It was sixty years ago today: uns Uwe!

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Uwe Seeler beim Endspiel der Weltmeisterschaft 1966. (Photo by Sven Simon)

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Stolperte bei der heutigen Zeitungslektüre über einen dieser unzähligen Gedenktage, die das Alter so bereithält. Der von mir einst angehimmelte Wolfgang Overath, sein Oberkörper rauschte noch aufrechter als der des Kaisers über den Rasen, bemerkte im Interview, daß ihn die Frage, ob das dritte Tor vor oder hinter der Linie, nie wirklich interessiert hatte. Und wie sehr er Uwe Seeler für seine, trotz geknickten Kopfes, oder gerade deshalb, aufrechte Haltung nach dem verlorenen Finale dereinst bewundert hatte. In jenen Tagen, als man, so meine Erinnerung, noch würdevoll zu verlieren in der Lage war. Den Text unten hab ich im Januar 2020 anläßlich des Todes von Hans Tilkowski auf meiner alten Homepage gepostet. Wiedervorlage.

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Ein früher Lehrmeister in der Sache „Dem Unvermeidlichen ins Auge geblickt“ war mir der nun verstorbene Hans Tilkowski. 1966 – noch keine zehn Jahre alt – dürfte ich erstmals bei Bekannten der Eltern abends Fußball gucken. Borussia Dortmund gewann als erste deutsche Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger. Schwarzweiß der Apparat, es grieselte über den Bildschirm und in Glasgow war es regnerisch und nebeltrüb, meine Wimpern sackten hinab, aber ich stellte mich wach. Ob ich diese seltsame Bogenlampe des Stan Libuda zum 2 zu 1 wirklich sah, damals? Ich weiß es nicht. Aber da war noch der Mann mit der coolen Kappe, stand auf der Linie seines Tores, guckte, zuckte und lag dann quer in der Luft. Ewig schien es mir, dem müden Bub, konnte der über dem nicht rasenbeheizten, dafür schlammigen Boden schweben. Robinsonade nannte man das damals. Der Hans Tilkowski, mein – trotz Siggi und Emma – HELD ward geboren. Ein paar Wochen später, unsere Familie durfte das erste Mal 10 Jahren nach der Republikflucht meiner Mutter auf Verwandtenbesuch in die DDR, sah ich ihn wieder. Vor der Reise nahm unser Vater meinen Bruder und mich ins Gebet. Kein schlechtes Wort über Russen, den Kosenamen Iwan tunlichst vermeiden! War gar nicht nötig. Mir gefielen die martialischen Plakate und Wandgemälde mit all den HELDENHAFTEN Bauern und Arbeitern. Drachentöter allenthalben. Dann der Endspieltag im Wembley und wir in Ilmenau. Die erste und zweite Halbzeit klemmten mein Bruder und ich in der Wohnung der Oma vor dem Radiogerät und die Großen saßen unterm Dach bei den Nachbarn mit dem gutem Westfernsehempfang. Helmut Haller machte die Führung und dann antworten die Engländer zweimal. Sind wohl einfach besser. Niederlage annehmen. Feuchte Augen. Nach Wolfgang Webers Ausgleich kurz vor Schluß platzte unser euphorisierter Vater ins Zimmer und holte uns, die wir nicht minder in die Höhe hüpften, mit nach oben. Wieder schwere Nebelschwaden, doch diesmal kein britischer Nebel, sondern etliche abgebrannte Caros, glimmende Zigarren, Biere und Wodka, die den kleinen Raum undurchsichtig machten. Dichtgedrängte Lebensfreude. Die Verlängerung. Dann der historische Moment. Natürlich nicht hinter der Linie. Der Schweizer, der auch noch Dienst heißt, traut sich nicht, er fragt den Russen an der Außenlinie und jener entscheidet: „TOR!!!“ Tumulte brechen aus in der Dachwohnung in der Straße des Friedens zu Ilmenau. „Der blinde Drecksiwan!“ „Das ist doch Betrug!“ „So sind se halt, unsere Brüder in Moskau!“ Und so weiter und so fort. Man fordere keine textgetreue Erinnerung. Ich war mir sicher in wenigen Minuten würde eine bewaffnete Kohorte der glorreichen ROTEN ARMEE das Haus stürmen und uns alle mitnehmen. Aber es kam anders. Die vernebelte Bude beruhigte sich, sie tröstete uns konsternierte Kinder, kippte den einen Kurzen und den anderen Längeren nach. „Aber gekämpft ham se!“ Man war trainiert in der Causa Ungerechtigkeit. Mit ziemlich vertränten Augen guckte ich hin wie der HELD Tilkowski und unser aller UNS UWE den Engländern gratulierten. Und das sah in meiner nebeltrüben Erinnerung aufrichtigst aus. Wünschte ich mir das alles gar nur? Nein: es war so.

