Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 17

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Paar in Betrachtung / Stadtgarten KN / Vor oder nach dem Gewitter / Mai ’26

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 8

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Geschichte wiederholt sich und, weil der Mensch ein Mensch ist, auch der Dauerton und Mentaltinnitus namens Hysterie. So, what’s the new, pussy cat? Neunzehnhundertneunundsiebzig wähnten sich die Staaten mal wieder am Abgrund. NYC is dropdead, konnten wir lesen. Geiselnahme in Teheran und der unfähige Erdnußfarmer kriegt das alles nicht in den Griff. Die Folge? Der Weltraumcowboy Ronnie Rpunkt ante portas. Die Stimmung in diesen Monaten war manchmal eine gereizte. Ob ich dies damals schon oder nur jetzt in der G’scheitlerückschau bemerke, who knows. In NYC gab es in diesen Tagen täglich an die 2 bis 3 Banküberfälle. Und wir mittendrin und nicht nur dabei. Abends saßen wir gerne auf dem legendären, west side story behafteten fire escape vor unserem Hotelzimmer – forbidden! only enter in the case of emergency! – rauchten und ließen uns von den allgegenwärtigen Polizeisirenen, der Hitze, der skyline und den Inhalationen benebeln. Ein Mann mit einer Tüte in der Hand stürmt um sich schießend aus der kleinen Bankfiliale neben dem Pennhotel. Zu unseren zurückzuckenden Füßen. Um die Ecke schießen sogleich zwei, drei policecars. Eintritt frei. The blues brothers are in town. Realität als movie in Echtzeit. Auch später, als ich alleine zu Julie und zurück ins liebesleere Freiburg hitchhikte, war es gelegentlich recht kribbelig. Der Typ, der mich auf dem highwayring rund um Kansas ins Handschuhfach greifen ließ und ich darin Pornohefte mit sehr jungen Buben und eine Knarre entdeckte. Do you wanna read interesting stuff? Enjoy. Kurze Zeit später stand ich mitten auf der Fahrbahn. Der cop, der mich hinter Reno / Nevada auflas – i drive you to a saver place und ich stand morgens um sechs in the middle of nowhere, 40 miles von der nächsten Autobahnauffahrt entfernt. Ohne Wasser und Brot. Ein Raketentechniker, der jeden Morgen an dieser Ecke vorbeifuhr, weil er wußte von dem Bullen, der da gerne mal mal seine perversen Spielchen betrieb, rettete mich. Der fette Sack, ich schrieb davon, der mich in Arkansas mit Auto und Wohnwaggon aufsammelte, come on, i pay you a room. Can i take a shower? Dann lieg er vixend auf dem Bett! Let me see your slip. I got a knife in my pocket. Mein Messerchen war eine Fingernagelfeile. Für Marie, lieber Woyzeck, hätte es nicht gereicht. Gott sei Dank. Er ließ mich raus. Oder der Aua, dem ich, nachdem wir in einer Bar in Banff Bier und Whiskey in uns hineingekippt hatten, mich mitten im Wald auf einem Parkplatz hatte, zugedröhnt schlafend, liegenlassen, ich erwachte, das Auto weg. Wenig später, die Götter wachten über mich, kam ein Ranger um die Ecke. Boy! We‘ve got a lots of bears around here. No good idea to sleep in this area. Ich erzählte meine Geschichte und er fuhr mich in ein Hotel mit grandiosem Blick auf die Grand Tetons. Eine Freundin betrieb dort die Küche. Give that german boy a big breakfast and then he can have some beers. Wer sich nicht Gefahr begibt, kommt halt anders um.

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Die Wirtschaft da drüben ächzte und stöhnte, trotz der guten Tipps von Helmut und Giscard, und die Zahl der sich abgehängt fühlenden, whether it‘s a fact or just illusion, schien tagtäglich zu steigen. Die meisten Brummifahrer waren independent truckers. Was heißt: sie fahren die geladene Ware im eigens gekauften Truck über die Highways und werden dann ausbezahlt oder auch nicht. Was dies bedeutet, durfte ich Jahrzehnte später begreifen, als mich die Pandemie zum SOLOSELBSTSTÄNDIGEN erklärte. Bis ihr uns nicht bezahlt, streiken wir. Sagten sie also, die Unabhängigen, Vorfahren der Gelbwesten, die Michel Houellebecq besingt. Zu Recht? Frau Zeh? Was sagen Sie? Da die trucker auch ihren Überlebensstoff, das gasoline – eine gallone kostete damals weit unter einem dollar, also vierzig Pfennige pro Liter – Empört Euch! – auslieferten, also dies sollten, gab es kaum Stoff an den filling stations. Nicht endenwollende Schlangen und keine Tankrabatte. Wir, nachdem wir den roten Datsun in Oakland abgeliefert hatten, trampten den Highway Nr 1 runter nach LA. Vor der Hauptstadt der Engel nahm uns ein Truck mit. Sein Tankanzeiger kurz vor minus null. Was das bei einem Diesel bedeuten kann? Fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker! Wir fuhren auf einen Parkplatz, der Mann holte einen Gummischlauch aus dem Handschuhfach und dann wurde kurz angesaugt und beim Kollegen der Stoff geklaut. Das war irgendwo in suburbia. Danke Boys. Just walk down there, three or four blocks and you gonna hit the highway. Aber suche mal einen sogenannten Bürgersteig in den Vororten LA’s. Wir lernten ungläubiges Staunen. Im nächsten MC Donalds saßen uns nur Übergewichtige gegenüber. Die Verkäuferinnen begrüßten uns mit einem aggressiven Schimpansengrinsen. Can i help you? Chicanos. Aber die Ware, die wir erstanden war wunderbar glitschig und schmeckte großartig. Find ich. Und Ronald Mc Donald verkaufte noch beer. Auch an dürre germans.

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Auf dem Weg nach Mehicho war Key West Pflichtabstecher. Davor kurzer Stop in Fort Lauderdale. Hier kickt jetzt Gerd Müller. Und da vorne der Ocean Boulevard. Da wohnt Eric Clapton. In Key West das Haus von Hemingway, die verlausten Katzen im Garten, ein paar beers in Sloopy Joe‘s Bar, don’t miss the legend, es war damals noch nicht überfüllt, die Schwulen hatten die absolute Mehrheit vor und hinter dem Tresen und zu Wohlstand gekommene Chinesen und deutsche Studienräte glänzten (noch) mit Abwesenheit. Abends saß man am Mallory Square, ohne food trucks, Souvenirstände und anderen ChiChi – oder CheChe – Kram. Es roch wie nach dem Erlaß des Haschgesetzes der Ampel auf Gießens öffentlichen Plätzen, ich klimperte ein bisserl Dylan, daneben ein Bibelprediger – boy stop smoking the devil is on your heels und – da hinten mußte Kuba sein, es ersoff die Sonne in Euphorie. Ein kleines recht zierliches Mädel, wie sich herausstellte Tochter eines Großindustriellen und auf der Slackline Bipolarität unterwegs, fragte uns, ob sie uns auf ein paar drinks einladen dürfe. Ok. Wir enterten den Poolbereich des Firstclass Hotels nebenan und wurden vorzüglich – Chicanos do the job! Ask T.C. Boyle – bedient. Cocktail so und Cocktail anders. My dad does the bill. Dann saßen wir auf ihrem Zimmer, sie hielt ein großes Glas mit Magic Mushrooms in den Händen. Enjoy! Als wir wieder in den Poolbereich zurückkehrten, waren wir etwas verhaltensauffällig. Wir flogen in hohem Bogen raus. Zu Recht. Am nächsten Morgen hatten wir alle drei keine Stimme mehr. Nicht wegen der heiligen Pilze, sondern angesichts der unseligen Klimaanlage im Hotelzimmer. Kannten wir noch nicht. So und heading ab for mehicho.

