentum am Roulettetisch namens Leben denn den eigenen Arsch. Brasch ging, wie man heute so gerne schwafelt „All in“. Das mochte ich stets und mag es noch, wissend um die Risiken. Und sie auch gerne negierend. Wissend negieren? Geht das? Vor den Vätern sterbend als Sohn, der man ewig bleiben muß, wenn kein Vater? Dann Gott? Anderer Vater?

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„DAS FÜRCHTEN NICHT UND NICHT DAS WÜNSCHEN

darf mir abhanden kommen, auch mein täglich sterben nicht

das seellos süchtig sein auf keinen fall

nur hirnlos reimen wie ein wicht muß beendet werden

da ist ein gott und setzt sich zwischen alle stühle

er sieht genauso aus wie ich mich fühle“

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(Brasch kurz vor seinem Tod 2001)

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Und nun welches Lied? Ich kann nicht begründen warum, glaube aber es passt. Verdammt. Neat übersetzt: sauber. War auch einmal ein höchschtes Lob. „Und wie isches? Sauber!“ Beachten Sie den Bassisten links im Bild!

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„Father, why are all the women weeping? They are weeping for their men! Then why are all the men there weeping? They are weeping back at them!“ (Nick Cave / Weeping Song)

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Konstanzer Bucht / November oder Dezember 2019

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Am Ende der Kontrollen oder ein Heimatgedicht (keine Gebrauchslyrik)

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Bei dem Versuch fallende Blätter zu fangen

Brach ich mir den Zeigefinger

Der Wind hatte kein Einsehen mit meiner blinden Not

Trieb das Laub vor mir her grinsend meine Wut entfachend

Und ich schlug gegen die schorfige Rinde des alten Baumes

Mit aller Wucht die ich zu erinnern suchte zittriger

Wer hatte mir erzählt man könne die Fallenden mit Tränenflüssigkeit

Wieder binden an die morschen Äste

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(Gießen / Draußen trudeln die bunten Blätter freudig erregt / Unkontrollierbar / Grinsen mich an / Froh drüber, keine Kolumne schreiben zu müssen in der Laubbläser oder der Lebkuchenpraecox vorkommen / Herbst nix für Weicheier)

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„Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Schloß Büdingen / Eingangshalle / Blick nach oben links / Nach Hause gehend rechts / 11. 10. 2024

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Trophäen und andere Irrtümer

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Von oben nur der Kräfte

Halt

Und halten uns im Zaum nicht mehr

Die Kräfte die von oben

Man vergaß zu loben

Als das öffentliche Leben dem Verfall angedient

Die Städte gingen in die Knie

Vor dem großen Ich

Und ich las

Meinen Steuerbescheid trübe beweinend

Von einem Buch aus fernen Tagen

Verbot mir zu toben

Schaffte es nicht mehr zu loben

Das Handwerk welches nie erlernt

Und es hingen die Trophäen

An karg gekalkten Wänden

Keine Lust zu enden

Da ein andrer Stuhl ward nicht gezimmert

Von mir

So gibt mir Zeit

Ein wenig noch

Irrtümlich und verrückt bestückt

Niederlegend die Schreckschußpistole

Großmäuligkeit

Ohne Gewähr

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(25.10. 2024 / fenster offen / sommer? / kraniche hauen ab trotzdem / gut so)

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„lechts und rinks kann man nicht verwechsern werch ein illtum“ (e. jandl)

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Gießen / Hardthöhe / Parzelle / fast abgeerntet / 22. Oktober 2024

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vor einem abgeernteten feld hockend

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du baust keine stühle aus worten

brichst nicht auf böden mit bleistiften

oder wütenden tastaturen

unangenehm riecht die jauche des nachdenkens

welche wohltat gärende brennesseln auf feuchtem herbstboden

die letzten schmeißfliegen schwirren erfreut heran

hier stinkt es erbaulich

auf den gehsteigen der städte zertrümmerte stühle

zum mitnehmen keck bezettelt

feiern die faulheit und die flucht

vor dem denken davor bis

leere kühlschränke tanzen auf den verstopften kreuzungen

und kratzen sich die bauchnäbel wund

die nächte sind zu laut

um einsam zu bleiben

mach dich winterfest

es wird etwas länger dauern

bis du dich wieder hinsetzen darfst

so müde

von deiner ewigen müdigkeit

alter genosse

in den tagen nicht endenwollender

sonnenfinsternisse

und dann ernten kannst was du

einst ausgebracht

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(gestern gedacht / heute getippt)

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PS: Nachträglicher Nachdank meinem wunderbaren Deutschlehrer, der uns mit Ernst Jandl bekanntmachte in den Siebzigern, zu trotzen der denkenden und schreibenden Voreiligkeit. Eine Lehre, welche selbstredend in mancher Sache den ejaculatio praecox meinerseits nicht immer verhindern konnte. Das Gemüse scheint länger nachzudenken, um dann gut zu schmecken.

„I’m crossing the street to get away from a mangy dog / Talking to myself in a monologue.“ (Bob Dylan / Highlands)

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Ein Schaufenster / Beeskow / Brandenburg / Juli 2014

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Erklärtext machen? Schrieb ich ja gestern von. Ok! Weil ja auch Saskia Ricarda Lindner stets die Wahlergebnisse mit dem gesichert durchdachten Floskelsatz „Wir müssen unsere Politik besser erklären!“ erklären, sehe ich mich heute auch in der Lage zu erklären, was hier manchmal so steht und sogar, wenn man es nicht liest, es nicht versteht. In kleinen Dosen jedoch.