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(7. januar 2020)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 25

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In der Dorfkneipe / Lourdata / Kefalonia / Juni 2023

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Ballade vom unschuldigen Handy, welches das Fliegen erlernen mußte

(frei nach Bertolt Brecht / Erinnerung an die Marie A.)

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1

In jener Nacht am See, die voller Hitze

Da lag ein Handy leise bis sehr stumm

Nur sacht berührt von einer Fingerspitze

Man war verschlafen, man nahm gar nichts krumm

Über dem Telefon da wölbte sich ein Himmel

Und voller Sterne glimmerte die Nacht

Am Nebentisch die Stimmen laut und lauter

Der See er raunte, habe besser acht

2

Seit jener Nacht und viele Tage später

Fragt sich das Handy, was plötzlich da geschah

Es lernte fliegen, hört Flüche und Gesänge

Und fühlte sich dem Tode ziemlich nah

Die fremde Hand war keine Fingerspitze

Die es ergriff so fest, man glaubt es nit

Die dunkle Luft strich über seinen Bildschirm

In seinem Hörer taumelte ein Lied

3

Und jenes Lied es wird es nie vergessen

Welch es durchdrang, als es zu Boden schlug

Es sang vom Hass der gräßlicher als häßlich

Von einem Fluch und niemals nie genug

Heut‘ liegt das Handy lebend vor der Seeschau

Unter Kastanien wellig tanzt der See

Die Fingerspitzen streicheln es ganz leise

Die Dämm’rung kommt und es tut kaum mehr weh

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(gießen / 21. Juley 2026)

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So! Jetzt habe ich mir die letzten Wochen, die mit einem – sagen wir – ‚argentinischen‘ Schlußakkord enden mußten (?), weitgehend aus den Klamotten geschrieben. Vielleicht noch eine kleine Ballade über einem Begriff inklusive Totschlagargument, der mich seit einiger Zeit verfolgt und in etwa so unvermeidlich ist wie Achtsamkeit, Quinoa oder Resilienz: Die Kröte Empathie? Oder besser doch den inneren Bodensee austrocknen lassen oder wie Halics in Kraznahorkais „Satanstango“ sagt: „Man muß sich schützen vor dem innerlichen Regen, der leicht verhängnisvoll wird.“ Ein Klagelied und ich gebe ab an Genosse Archibald Mahler. Der sendet ab dem Wochenende aus einer Anstalt. Hasta la vista, baby!

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Nachreim:

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Der gütige Gott des Umbruchs packt dich am Ärmel.

Das Licht von jenseits ist genauso stechend wie hier.

Wichtiger ist, wer dich hören kann und nicht, wen du gerufen hast.

Es gibt nur ein Motiv und eine Strecke.

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Siehst du das Kinderbild? Jemand hat sich große Mühe gegeben:

fröhliche Männer stehen da wie Gedichtzeilen.

Ein Mann hat ein dick nachgezogenes Herz, als sei es misslungen.

Was da nachgezogen ist, das ist die Seele.

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11.10.21

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(aus: Serhij Zhadan / Chronik des eigenen Atems / 50 und 1 Gedicht)

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Selbstzufriedenheit und Schlafenszeit

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Lieber Donald! Lieber Gianni! DANKE für „das großartigste, großartigste, großartigste Fest, welches die gesamte Menschheit jemals erleben durfte.“ Gut gebrüllt, ihr Süßen! Hoffe Ihr wurdet auch gerecht dafür entlohnt. Aber: ENTSCHULDIGUNG, es ist Zeit für mich zu geh’n.