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Was mich in diesen Tagen stets begleitete, alleine, zu zweit, zu dritt, vor allem nachts und rollend, war neben den nicht geschriebenen und nie abgeschickten Briefen, den Sternen und den ewig glimmenden Stengeln, das Autoradio. Countrystation, Hitradio und vor allem der Biblefunk, der uns nachts ins Gewissen redete und uns, ohne daß wir das damals begriffen, zurief: so ganz alleine seid ihr nicht. Hey! Jungs!

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 16

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Mainhätten bei Frankfurt / Blick vom Städel über den Main / vor einer Woche

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 7

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Man hätten oder man hätten eben nicht gehalten. Soll mal der unsäglich lästige Manu N. gesagt haben. Hä? Draußen tanzt das Thermometer in die Höh‘ wie ein Skyscraper und ein blödes Witzle als Überleitung sei mir weichhirnig erlaubt. Ei laik to have two mirroreggs! Manhattan morgens früh um acht. 1979. Der erste Morgen. Der erste Jetlag. Ein breakfastladen Ecke 34th street / 8th avenue. Frühstücksangebot angeschlagen am Schaufenster. Eier / Toast / Kaffee / Butter und Jam. Neunundneunzig cent. Der Dollar kostete im Jahre 1979 etwa eine Mark achtzig. Rein. Wie wollt ihr eure Eier, Buben? Der Weg vom stolz erlernten Schoolenglish hinaus in die Welt ist ein weiter Weg. Ich hatte mir gemerkt: scrambled eggs. Gerührt und nicht geschüttelt. Mein bester Reisegefährte fragte – Weißt Du wie … dings … Spiegel … Mirror oder so? Keine Ahnung. Ei laik to have mirroreggs. Die Bedienung, die in einem durchchoreographierten Höllentempo hinter dem Tresen, am dem wir saßen, hin und her tanzte, es galt Büromenschen und Menschinnen, die damals noch Menschen waren, vor ihrem Dienstantritt schnell und schweigend zu bedienen, grinste uns an wie Nanny Mc Fee. Sekunden später knallte sie uns die Teller vor den Latz. Boys! That‘s what WE call eggs sunny side up. Über dem Hudson war die Sonne aufgegangen. Aber wir waren noch nicht so weit. Ähem. Ob wir noch einen zweiten coffee? Ähem. Iss included strangers. Refill. Refill. Refill. This is a free concert from now on. Als wir etwas später im rasenden Elevator das empire state buildng hochfuhren, auf der vergitterten Aussichtsterrasse standen, waren wir uns sicher, hier riecht es massiv nach Menschenaffenschweiß. Was scherte uns schon die Wirklichkeit? King Kong Kane. Interlude of memories. Ich hoffe die white lions werden Weltmeister. Klischee ist Menschenrecht.

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Wir kamen an. JFK. Wollten zur U-Bahn. Dachten so, einsteigen, hinfahren halt. Rein in den großen Apfel. Zwei sehr hohe und sehr breite schwarze Cops nahmen uns in Empfang und wiesen uns an den JFK-Express zu besteigen. Stiegen ebenfalls ein. Der isch aber scho recht teurer. Isch des ein Sonderzug? Des glaub i doch it. Süddeutsche Buben empört. Geiz war schon immer geil. Wir wollten dann austeigen, Times Square, nachts, Taxi Driver, 42nd street. Nee, Boys: hier halten wir nicht für Touris. Dort wird ausgestiegen. Da ist eine policestation und dort meldet ihr euch an. Zwei junge Möchtegernhelden leicht indigniert. Zurück zum Klischee. Die Rolltreppe fährt von der tube hinauf in den Nachthimmel. Ecke Lexington / 42nd street und rechter Hand wächst und wächst und wächst das Chryslerbuilding und die Titelmelodie von Teddy Kojak erklingt. Polizeisirenen. Von den Amis lernen hieß damals, daß zwischen Klischee und Realität kein Fingerbreit passte. Fragt zu diesem Thema gerne die Omas gegen rechts oder die Insassen des Hospizes zur altlinken Ernüchterung in den Tagen der sinkenden Sonnen. Wir meldeten uns brav an bei der angewiesenen police station – dort empfing uns Whoopi Goldberg, ok sie sah wohl nur so aus – check that boys, passt mal auf: das hotel, das hotel oder das hotel. Die anderen nicht. Natürlich – ich laß mir doch von denne Neger nix verzähle – wurde das erste indizierte Teil angeschaut. Oben im ersten oder zweiten Stock der counter. Ein Treppenhaus wie in der Schießerei im Taxi Driver, als Harvey Keitel dran glauben muß und rückwärts die Treppen hinab kullerte. Ja! Klischee! Noch mehr davon? Am Empfangstresen drei Riesen. Schwarze. Blauer Anzug. Gelber Anzug. Grüner Anzug. Schlaghosen. Ask Quentin Tarantino. Breites Grinsen. Wir schulterten unsere Seesäcke und ab dafür. Gegenüber der Pennstation, ein  paar Blocks weiter, das Pennhotel. Chinesen am Empfang. Ein alter baumlanger schlurfender freundlicher Schwarzer führt uns zum lift. Lift? Heys Boys. This might be a lift over there in europe. It is an eleavator over here. Schulenglisch. Dig it. Na ja. Er zeigte uns noch das Zimmer, im dem Leonard Cohen eine Zeit lang gewohnt hatte. Wir öffneten die Badezimmertür und, da wir die Glühbirne anschalteten, jagten etliche fette Kakerlaken in die feuchten und dunklen Nischen. Weg von uns. Auch wenn wir sie nicht sahen, sie lebten weiter.