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Mangy? Mangy ist Englisch (Ach nee? Gruß vom Säzzer) und wäre zu übersetzen mit räudig oder schäbig oder von der Krätze befallen.

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Der Reim zum gestrigen Tag. Leider bisserl traurig auch. Begegnungen.

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Als wir begannen Straßenseiten zu wechseln in Sackgassen abbiegend

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Mit meiner Angst ich schlendern ging

An einem kühlen Morgen

Der Sinn stand mir nach Einsamkeit

Besingend meine Sorgen

Statt Heiterkeit nur Darmverschluss

Die Backen eingefallen

Der Sensenmann klopft an die Tür

Und ich kann nur noch lallen

Meine Lieder schenk‘ ich noch

Dem eigenen Gehörgang

Weil mir die Welt zum Rätsel ward

Wen darf man da belangen

Das Schwert zu schwingen lernt ich nie

Doch triller gern den Abgesang

Und schlender weiter

Aber tät es gerne heiter

Am liebsten ohne Angst und Bang

Nun denn

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Schon wieder dieses Morgen

Schon wieder neue Sorgen

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Fick die Waldfee

Mein guter Freund

Und atme ein und aus

Das Leben wirft dich

So oder so

Zum Fenster raus

Von jeder deiner Straßenseiten

Zu früh vielleicht

Oder bei Zeiten

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(gießen heute / über den tod und die nicht mögliche vermeidung nachdenkend wie immer / warum bin ich nicht pastor geworden / starke und wärmere winde draußen / die letzten tomaten geerntet / alles gut / das war die binse zum tag)

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Texte und Lieder auf Autobiographisches zu reduzieren? Kann man machen. Meint der Dylan sich selbst, wenn er singt? Zweifel ich mal. Schlendern. Flanieren. Zufälle. Die Bücher nicht zu Ende lesen muss erlaubt bleiben.

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„Um dein Maß an Selbstüberschätzung zu erreichen, muss ich 100 Jahre alt werden.“ (Daum in Richtung Hoeneß)

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„Von Christoph Daum lernen heißt in Niederlagen einen möglichen Sieg schmecken zu dürfen.“

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Der Zwickauer Daum und der Ulmer Hoeneß waren lange ein Traumpaar gewollt oder inszenierter deutscher Missverständnisse, bevor sie selber davon wussten. Der getriebene Daum zieht sich ab und an ein Näschen rein. Der nicht weniger getriebene Hoeneß verschiebt Millionen, Milliarden. Der dicke Schwoab sägt dem rheinischen Sachsen im entscheidenden Moment das Stuhlbein ab. Wenn sich Alkoholiker über Drogennutzer echauffieren. Tun sie gerne mal. Daum floh gen USA, kehrte dann zurück. Hoeneß saß ein in Bayern und ist auch wieder da inzwischen. Man redet von Versöhnung. Wieviel Feudel braucht man, um all die Krokodilstränen aufzuwischen?

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In den späten 80ern war ich regelmäßig in Müngersdorf zu Gast. Der Tünn. Litti. Icke. Brüder Allofs. Flemming Poulsen. An der Seitenlinie der Irrwisch. Die entscheidenden Niederlagen? Gegen Waldhof Mannheim. Darmstadt. Unterhaching. Roland Wohlfahrt schießt drei Hütten zu Müngersdorf und mir fällt das Kölsch aus der Hand. Wohlfahrt? Wiederhole mich: Wohlfahrt?

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Kein Trainer war so oft ein umjubelter Zweiter. Sogar ob der Schäl Sick von Istanbul. Weit vor Leverkusen. Meine Sympathien? Sind klar verteilt.

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Sobald jemand dem Ulmer in den Vorgarten pinkelt, pinkelte – Not? Verzweiflung? Die Beulen am Kopp nach dem Rennen gegen schwäbische Mauern? Wut? – holte der, lange vor Einführung des Doppelwumms, die Bazooka raus. Die Gewinnenwollenmüsser jubeln dazu. Wie es hieß im alten Süden: „Der hält sich wohl für dä Käß!“ Oder: „Dicken Eiern hinterher zu laufen, macht dir kein Omelett in deine kalte Pfanne.“ Wer hat das gesagt?

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Wir standen gerne in der Südstadt am Zochweg rum und man bejubelte den Daum, der neben dem Dreijestirn schmiss die Kamelle runter. Vielleicht ist das die Qualität des ersten FC Kölle, dat die nie mehr Meister werden. Wollen? Aber die Hoffnung stets fiere donn. Xavi Alonso hat Leverkusen vom ewigen Fluch erlöst. Das durfte der Daum mit ins Grab nehmen. Schön.

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Ceterum censeo: Es ist natürlich vollkommen sinnfrei barfuß über Scherben oder glimmende Kohlen zu gehen. So den Turbokapitalismus überwinden wollen? Weia! Manchmal sollte man dies jedoch versuchen. Da die Not rief! Nun die beste aller Torhymnen. Sinnfrei! Do stonn mr all parat! Kölle Alaaf!

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