  1. Das Spiel heute, welches mich schon tät interessieren, läuft zu einer Zeit, wo der Bub schon „in der Falle“ liegt. „In der Falle.“ Was für ein schöner Ausdruck!
  2. Angesichts der Dinge, die für morgen rund um das Finale angekündigt sind, fahr ich lieber hoch in unsere Parzelle und red‘ mit dem Gemüs‘.
  3. Es gibt keine neuen Erkenntnisse mehr zu gewinnen. Wie es nach solchen Ereignissen eh keine neuen Erkenntnisse gibt. Die einen sagen so, die anderen sagen anders. Siehe unten. Vielleicht die Tendenz, daß nach den Siegen das öffentliche Meinen aka Toben, den genialen Spieler feiert, nach Niederlagen gerne den Dummbatz von Trainer basht. Oder gleich entlässt. Nichts Neues. Gesamtgesellschaftliche Normalität in den Zeiten dahinsiechender EIGENVERANTWORTUNG, dafür mehr und mehr aufblühender und sehr winterharter SELBSTGERECHTIGKEIT. Gut, daß es Trainer, Regisseure, Eltern, Politiker, Partner und zur Not Geschwister gibt. Gelle. Ein Schuldträger wird sich schon finden lassen im Gewimmel der eigenen enttäuschten Erwartungen. Jens! Mach mir ein Kind!
  4. Ab zur Tour de France. Heute ist da Ulle zu Gast! Bei dem hat es ja auch gedauert mit der Übernahme von Verantwortung. Aber immerhin noch vor der Rente!

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„In Deutschland hat sich inzwischen die Trost- und Entschuldigungsformel von den großen nationalen Fußballtalenten etabliert, denen es nicht gelingen will, ‚ihr durchaus vorhandenes Potential abzurufen‘. Das frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft beim Turnier dieses Sommers legt es dringend nahe, sie durch den nüchternen Begriff von nicht eingetretenen Individual-Entwicklungen zu ersetzen. (…) Sollte eine über den Sport hinausgehende typische Schwierigkeit deutscher Erwachsener im dritten Lebensjahrzeit (Nicht nur die!!! siehe oben. Der SÄZZER) existieren, denen die Sorglosigkeit, das ‚Selbstbewusstsein‘,  wie man früher gesagt hätte, bei der Übernahme von individueller Verantwortung innerhalb gemeinschaftlicher Aufgaben fehlt? (…) Ob Jürgen Klopp das keinesfalls auf den Sport begrenzte Problem der Einstellung zum Handeln für den Fußball mit einem zunächst entmutigtem Kader lösen kann, steht in den über Deutschland nur selten hell leuchtenden Sternen.“

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(Prof. Hans Ulrich Gumbrecht (Literaturwissenschaftler) in der FAZ vom 16. Juley 2026)

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„Die Qualität der Trainer bestimmt die Qualität des Sports, das ist eine weitere Erkenntnis dieser WM, die einen alten Grundsatz bestätigt.“

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(Philipp Lahm heute in der FAZ)

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Update vom 20.07.2026

Mit der Fußball-WM ist das wie mit Weihnachten. „Den Scheiß guck ich mir doch nicht an!“ versus „Dieses Jahr schenken wir uns aber nichts!“ Wenigstens hat Spanien diese traurig glitzernde Veranstaltung gewonnen. Und natürlich muß ein deutscher sogenannter Taktikexperte an dem höchst amüsanten 6 zu 4 rumkritteln. Fußball wie auf dem Schulhof sei das gewesen. Es lebe die ewige miese Laune! Aber Ulle war beeindruckend. Freue mich auf die nächste Handball-WM.

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 24

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Blick vom Stadtgarten Richtung Hafenausfahrt mit Imperia / KN / Foto: A. Haas

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Zurück auf dem Boden des Wasserglasses oder Handyweitwurf ist auch keine Lösung

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Eigentlich wollte ich mich gestern in Braunfels, im Schatten der Burg, in jenes kleine Café setzen, in jenes kleine Café am Markt, im dem ich letztes Jahr kurz vor Weihnachten mit meiner Frau saß, bevor ich in die hiesige ATOS-Klinik eincheckte, mir mein Hüftersatzteil abzuholen. Von da an tat es weh. Leider hatte das kleine Café am Marktplatz Sommerpause und so sitze ich ein paar Blocks weiter im ersten Haus am Platz. Es war schon immer etwas teurer einen guten Geschmack zu haben.