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Sechs, sieben Jahre später war ich mal wieder etwas länger in NY. Meine damalige Freundin, Schauspielerin, war schon vorgefahren und hatte Unterkunft in der Wohnung einer Frau, die an der Börse arbeitete. Wir waren fasziniert von dem unfassbaren Tempo, in dem sich die Menschen in dieser Stadt, vor allem downtown Manhattan, bewegten, aßen, tranken, redeten, gestikulierten und über die sidewalks jagten. In High heels schneller als Armin Hary in Turnschuhen. An einem dieser Tage nahmen wir uns vor, Schauspieler aka Nachäffer der Realitäten (Klischees?), die wir waren, uns diesem Höllentempo anzupassen / mitzugehen / get the flow / halt das gelbe Auto an, am Strassenrand winkend – dies Jahrzehnte vor Frau Bärenböckle – und wir scheiterten kläglich. Atemnot. What can we do: Blasen im Schuh. Angerempelt. Langeweile. Magenweh. Wie ist es nur möglich diese Strassen zu überqueren? Traffic lights hin oder her? Wir fuhren dann nach Coney Island und schauten uns stillgelegte Riesenräder an, lauschten den Möwen und Büchsenbier ist eine segensreiche Erfindung der Amis. Wenn man aufs Meer blickt. Sagte einst selbst Joschka Fischer. Falls ich nicht irre. Hihihi. Und, soweit ich mich erinnere, gab es 1979 in der Nähe des times square ein Hofbrewhouse. German Bier und Kellner in leathertrousers. Dahin waren wir geflohen, sieben Jahre zuvor, nach dem mirror eggs desaster am Morgen. Und old boys, die damals in fränkfört oder bremärhaven oder gar friedberg dienten in the name of … democrazy … saßen da auch rum und gar nicht stumm. Und die Zeit verschob sich vor und wieder zurück und lag einfach vor uns, na ja, schon wieder rum.

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Nichts vom dem stimmt, was stimmt und das was stimmt, war gänzlich anders und morgen dann – vorletzte Folge – von der Finsternis und dem naiven Balancieren an den Rändern der eigenen Hybris. Aber sonst: das waren einfach nur:

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 15

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Reisbier / Grüner Tee / Treffen sich im koreanischen Restaurant in Bad Soden

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 6

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Als wir, der barfüßige H und ich, NY verließen durch den Hollandtunnel und saßen in dem roten, klapprigen Datsun, um ihn nach Oakland / CA zu überführen, hundert bucks Kaution hinterlegt hatten und sieben Tage Zeit gewährt bekommen hatten, die Schrottmühle bei der Besitzerin unfallfrei abzuliefern, die Reifen durften nur, solange es hell, rollen, wir also das Radio andrehten, aufdrehten, sobald der Hollandtunnel hinter uns lag, heading for Pennsylvania und weiter in die untergehende Sonne, und uns also die britische Band Bittere Notlage mit ihrem ewigen Lied von den irdischen Machthabern der Schwingen auf dem Highway begrüßte; Kitsch as Kitsch can, der am Horizont versinkende Planet uns auflud mit glitzernder Vorfreude, go west, wußte ich noch nicht, daß wenige Wochen später in Winston-Salem ein Liebesbrief im Mailkasten liegen würde – c/o Ulrick in Amerika – der Liebesbrief, den ich solange ersehnt / erwartet / erhofft / vergessen und verflucht hatte, der in jenen Tagen noch in Freiburg, das ich fluchtartig verließ Richtung Amiland, mich wohl noch erlöst / gefesselt / gebunden / entmündigt hätte, dieser Liebesbrief, der dort in Freiburg sicherlich versunken war in der fürchterlichen Düsternis ihrer Heroinsucht, der mich wenige Monate zuvor, abgeschickt von ihr, wohl niemals hätte aufbrechen lassen, dieser Liebesbrief, der viel zu spät, aber schicksalsgerecht verspätet doch, mir auftat so die Türe zu meinem Lebensberuf. Ich hatte Politik und Literatur studiert. Denke ich daran zurück, erfasst mich immer wieder ein böser Schauer angesichts der Möglichkeit eventuell in papierner Besserwisserei ein ganzes Leben veratmen zu müssen. So eröffnete mir die ungelenk und ungestüm geliebte Fixerin, die später zur Zennonne wurde, die Chance aus Buchstaben nicht nur Zitate, sondern auch Menschen auferstehen zu lassen, auf den Brettern. Mit der Welt. Für die Welt. Und vor allem gegen sie. Und die Zweifel zu beatmen. Als ich die am wenigsten brauchte. Aber sie am meisten.

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Viel Geld hatte ich nicht. Ich brauchte auch keins. Oft ließ ich mich von den Fahrern, die auf meinen Daumen reagiert hatten, in der Wildnis absetzen, stolperte den Fahrbahnrand runter und legte mich in den Wald, unter einem Baum zu schlafen. Sentimental blaue Erinnerungen an untergegangenen Mut. Und eine Gedenksekunde für Dean Moriarty. Nahe Kamloops (Kanada!), auf dem Weg nach Vancouver (Kanada !!!), erwachte ich, es morgengraute eben, von peitschend lauten Schlägen. Ich lag neben einem kleinen Teich, den Biber aufgestaut hatten. Meine Gegenwart erfreute sie überhaupt nicht. Warnschläge. Fuck off, Menschlein. Gleichzeitig ratterten über mir im frühgelben Himmel Helikopter. Am Horizont brannten die Wälder. Es roch lungenverengend. Das Atmen fiel schwer. Ich steckte mir eine Zigarette an und dachte an Freiburg. Noch zwei Wochen bis Frisco. Sie sahen sich sehr ähnlich. Die zwei. In Vancouver saß ich unten am Hafen, on the dock of the bay, der Song spielte sich in Dauerrotation in mein Hirn rein und wieder raus und wer verlässt eigentlich wen, wenn jemand geht? Oder muß / will / soll / hilflos / mutig und dann mal weg? Und warum geht oft der oder die, die oder der eben jemand gefunden? Ich nahm die Fähre nach Vancouver Island und legte mich in den Hafenpark der Inselhauptstadt Viktoria. Gemüdet und froh. Morgens weckten mich die Hunde der flanierenden Hausfrauen. Leckten mein schlafendes Gesicht ab. Inseln sind ein Geschenk. Viel Ufer. Wenige Nachbarn.

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Irgendwann kam die Nacht, in der ich begann englisch aka amerikanisch zu träumen. In Winston-Salem wurde ich erwartet. Easy does it war verkauft. Dreifacher Preis zurück. Wir hatten also ein bisserl Kohle über. Zurück gen Osten. Hinter Salt Lake City griff mich ein schlingernder VW Passat auf. Ein dauerfluchernder Mann am Lenkrad. Frisch verlassen irgendwo an der Westküste. Auf dem Weg zur Mama in Jacksonville / FL. Ich sagte, führerscheinfrei, baby, i can drive your car. Do so. Naives Depple. Keine einfache Fahrt. Nüchtern blieben wir nicht. Er schlief auf der Rückbank. Albträume. Flüche. Ich versuchte klar zu bleiben. Dann wachte der beleidigte Mann auf der Rückbank auf. Zwang mich auf einem Autobahnkreuz in Arkansas zu halten. Schmiß meine Tasche auf den Highway. Bretterte davon. Meine letzten Reisechecks – American Express – und schlimmer noch – meine Zahnbürste fuhren mit dem Passat davon. Richtung Florida. Hilft nix. Nickerchen am Strassenrand. Daumen raus. Dann hielt wieder eine Kiste. Mit Wohnwagen hinten. Noch eine Geschichte. Eine ziemlich böse Story.

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Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um. Unlängst saß ich mit meiner trauernden Mutter in KN vor der Glotze. Nachrichten. Putin. Trump. Netanjahu. Sie sagte: Die leben alle noch und mein Schatz mußte sterben. Das ist doch ungerecht. Ich nickte. Das Leben ist nicht fair. Erst wenn einer geht, begreift man, wie man ihn brauchte. Der Indianer wartet bis übermorgen.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 14

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Abendlicher Garten / Kühl und feucht / KN – Staad / Ende Mai 2026

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 5

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Die natürliche Grenze zwischen Texas und Mexico ist, je nach Blickwinkel, der Rio Grande bzw der Rio Bravo del Norte. Man denkt vor diesen Begriffen gleich etwas breitbeiniger und versichert sich, ob der Trommelrevolver im Halfter auch noch geladen. Nicht unbedingt gesichert. Die drei Buben aus KN wollten nun also nach Mehicho einreisen. Dies erwies sich als eine etwas abenteuerliche Angelegenheit. Der erste Grenzübergang Richtung Matamoros war geschlossen. Wir fuhren weiter entlang des Flußes mit den klingenden Namen. Am nächsten Übergang stellten sich die mexikanischen Zöllner stur und, keiner von uns des Spanischen mächtig, aber was wir verstanden: heute keine Einreise für Yankees. Donalds Alptraum. Die Nervosität im easy does it wuchs und wuchs. Zankereien. Vorwürfe. Zu lange Haare sagt der eine. Und deine blöden nackten Füße sagt der andere. Du bist und bleibst Konschtanzer, verkleide dich nicht als Ami, sagt ein Dritter. Und schließlich. Hey, Schauspieler in spe! In deinem Alter hatte Brecht schon 5 Theaterstücke geschrieben. Was das mit der angenehm augenzwinkernden Willkürlichkeit der Pochos zu tun hatte, erschließt sich mir heute noch nicht. No importa! Aber Zank ist Zank und Hitze und Weed und Naivität sind eine wunderbare Mischung. Dem dritten Zoll näherten wir uns beschuht, mit gezückten Fluppen und wir sprachen deutsch. Viel Papier galt es auszufüllen. Viel Zeit wurde sich genommen. Aber, wie es Bobbele einst ausdrückte: Ich bin drin. Apropos drin. Das Hotel, in dem wir in Matamoros abstiegen, also die Absteige, war nebenher ein Bordell. Das Bier eiskalt und die Damen grinsten den Buben amüsiert zu. Im Jahre 2022 saßen die drei, inzwischen gealtert, aber nicht unbedingt reifer, beim Grillen am See, in dem Garten, auf den ich die letzten Wochen in KN blicken durfte, gaben ihre Anekdoten vom legendären Grenzübertritt zum Besten, drei Versionen / Varianten / Erinnerungsversuche, die verschiedener nicht hätten sein können. Soviel zur Rekonstruktion versunkener Zeiten in jenen letzten Tagen des Mais und der Behauptung: SO WAR’S DOCH. Quatsch!

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Einschub. Der Grenzübergang auf Amiseite hieß Brownsville. Dylan singt mit Sam Shepard von einer jungen Frau aus diesem Ort. Look at the cover!

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Erst alles auf Master A hochziehen und speichern. Die nächste Lichteinstellung auf Master B. A dann weg. B wieder hoch. Nächste Einstellung. Ulrick stand vor dem Pult, drückte einen Knopf und die Regler, die man in Deutschland einen nach den anderen ziehen mußte, bewegten sich hier in Winston-Salem wie von Geisterhand und die Lampen gingen an oder aus und wieder anders und alles neu. Ulrick sagte immer, eines Tages will ich einen Sonnenuntergang wie über dem Überlinger See leuchten. Hier, auf einer Bühne. Keine Lampe dieser Welt aber schafft so einen herrlichen Kitsch. 1979 konnte man das Wort Computer kaum buchstabieren, dachte dies sei eine Erfindung von Spock und genauso theoretisch wie seine Vulkanierohren, aber hier war das eine Art reale Zukunft. Da kommt was auf uns zu. Ulrick war nach seiner Ausbildung direkt Beleuchter an den Münchner Kammerspielen und brachte dann den in Würde und im Namen Fritz Kortners gealterten Beleuchtungsmeister bei, wie man Knöpfchen drückt, statt Regler zu schieben. Wie man Spektralfarebn mischt. Zeiten eingibt. Und daß man sich nicht alles merken muß. Das übernehmen andere.

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Vielleicht war Heino daran schuld, daß wir in Tampico landeten. Die Hinfahrt entlang der Küste des Golfes von Mexico – Dig it orangenköpfiger Motherfucker! – war spannend. Alle fünfzig Kilometer stand die el policia am Strassenrand und stoppte uns und easy does it. Der freundliche Hotelbetreiber in Matamoros hatte uns gewarnt. Muchachos. Wenn ihr kontrolliert wurdet, kontrolliert euer Autochen. Sie stecken euch gerne was zwischen die Felgen, ins Handschuhfach, unter die Fußmatte, das Zeug was ihr, so wie ihr ausseht, euch gerne reinzieht, rufen dann den nächsten Posten an und: klick! Oder zweihundert bucks bezahlen. Comprendido? So standen wir, nichts gegen ein bisserl Paranoia, auf dem kleinen Zacalo einer Provinzstadt, robbten durch easy does it und die lokale Jugend gab uns Tipps, wo man so überall schon Weed gefunden hatte. Vorwärts und – gracias companeros – nix vergessen. Im Hotel in Tampico waren wir die einzigen Gäste. Fenster gab es nicht, Luftlöcher und fadenscheinige Lappen davor. Direkt am Strand gelegen, wehte der Nachtwind den Sand direkt auf die Laken. Erfahrung mit Tequila hatten wir nicht unbedingt. Aber das Zeug schmeckte. Zu gut. Und da war eine Mariachiband. Nur für uns? Wer hat diesen Film gedreht? Werner Herzog? Wim Wenders? Für ein paar Dollars mehr spielten sie! Nur für uns! Mehr Tequila! Neun Jahre zuvor war WM gewesen in Mehicho. Muller. Die Lichtgestalt mit der bandagierten Schulter. Als die Musikanten mitkriegten, daß wir keine Yankees, sondern Alemanos waren, war die Freude groß und es gab nur noch ein Thema: Balompie. An der Pinkelrille, inzwischen waren auch die Musiker gut dabei, erzählte mir einer der Sänger, er habe seinen Sohn nach 1970 den Zweitnamen Muller gegeben. Vor lauter besoffener Euphorie benässten wir uns gegenseitig, einander zugewandt mit heruntergelassenen Hosen. Und dies stimmt sogar. Am nächsten Morgen nach dem Erwachen waren unsere Hälse und Nasen mit Sand, pochendem Schmerz und entsetzlicher Trockenheit bestückt, der Wirt war noch nicht da und wir rannten ins Meer und tranken Salzwasser. Nicht sehr hilfreich. Kurz darauf, es war wohl ein Sonntag, wurde das Hotel von Horden Einheimischer gestürmt und ein paar Büchsen eiskaltes Dos Equis retteten den Tag. Die Mariachiband hatte gestern nur geprobt. Nur für uns, die Lichtgestalt und Muller, den göttlichen Gerd. Jetzt legten sie los. Für alle.