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Zurück zum Wasserglas. Ich war zwischen Mitte Mai und Ende Juni dreimal runter an den Bodensee gefahren. Hatte es hier erwähnt und beschrieben wie und warum. Nach einer langen Phase der Nüchternheit – irgendwo zwischen freiwillig und gezwungen – fing ich dort unten wieder an zu trinken. Man kehrt schnell zurück zum alten Level. Eigentlich hatte ich mich beim ersten Aufbruch noch im Aufbautraining befunden, mußte die Physiotherapie unterbrechen, was mir die neue Hüfte etwas übelnahm. So dachte ich, falsch, ich dachte natürlich nicht, alte Reflexe übernahmen das Kommando, zwecks Schmerzbekämpfung und Belastungssteuerung in jeder Hinsicht, ein zwei Glaserl san schon okee. Aber wenn jemand in seinen Taschen ganze Fortsetzungsbände von Ausreden und Rechtfertigungen mit sich rumträgt, dann ist es der Trinker. Habe vorgestern ein kleines Liedchen darübergeschrieben. Das Lügenlexikon der Säufer. Ein Boogie. Wird wohl Bestandteil des Liederabends, an dem ich zur Zeit bastle. Heimata und andere Gesänge. Und es gibt wohl die Möglichkeit das Programm unten am See, vor den Toren der Stadt, dort, wo der Bodanrück beginnt, zum Vortrage zu bringen. Nächstes Jahr. Wir werden sehen.

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Wenn man in die Vergangenheit reist trifft man auf die Vergangenheit. Lässt sich nicht vermeiden. Das kann sehr erfrischend sein, wenn man leicht beduselt auf den See hinausschaut und alten Geistern und neueren Gespenstern beim Tanzen und Herumsegeln zuschauen darf. In sich und einigem alten Mist, mal erfreulich, mal weniger, versunken. Oft aber tritt die Vergangenheit auf zwei Menschenbeinen auf die Bühne, hält gerne, wie du selbst, Getränke in den Händen und man arbeitet sich gemeinsam Schritt für Schritt zurück. Gestern. Vorgestern. Studium. Kneipennächte. Verliebheiten. Schulhof. Kann sehr schön sein, aber Stolperfallen lauern allenthalben. Es kann schnell kippen und es wird bitter und man landet dort, was solche Rückführungen gerne sind: Kindergarten. Vergoß’ne Milch. Und plötzlich taumelt man am Rande des Großen Canyon Aufrechnung entlang und landet bei Abrechnungen. Rechnungen sollen beglichen werden, die schon etliche Male bezahlt wurden. In bar. Oder per Dauerauftrag von Deinem Konto abgebucht wurden. Jahr für Jahr. Falsche Hälse schlucken begierig jeden schludrig trunkenen Satz und es winkt das Drama. Und Bitterkeit. Hilfloses Wüten. Schade eigentlich.

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Ich war noch nie ein großer Freund des HÄTTEWENNUNDÜBERHAUPT gewesen. Werde es auch nicht mehr werden. Wollen auch nicht. Las unlängst im hier zitierten „Der Kinoerzähler“ von Gert Hofmann wie der Großvater dort sagt: „Ach, das Schreckliche ist lächerlich und das Lächerliche schrecklich.“ Ist was dran. Besser der Vergangenheit nur noch stocknüchtern entgegenzutreten. Oder es sein zu lassen. Die Gegenwart und die nähere Zukunft halten genug Herausforderungen bereit.

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Zurück zum Wasserglas also. Nach meinem Abschieds- und Nachdenksuff im Moseleck zu Frankfurt und anschließender hindernisreicher Heimkehr – Odysseus ließ kurz grüßen – bei knappen 40 Grad, konnte ich doch recht flott das Weinglas zurück ins Regal räumen. Mal schauen, wie lange es dort unbehelligt stehen bleiben darf. TOITOITOI. Es ist halt harte Arbeit. Schont jedoch den Geldbeutel, aber vor allem die Gefährtin, die mal Pause machen kann vom Co – Abhängigensyndrom.

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Jetzt sitze ich im Kurpark, das gewaltige Schloß schaut freundlich herab, ich überfliege die obigen Worte und hoffe sie sind mir klarer, assoziationsfreier und nicht von (leider gelegentlich notwendiger) Ironie komplett durchsuppt, gelungen, hatte mich doch meine Lektorin unlängst darauf hingewiesen, daß mein Geschreibsel Leser, die meine Art der Denke nicht kennen und vor allem überhaupt nicht mögen, sich schon mehrfach daran gestoßen haben. Und da die Lektorin nebenbei auch noch meine Stilberaterin ist, wechsle ich gleich die Strassenseite – das Frühstück war ausgezeichnet und hatte einen gerecht hohen Preis – und lasse mir Bart- und Haupthaar stutzen, soll ich doch, ich selbst hatte es ja gar nicht bemerkt, in letzter Zeit etwas verwildert, manche sagen gar pennerhaft auf meine Umwelt gewirkt haben. Wohlmeinend liebevolle Hinweise nehme ich mir gern zu Herzen. Und, ach ja, die Sache mit dem Handyweitwurf in der Überschrift wird bald aufgelöst. Aber erstmal zum Barbier.