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Morgen dann vom einsamen Daumen im Wind und wie mir ein leibhaftiger Indianer einen Todesschreck einjagte. Und ich dann Zeit brauchte, um wieder deutsch sprechen zu können.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 13

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Grüßender Mann / Dorf- und Narrenbrunnen / Dingelsdorf bei KN / Juni 2026

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 4

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Klingel einfach bei mir, wenn Du in Frisco bist, drückte mir ein Zettelchen mit einer Telefonnummer in die Hand. And have a nice summer. Um nochmal auf Julie zurückzukommen. Ulrick war wieder am Bodensee, Semesterferien, der Dritte im Bunde, mußte in NY seine noch in KN frisch Anverliebte – Überraschung! Mein Papi hat mir einen Flug bezahlt! – wir hatten vor der Abreise dringendst gewarnt noch so ein Fässle aufzumachen, also mußte er da hin, holte sie ab und easy does it hatte Winston-Salem verlassen. Ich war allein mit meinem Zettel und der Telefonnummer. Ein paar Tage später hielt ich den Daumen in den Wind. Indiana. Kansas City. Grand Teton. Great Falls. Calgary. Banff. Vancouver Island. Olympia Mountains. Oregon coast. Frisco. Endlich. Ich stand in einer Telefonzelle zwischen Haight Asbury und Castro Street. Wow! Hey, there you are. Finally. But, Julie is not there. But you’re welcome. Sechs aufgedrehte Village People baten mich herein. Ein paar Bierbüchsen. Nachts lag ich auf dem Sofa und vor meiner Nase zwei Kerzen. Die eine brannte und die andere ragte zwischen nackten Oberschenkel vor meinen betrunkenen Augen Richtung Denkerfalte. Sorry guy. I didn’t mean to hurt you. Das Frühstück am nächsten Morgen war ein Spottgesang auf die kleine verschreckte Hete aus good old Germany. Julie joggte derweil im Golden Gate Park. Die kleine germanische Hete kannte sowas damals nur als Dauerlauf. Ich zog um. Frederick Street. If i remenber well. Julies roommate war ein Psycho. Sie war fast nie da. Mußte joggen und in einer Kneipe arbeiten. Schauspielerlos. Man bot mir einen Job in der Kneipe an. Deutsche Hippietouris bedienen und belabern. Einmal lagen wir, uns hoffnungslos umkreisend, auf der Matratze. Vielleicht doch bleiben? Ich schrieb ihr ein Gedicht. English. Und hielt den Daumen wieder in den Wind. Richtung Winston-Salem. NC. Oder gleich nach Freiburg.

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Den Schlüssel in der Hand halten? Den Schlüssel am Gürtel baumeln lassen. Den Schlüssel? Forget it. Unzählige Schlüssel. Dick und fett und wenn sie beim Gehen aneinaderpappeln, ist das pure Musik. Ulrick hatte eine Freundescombo. Theatertechniker. So called Teckies. Überall, all die Jahre, wo auch immer am Theater, meine Stütze und Beruhigungstee waren sie. Die in Winston-Salem nannten sich the bimbos – believe it or believe it not – und brachen oft schon früh am morgen, also damals so gegen mittags, in unsere Hütte ein, in ihrer Funktion als unsere offiziellen Weedversorger, lange brennende Stengel in den auf jeden klingenden Gegenstand trommelnden Händen. Oder die kleinen glühenden Reste zwischen den roachclip geklemmt. Hey you guys. Move your ass. What’s up? Und der dickste Schlüsselbund war ein Statussymbol. Ein Theater hat viele Räume. Und nicht jeder hat zu allen Zugang. Look at my keys. Guess what! H und ich lebten zu der Zeit in KN in einem Haus, das vielleicht zwei / dreihundert Jahre alt war. Als es hier vor Ort eher noch Blockhütten oder Zelte gab. Und Schlangen. Wie der Kapitän der deutschen Balltreter eben erstaunt feststellte. Und wenn wir triumphierend unsere guten alten Steckschlüssel in die verrauchte Luft hielten? Unsere Schlüssel! Gelle! Hey boys? Do you life in a castle? Die Antwort, mein Freund, kannten die heiß schwülen Winde vor der Haustür auch nicht. Und die wirren Wirbel hinter meiner Nachdenkstirn schon gar nicht. Da hüpfte keine Gazelle. Da lag wohl nur ein Hängehirnschwein. Rum oder Cognac.

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Corpus Christi liegt nicht nur in Jerusalem, aber auch in Texas. Nach dem Semesterende und bevor wir drei uns in alle Himmelsrichtungen aufsplitteten, bestiegen wir easy does it und fuhren los. Mitternacht. Der heiße Nebel über Winston-Salem wuchs sich in Georgia, da galt es einige Sümpfe zu durchfahren, zu einer blickdichten, feuchten Wand aus. Mehr als fifteen miles per hour waren nicht drin. Ich durfte nicht fahren, saß brav auf dem Beifahrersitz. Nachts. Ulrick: lugi, du musch mit mir schwätze. Schwätz mit mir. Lenkradwechsel. H, ein bisserl Clintle Ostholz, Blicke. Aufforderung. Zigarette drehen. Mal mit, mal ohne Weed. Heroes don’t talk. They move on. Manchmal hielten wir an. Ein / zwei Stunden Schlaf. Ulrick lag oben auf dem Dach des Stationwaggons. Snakes. You guess. Easy does it hatte eine Schwachstelle. Der Auspuff. Es röhrte und rasselte. Und alle paar hundert miles fiel er ab. Wir fanden schnell heraus, daß eine mit dem opinel aufgeschlitze Bierbüchse, um den maroden schwächelnden Dinger mit was Draht gewickelt, die nächsten paar hundred miles garantierte. Vor oder hinter Corpus Christi, mitternachts, lagen wir, Feuerzeug – Schwachmaten! – unter unserem treuen easy does it und in der Ferne, die relativ nah, heulten die Kojoten. Wir waren auf dem Weg nach Mexiko. Don’t fear the reaper!

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Der Welt den Rücken zu kehren, heißt nicht zu erblinden. Ob es sich allein oder in Gesellschaft besser reist, beurteilen eh meist die Stubenhocker und Gescheitle. Und dann waren wir in Tampico. Mit Franz Beckenbauer.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 12

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Am Rande des Neuen Kurparks / Bad Soden / Hessen / letzten Sonntag

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 3

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Da gab es, um die Ecke eine Tanke mit Büdchen. In Winston-Salem. Autos, Alkohol und Schmerztabletten – wie man heute sagt – 24/7 zu erwerben. Die Provinzbuben staunten. Der Betreiber war Grieche und wir recht schnell Stammkunden. Sixpacks, Fluppen, die direkt vor Ort gebastelt wurden, Camel, Winston, Pall Mall. Where special people congregate. Reynolds tobacco eben. Eric Burdon singt davon. Auf dem Verkaufstresen ein riesiges Glas voller Asper, as they said. Man konnte sich, und es war oft nötig, Aspirin abgezählt aus dem Gefäß nehmen. Da drunter endlose Reihen von Softdrinks in allen Geschmacksrichtungen und vor allem Farben schimmerten uns an. Der Inhalt genau so spektakulär wie die Verpackung. Spektralzuckerstoff quasi. Irgendwann kauften wir uns dort für twohundertfifty bucks ein himmelblaues Automobil. Gab es ja alles vor Ort. Easy does it. So hieß er. Ein Ford Falcon Stationwaggon. Ein Schiff. Aber erst mal blieben wir noch.

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Wenn ich von der NCSA nach Hause kam, lag Freund H in der Hollywoodschaukel auf der Frontporch und mähte den Rasen nicht. Wie erwähnt, es war schwül. Sehr schwül. Ulrick und ich verpassten ihm bald den Spitznamen the schnitzl. Liegt rum und does not move. Like Timmy … sorry: Timma did it those days. Dann rafften wir uns auf und gleich wieder um die nächste corner eine Art Pub, eine Bar. Ein langhaariger Vietvet, der aussah wie Kris Kristofferson, war unser Gastgeber. Oft waren wir die einzigen Gäste. Büchsenbier. Chips. Peanuts. Zu Ehren des – denke ich – besten Präsidenten, den die Amis jemals gewählt haben: Jimmy Carter. Dylankenner by the way und vom Größenwahn unbeleckt. Giscard und Helmut verklickerten ihm damals ständig wie Wirtschaft geht. Hochnäsig wie wir Europäer sind. Hat sich ja inzwischen erledigt. Gelle. Da stand eine Jukebox in der finst’ren Stubb. Das Fenster ist den Bars in den Staaten eher fremd. Bleiben wir gelassen düster. Viel Country in der Musikkiste, von dem wir, arrogant halt, kaum Ahnung hatten. Der Arm griff nach der Single und legte sie unter den Sapphir. So lief in einer Art Dauerschleife I was made for loving you und Join together von The Who. Gelegentlich verschwand der Gastgeber in irgendwelchen Hinterräumen, zog sich, was auch immer rein, kam zurück, aufgeladen von heute, gestern, vorgestern und dem Dschungel von Vietnam und schmiß uns raus. Zu recht. Naseweise Germans gehen dem Rest der Welt meist gehörig auf die Nüsse. Wollen es aber nicht wahrhaben. Think!

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Darauf waren sie stolz in der Schauspielschule. Ein oder zwei Mitglieder der Village People hatten dort studiert. Der Cowboy? Der Indianer? Der Bauarbeiter? The Black Cop? Der Landser? Ich habe es mir nicht gemerkt. Ich dachte nach da drüben zu bleiben. Mit der Sprache kam ich gut zurecht, ich war sogar in der Lage auf den Gipsfuß, den sich meine Partnerin kurz vor einer Prüfung zugezogen hatte, auf der Bühne improvisierend in Sachen Liebesszene einzugehen – nein: Julie war es nicht – schrieb sogar einen Aufsatz – creative writing – über die Auslöschung der Indianer in North Carolina – strenger Verweis! – How dare you german boy! Ausschwitz! – und dachte trotzdem nochmal nach und dran zu bleiben. Geld dafür hatte ich keines. Stipendium may be. Anyway. Ich hatte einen sehr guten Schauspiellehrer. Er wohnte quasi round the bend. Er riet mir ab. Theatre is language. Mind. You are not made for the showbusiness. Tell stories. Ich schloß mich dann ein paar Tage ein, schaute intensiv homeboxoffice, der Vorvorvorgänger von netflix und dachte nach. Was für ein schrecklich schönes Land. Aber dort leben?

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Bevor ich aber darüber nachdenken konnte, hatten wir noch zu dritt unseren easy does it gesattelt und brachen auf gen Mexiko. Man hatte seinen Kerouac durchaus studiert. Mit viel Bemüh’n. Das war die zweite Halbzeit der längsten aller summertimes.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 11

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In Vergangenheit Badender / Lenkbrunnen / Obere Laube / KN / BW / Juni 2026

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 2

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Liegt uns Europäern und den kolonialisierten Buben auf den anderen Kontinenten eine leere Bierdose vor den flanierenden Füßen, treten wir dagegen. Ganz anders der Ami-Bub. Er bückt sich, hebt das Teil auf und pfeffert es galant in den nächsten Korb oder seinem Gegenüber in die fangbereiten Arme. Hinter dem alten Südstaatenhaus – Frontporch und Hollywoodschaukel inklusive – lag ein kleiner Park. Dort wurde abends Softball, die Amateurversion von Baseball, dargeboten. Noch heute habe ich nicht die geringste Ahnung nach welchen Regeln da gespielt wurde. Aber die Zuschauer, die meisten farbig, waren von einer ansteckenden Euphorie beseelt. Go to the second base. Hit him low. Hit em high. Gegrillte Maiskolben. Überquellende Popcorneimer. Wir, gerne mal vom Weed sediert, saßen da und erfreuten uns des Lebens. Bewegten uns eher nicht. Es war heiß und schwül like hell. Das mit dem Weed war irgendwie gestattet, es störte niemanden, aber wage es, dummer Europäer du, mit einer Bierbüchse durch die Strassen zu gehen, da hält der Cop neben dir an und du mußt das Getränk ins nächste Gebüsch schütten. Außer das Budweiser / Miller / Michelob / Pabst Blue Ribbon / whatever / steckt in einer Papiertüte. Und – i’m not joking – im North Carolina jener Tage durfte man Männer- und Frauenunterwäsche nicht auf die selbe Wäscheleine hängen. It’s the law, stupid.