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Kleine Anekdote zum Abschluß: Auf der Toilette des Cafés traf ich einen vor Schmerzen fluchenden älteren Herren – könnte sich auch mal wieder rasieren, dachte ich – der versuchte mit einer seiner Krücken die Türe zu öffnen. Deja vu. Wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte, daß dieser, sein momentaner Zustand nicht so weit hinter mir läge. Er erzählte, daß er morgen in die Klinik eincheckt, die neue Hüfte abholen. Er hatte Humor und beschimpfte seine Schmerzen sehr phantasievoll. Wir wünschten uns gegenseitig viel Glück. Dann rief ich, ich liebe solche Begegnungen, meine Frau an und erstattete Bericht.

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Nachwehen:

Jetzt sitze ich wieder zu Hause und blättere, quasi zur Ermutigung im Sinne Biermanns – „Du lasst dich nicht verhärten in dieser harten Zeit, die allzu hart sind brechen, die allzu spitz sind stechen, und brechen ab sogleich!“ – in einem Buch, welches ich im Frühjahr mit Freude und Entsetzen gelesen hatte. Kleiner Auszug:

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„Ich hab Dr. Laumann gesagt, daß das auf jeden Fall ohne mich stattfinden wird. Wenn ich dich nur ein einziges Mal mit einem Glas sehe, Bier, Wein, Wodka – egal was -, bin ich weg.“

„Klar.“

„… Oder ob er das zu hart findet.“

„Und?“

„Das ist gut, hat er gesagt, und daß ich schon mal nicht co-abhängig bin. Das Hauptproblem bei vielen Leuten, die mit Suchtkranken zusammenleben, ist, daß sie endlos versuchen, ihren Partner durch gutgemeinte Hilfestellungen, falsch verstandene Rücksichtnahme oder auch einfach aus Liebe vor dem Untergang zu retten. Das funktioniert nicht nur nie, sondern hat oft sogar den gegenteiligen Effekt. Solange noch jemand da ist, der ihn unterstützt, ihm neue Auswege aus seinen selbst verursachten Katastrophen öffnet, entwickelt der Süchtige immer perfidere Strategien, dich so zu manipulieren, daß du seine Sucht unterstützt, damit er nichts ändern muß. Er verläßt sich einfach darauf, daß es schon irgendwie gut gehen wird.“

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(aus: Christoph Peters / Entzug)

Der Thomas, der Rio, der Olli und ich

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Im Juni 2006 in TiL zu Gießen

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Tuchel muß sich nach jedem Spiel was anhören. Halt einer derjenigen, die es niemandem recht machen können. Nun wird er kritisiert, gerne auch von solchen, die beim Anblick eines Pekinesen schon die Strassenseite wechseln, wegen „Feigheit vor dem Feind“, weil er nach der Führung der englischen Pöhler auf 5er-Kette umgestellt hatte. Sei’s drum. Ich glaube nicht, daß die erzmüden Engländer gegen die Dampfwalze Argentinien, die ja nebenher noch die Falklandinseln in Malvinias umbennen mußte, den Hauch einer Chance hatte. So oder so. Genausowenig wie am Tage zuvor die Blauen gegen die spanische Präzisionsmaschine. Aber dies ist nunmal ein zentrales Hobby der Menschen: die sogenannte, nachträgliche Betrachtung, gerne Aufarbeitung genannt, jedoch letztlich nichts anderes als das Besingen vergoß’ner Milch. Hosianna! Kreuziget ihn! Klar, ich hätte gerne ein finales Aufeinandertreffen der Ritter der Kokosnuß und der Froschschenkelfresser gesehen. Und wie Mick Jagger jubelt. Bleibt halt der Samstag. Heißt ja nicht umsonst Trostpreis. Schnief schnief!

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Ich mag den Tuchel. Weil ich mich gelegentlich in seinen Verbissenheiten und (unerfüllbaren?) Ansprüchen wiedererkenne. Oder sind es die Ohren? Erinnere mich an eine Vorstellung meiner Rio Reiser – Inszenierung, sie lief vier komplette Spielzeiten lang, stets volles Haus, inklusive Warteliste. Das Publikum hatte eben noch stehend applaudiert, als ich schon hinter die Bühne jagte und in ‚Tuchelscher‘ Gereiztheit das Ensemble ‚bat‘, sich bitte nicht zu sehr in der Gunst der Zuschauer zu suhlen, alle Tränchen der Selbstrührung zu streichen und einfach nur die Geschichte zu erzählen und zu singen. Dem Stück folgen. Egos in der Garderobe lassen. Dienen und Team. Spanisch quasi. Man war so gar nicht amused. Wie kann das arrogante Arschloch nur? Wir waren doch sooo gut. Nun denn, die nächste Aufführung war, in meinen Augen, dichter und konsequenter. Und wir hatten uns alle wieder ganz arg lieb. Zitiere dazu den guten Olli Kahn, der Tuchel, nachdem der nach dem Norwegenspiel seine Mannschaft kritisiert hatte, in Schutz nahm.

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Olli Kahn:

„Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball. (…) Denn sie offenbaren eine Eigenart, die weit über den Sport hinausreicht. Wir glauben, Niederlagen seien der gefährlichste Moment einer Entwicklung. Tatsächlich ist es oft der Sieg. (…) Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen. (…) Er hat etwas getan, das im Spitzensport selbstverständlich sein sollte. Er hat verhindert, dass ein Sieg wichtiger wird als die Wahrheit.“

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Zurückeroberung des Alltags / Reset

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Die Christbaumkugel, die ich seit dem gestrigen Eingriff mit mir rumtrage

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Warum es gelegentlich einer Drainage bedarf, um Unnötiges abfließen zu lassen oder wie es in den alten Almanachen hieß: raus mit bösen Säften

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„Ich sah den Großvater nicht mehr, ich konnte ihn aber hören. Ich hörte ihn atmen und seufzen und in bestimmten Abständen auf seine Matratze schlagen.

Warum machst du das, fragte ich.

Was mach ich denn?

Den Lärm.

Ach, du meinst das Geräusch, sagte der Großvater und überlegte sich, warum er das Geräusch machte.

Jedesmal, wenn mir eine Sorge einfällt, stelle ich sie mir vor. Dann schlage ich drauf, sagt er.

Auf die Sorge?

Ja.

Also ist dir eben wieder eine eingefallen?

Wahrscheinlich.

Weißt du es denn nicht mehr?

Ich vergesse sie gleich wieder. Es sind so viele.“

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(aus: Gerd Hofmann / Der Kinoerzähler / Dank an GE für den Tipp)

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Und sonst? Gestern im Zufallsanstoßgeber ‚oblique stragies‘ :

Mute and continue

Heute wiederum:

Define an area as ‚safe‘ and use it as an anchor

Woher wissen das die Herren Eno und Schmidt? Schon seeltsam!

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Als das Spiel noch ein einfaches Spiel gewesen war, 44 Beine und immer gewinnen am Ende eben die, sagte mal ein Engländer, doch nun und lange schon: isch over, gelle! Fortunately!

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Yesterday oder geschtern halt

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Yesterday

Kicken was such an easy game to play

Now I need a place to hide away

Oh, I believe in yesterday

*

Why dess had to go

I don’t know, ich kann es nicht say

Was machte ich bloß wrong

Now I long for yesterday

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Yesterday

Rasenballsport was such an easy game to play

Now I need a place to hide away

Oh, I believe in yesterday

*

Mmm-mmm-mmm-mmm-mmm, hmm-hmm

Ach, geschtern halt

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(Jacky „The Jo“ Mc Nailman / Songwriter)

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Manche Uhren bleiben steh’n lange vor der Zeit oder der werf‘ den letzten Stein

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Verdamp lang her

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Stand am Ufer allein

ließ einen Stein

über den See

flitschen

zählte die Dellen

auf der Wasseroberfläche

als mein Vater nach meiner Hand

griff und weiterhin

schwieg

als ich fragte nach dem

Krieg

*

Ach nur

Bagatellen

höre ich

Hörte ich das?

da er meine Hand

losließ

*

Bückte mich

das Schweigen erlernt

griff nach dem nächsten

Stein

flach geschmeidig

Plopp Plopp Plopp

Auch der See antwortete nicht mehr

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(Zwischen KN und GI / Dezember 2020)

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Auf fünftausend Hitzetote könnte ich schon verzichten. Aber auf meinen Sommerurlaub in der Ferne? Muß ja nicht gleich Death Valley sein. Oder?

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Mmm, when the walls cave in
And the lights go dim
And I drag you out again
Well, dystopian values are too hot to handle
And I’m going out in a blaze
Can we run any faster?
It’s a total disaster
I, I, I’m going down in the flames
Yeah, when they try to arrest you
I’ll come to your rescue
Life is a gambling game

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(The Rolling Stones / Divine Intervention)