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Die Schauspielschule war nur wenige Gehminuten von unserer Hütte entfernt, einer „Künstler–WG“ in der Ulrick, like they called him, lebte und aber auch Julie mit ihren etlichen Verehrern. Von ihr aber später. Frühmorgens, eben noch war ich barfuß auf der Suche nach etwas Orangensaft in Gallonengröße vor dem monströsen Kühlschrank in die Kakerlakenleichen getreten, die der obligatorische Kater (Fritz, the cat!) nachts frisch gekillt, hinterlassen hatte und wenige Minuten später hüpfte ich unter einem strengen Diktat – i’m afraid of americans – durch den Ballettsaal. Jazzdance. Bewegungstraining. Augen auf bei der Berufswahl. Le Freak. Danach arbeitete ich, nichts wissend, daß mein zukünftiger Beruf mich irgendwann in die hohle Mittelmäßigkeit der Herkunft dieses Textes führen würde, an einem Monolog von Jorsch Buckner. As they called him here. The knife. Where is the knife? Blood. Blood everywhere. I killed her. Marie. Where are you tonight? Marie? Des Woizeggle in Amerika.

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Das seltsame an diesem Winston-Salem war, ich war noch nie dort, aber alles kam mir vertraut vor. Filme. Fernsehen. Wer die Nachtigall stört. Die Vorstädte. Mein Freund Harvey. Ist das Leben nicht schön. Happy family. Wir kriegen die Kurve. Wenn wir nur wollen. Milchflaschen vor der Tür. Der Zeitungsbote schleudert die Morgenlektüre vom Fahrrad direkt vor die Haustür. Ohne die Milchflasche wegzukegeln. Gegenüber der Hütte lebte ein alter Mann, der so gut wie täglich seinen Rasen mähte. Ein Schild, es stand eigentlich vor jeden der Häuser dort: NEIGHBORHOOD CRIME WATCH. Was das heiße, fragten wir. Well, Boys listen. Wenn ich sehe, daß da irgendein „unknown subject“ auf eurem Rasen, den man übrigens mal wieder mähen könnte, tell this Ulrick, rumhüpft, my gun is loaded. Er habe, ich liebe Klischees, uns, just to mention, damals befreit. Once upon the time in Heidelbörg. And by the way, i love the germans. Aber your Chanzlör is leider a communist, dieser Hellmüt Schmitt.

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Der Sommer nach Winston-Salem war noch länger. Der längste Sommer meines Lebens. Länger sogar als diese … ähem … kuriose Veranstaltung. Da drüben. Eben.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 10

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Wäscheleine / Konschtanz – Staad / Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 1

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Wir kamen an. Mitten in der Nacht. Von wo kommen wir? Von da hinten, wie mein Reisegenosse und selbsternannter Amateurcowboy, wie wir alle damals gerne tönten, wenn uns einst am Bodensee die Polizei anhielt. Und wohin wollten wir? Nach da vorne hin, schob dann die Möchtegernhelden hinterher. Das sollte sich, wir befinden uns im Jahre 1979 in North Carolina, relativ schnell erledigen, diese postpubertäre Aufgeblasenheit. Aber wir kamen an. In einer schwülen Mainacht, in Winston–Salem / North Carolina.

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Sieben Tore in einem Testspiel, die ich mit einem bestenfalls viertelgeöffneten Auge in einem Mini-Fernseher in Bad Soden, einen der 10 Orte mit der höchsten Einkommensmillionärsdichte nicht nur Hessens, sondern ganz Deutschlands, sah, in einem dennoch bezahlbaren Hotelzimmer, Blick Richtung Kurpark, welches ich zu Ehren des Geburtstags meiner liebsten Gattin bezogen hatte. Man nennt diese Veranstaltung immer noch Fußball-WM. Der unsägliche Kommentator hyperventilierte. Man will wohl der in großen Teilen desinteressierten Nation sowas wie stattlich … ähem …  staatlich … verordnete Euphorie implementieren. Tom Bartels heißt er und zwingt mich dazu bei meiner Lieblingssportart Vierschanzentournee stets zu Eurosport zu switchen. Ist Frau Lea Wagner denn inzwischen schon niedergekommen? Was macht Sven Tannenwald? Endlich ein Schweigen zwischen den Wipfeln und Gipfeln?

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Meine Frau hat am selben Tag Geburtstag wie der orangenköpfige Heiopei aus Miami. Gestern also. Wir schauten im Kurpark von Bad Soden aber nicht auf Käfige in der, um den Ehrentag zu feiern, sich Dummbatzen gegenseitig aufs Maul hauten, sondern in eine Konzertmuschel, in der erst eine schwäbische Coverband und dann Egerländer Schmankerl aus Grünberg gelassen musizierten. Und vergessen wir nicht die ewige Stefanie Graf. Man sucht sich so ein Datum nicht aus, an dem man in die Welt flutscht. Noch nicht mal die Eltern. Die spekulieren lediglich.

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Wir, der Reisegenosse und ich, waren 1979 Ende April von London, Ryan Air hatte sich eben gegründet, für billiges Geld nach NY geflogen, hatten von dort einen klapprigen Datsun nach Oakland überführt, uns ein paar Tage in Kalifornien rumgetrieben und sind dann per Daumen nach North Carolina gereist. Zurück gen Osten. Ein Klassenkamerad von mir studierte dort an der NCSA – North Carolina School of Arts – Lichtdesign und Stagemanagment und ich, frisch von herzlichstem Liebeskummer gepeinigt, hatte eben Freiburg im Breisgau verlassen und wollte was Ordentliches lernen: die Schauspielerei. Nachts um – vielleicht – elf oder zwölfe – standen wir auf dem Campus – Wie kamen wir da hin? Don’t ask me! – We looking for Ulrich! – Are you the german guys he is expecting?– Guess so! – Come on, follow us. Dann standen wir nach wenigen minutes in the centre of einer Studentenparty. In einer schwülen Nacht in Winston- Salem. Heute wohnen da, gleich um die Ecke, wieder ein paar german kids. Wird es nochmal eine wilde Party?

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Vor zwanzig Jahren lernte ich meine Frau kennen und lieben. Eigentlich wollte ich dem unsäglichen Kaff Gießen eben den Rücken kehren. Damals als ein Sommer über das Land fiel. Erstens kommt es anders und der Rest ist Schweigen. Wir schauten gemeinsam Fußball und hoppla. Poldi machte zwei Hütten. Sommermärchen wurde das dann getauft. Es wimpelte sich ein Land in eine Ekstase, die irgendwie stimmte. Und in der Lokalpresse gab es eine – tägliche? – Kolumne, die auf die Kickerei inklusive weltbetrachtender Anhänge schaute. Mit Humor. Ich tippte gelegentlich etwas dazu. Kinder wie die Zeit vergeht und der Spaß an der Freud in Sachen Pöhlerei zur Zwangsveranstaltung mutierte. Schaun mer mal und Beckenbauer ist auch schon eine schöne Leich‘.

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Mein Sommer in Winston-Salem damals war ein langer und schöner. Etliche Geschichten klingeln noch. Und Liedlein.

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(soon to be continued)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 9

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Bauer mit Pferd / Königsberg (Hessen) / Januar `21 / hinten rechts der Dünsberg

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Hü und hott oder Neulich in Dänemark oder vom Wale umarmen und vom bösen Friederich, der ein Lieber sein wollte

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Timmy war ein Mägdelein

Tot am Strand das arme Schwein

äh die Sau so arm

Herr Brehm und Gott erbarm‘

Menschlein voller Emphateien

Mein Magen noch rumort ich könnte

Leiser schrei‘n und ob der Nietzsche‘ Friederich

Kurz vor dem Verlust des eig‘nen Ich

Umarmet hätt‘ das arme Vieh

Wir werden’s wissen nit

Und werden’s nie

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Die Dänen nun mit feinen Klingen

Die Timma die wird nit mehr singen

Gesänge walig göttergleich

Denn endlich ist sie eine Leich‘

Die immer sie schon war

Iss klar

Und tat ersaufen

Germanier in Erregung schnaufen

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Die Dänen aber denkten noch

Buddeln schnell ein Riesenloch

Zerlegen und verwerten

Den aufgeblähten Walballon

Laßt sterben was da sterben muß

Wenn wir was verehren

Dann lassen wir es reisen

Schrottwalli sammelt altes Eisen

Und aus den Riesenknochen

Kann man noch was feines kochen

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Und die langen Arm‘ des Friederich

Kippel nicht sitz still am Tisch

Sie taten nur noch winken

Laßt alle Hoffnung sinken

Doch fahren nicht ins Tal

Umarme keinen Wal

Es wird dich übermächt‘gen

Oh bitterböser Friederich

Der in uns allen hauset

Wovor es Walen grauset

Sicherlich

Geh heim und schweige

Peitschenschwinger

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Doch Nietzsche darf noch sprechen

Und die Pferde rächen

Mit Gott oder dagegen

Sturm auf allen Wegen

Hü und Hott

Irgendwann iss alles fott

Und nit mi joot jegange

Mitjejammert

Mitjefange

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(gießen / heute / es regnet)

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Nachschlagen und nichts Neues oder: „Mutter! Ich bin dumm!“

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„Giovanni Tardelli nämlich, so hieß der Kutscher, wie sich hinterher herausstellte, griff erneut zur Peitsche und bearbeitete damit nicht nur sein Pferd, sondern auch den Mann, der dem Tier noch immer am Halse hing. Diese an sich barbarische Aktion wurde von den umstehenden mit Beifall begleitet. Das Schimpfen des Mannes ging in ein Wimmern über; kein Zweifel: er litt. Kurze Zeit später trat die Polizei, die wohl ein zartbesaiteter Zeitgenosse verständigt hatte, in Gestalt von zwei kräftigen Beamten auf den Plan. Sie lösten den Mann vom Hals des Pferdes, schnauzten den Kutscher an, der sich darüber beschwerte, daß man seinem Pferd gegenüber zudringlich geworden war, und ersuchten die Menge höflich, aber bestimmt, sich umgehend aufzulösen. Danach nahm man ein Protokoll auf, das nicht viel Neues erbrachte.“

(aus: Otto A. Böhmer / Der Hammer des Herrn)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 8

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Vincentiuskrankenhaus / Siebzig Jahre nach meiner Geburt / KN / Schottenplatz

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Im richtigen Moment die Brille abnehmen oder Neulich im Friedwald

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An den Rändern der Gräber sterben alte Feindschaften, Verwerfungen und Irrungen oder es wachsen neue Feindseligkeiten, Nachharkereien und Irritationen heran. Sagt man so. Oder ich eben grad jetzt. Letzte Woche starben alte Verklebungen. Sehr schön. Und unerwartet.

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So lange war ich seit Ewigkeiten nicht mehr in der alten Heimat. Kann das Wort Heimat seit ewiger Zeit sogar fast schmerzfrei hintippen. Der Tod kann auch ein Freund sein. Und wird dann profan. Ich halte die Eröffnungsniederschrift des Nachlassgerichts Konschtanz in meinen Händen.

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Eine Urne wurde neben einem Baum in die Erde gelassen. So macht man das heute. Ich hänge immer noch innerlich an einer schweren Eichenkiste an der vier starke Männer zu schleppen haben an meinen Überresten und an dem harten Aufprall der Erde auf dem Holzdeckel, der mich vielleicht nochmal zurückruft ins Leben. Hatte ich nicht noch was zu erledigen? Etwas vergessen?

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Auf dem täglichen Weg zu meiner trauernden und unfassbar tapferen Mutter kam ich stets an der ehemaligen, einst von Nonnen betriebenen, Klinik vorbei, in der ich das Licht und die Düsternis der Welt erblickte und die nun entkernt wird. Vom Wochenbett zur Eigentumswohnung. Man kann dort bald hochpreisig wohnen. Weia! Zeit zu gehen. Das Leben ist ein endliches. Wäre ich ein Schotte – die Klinik liegt am Schottenplatz – würde ich den neuen Mietern als Gespenst dermaßen und so was auf den Geist gehen. (Hier die Flüche einfügen.) Bis sie wieder ausziehen. Schreiend. Endlich endend. Ein Leben ist endlich. Man sollte nicht zu geil und geizig sein. Und wenn, es nicht zu ewig bleiben wollen müssen. Ach.

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Die Trauerfeierlichkeiten waren würdig, gelassen, schmerzlich und die badische Küche danach ein bisserl – nein: mehr als Seelenheiler. Man drehte darüber schon Filme. Nannte es dann Soulfood. Will man in Hessen sterben? Die könne weder Brezzele noch Spätzle. Maultäschle scho gar it!

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Mein Bruder hatte in der Waldkapelle gesprochen. Meine Schwester hatte alles organisiert. Ich hatte ein Gedicht beigesteuert. Es war gut so wie es war. Am Ende ließen wir Udo Lindenberg singen. Hinterm Horizont. Seitdem klicker ich mich von Udo zu Udo, der jetzt auch in einer Klinik liegt, Grenzgänger, der er stets war und denke: Er kann es einfach. Vom Wesentlichen singen. Und die Brille abnehmen. Wenn es zählt.

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Nachkippen oder der Tod ist leider ein Arsch und drückte mir wieder das Weinglas in die Hand:

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„Ich kann unmöglich um diese Uhrzeit schon schlafen gehen. Das würde die Frau neben mir nur in der Annahme bestärken, dass ich wieder oder immer noch total betrunken bin. Dabei fühle ich mich, abgesehen von der Müdigkeit, im Grunde fast nüchtern. Da ist diese bestimmte Art von Klarheit, die man anders, ohne Alkohol, gar nicht erreicht. (…) „Willst du Sopranos gucken?“ – „Von mir aus.“ – „Das ist eine ziemlich gute Serie, finde ich, irgendwie neu, in der Art und Weise, wie sie angelegt ist, von der ganzen Erzählhaltung her.“ – „Du schläfst ja doch ein.“ – „Ich kann dir genau sagen, was in der letzten Folge passiert ist.“ (…) „Geht doch ins Bett“, sagt die Frau. Dann lauter: „Es ist Quatsch, dass du hier sitzt.“ – „Ich schlafe gar nicht.“ – „Natürlich schläfst du.“

(Christoph Peters / Entzug)

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