Der Thomas, der Rio, der Olli und ich

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Im Juni 2006 in TiL zu Gießen

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Tuchel muß sich nach jedem Spiel was anhören. Halt einer derjenigen, die es niemandem recht machen können. Nun wird er kritisiert, gerne auch von solchen, die beim Anblick eines Pekinesen schon die Strassenseite wechseln, wegen „Feigheit vor dem Feind“, weil er nach der Führung der englischen Pöhler auf 5er-Kette umgestellt hatte. Sei’s drum. Ich glaube nicht, daß die erzmüden Engländer gegen die Dampfwalze Argentinien, die ja nebenher noch die Falklandinseln in Malvinias umbennen mußte, den Hauch einer Chance hatte. So oder so. Genausowenig wie am Tage zuvor die Blauen gegen die spanische Präzisionsmaschine. Aber dies ist nunmal ein zentrales Hobby der Menschen: die sogenannte, nachträgliche Betrachtung, gerne Aufarbeitung genannt, jedoch letztlich nichts anderes als das Besingen vergoß’ner Milch. Hosianna! Kreuziget ihn! Klar, ich hätte gerne ein finales Aufeinandertreffen der Ritter der Kokosnuß und der Froschschenkelfresser gesehen. Und wie Mick Jagger jubelt. Bleibt halt der Samstag. Heißt ja nicht umsonst Trostpreis. Schnief schnief!

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Ich mag den Tuchel. Weil ich mich gelegentlich in seinen Verbissenheiten und (unerfüllbaren?) Ansprüchen wiedererkenne. Oder sind es die Ohren? Erinnere mich an eine Vorstellung meiner Rio Reiser – Inszenierung, sie lief vier komplette Spielzeiten lang, stets volles Haus, inklusive Warteliste. Das Publikum hatte eben noch stehend applaudiert, als ich schon hinter die Bühne jagte und in ‚Tuchelscher‘ Gereiztheit das Ensemble ‚bat‘, sich bitte nicht zu sehr in der Gunst der Zuschauer zu suhlen, alle Tränchen der Selbstrührung zu streichen und einfach nur die Geschichte zu erzählen und zu singen. Dem Stück folgen. Egos in der Garderobe lassen. Dienen und Team. Spanisch quasi. Man war so gar nicht amused. Wie kann das arrogante Arschloch nur? Wir waren doch sooo gut. Nun denn, die nächste Aufführung war, in meinen Augen, dichter und konsequenter. Und wir hatten uns alle wieder ganz arg lieb. Zitiere dazu den guten Olli Kahn, der Tuchel, nachdem der nach dem Norwegenspiel seine Mannschaft kritisiert hatte, in Schutz nahm.

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Olli Kahn:

„Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball. (…) Denn sie offenbaren eine Eigenart, die weit über den Sport hinausreicht. Wir glauben, Niederlagen seien der gefährlichste Moment einer Entwicklung. Tatsächlich ist es oft der Sieg. (…) Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen. (…) Er hat etwas getan, das im Spitzensport selbstverständlich sein sollte. Er hat verhindert, dass ein Sieg wichtiger wird als die Wahrheit.“

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Als das Spiel noch ein einfaches Spiel gewesen war, 44 Beine und immer gewinnen am Ende eben die, sagte mal ein Engländer, doch nun und lange schon: isch over, gelle! Fortunately!

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Yesterday oder geschtern halt

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Yesterday

Kicken was such an easy game to play

Now I need a place to hide away

Oh, I believe in yesterday

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Why dess had to go

I don’t know, ich kann es nicht say

Was machte ich bloß wrong

Now I long for yesterday

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Yesterday

Rasenballsport was such an easy game to play

Now I need a place to hide away

Oh, I believe in yesterday

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Mmm-mmm-mmm-mmm-mmm, hmm-hmm

Ach, geschtern halt

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(Jacky „The Jo“ Mc Nailman / Songwriter)

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Was haben die, was wir nit ham oder warum schütten wir uns Bier über die Köpp, wenn wir so tun als täten wir uns freun tun und könn es doch nit so recht

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Weißt du, setzt er noch mal an, als ich schon fast draußen bin, der Nestbeschmutzer ist der, der den Dreck ins Nest trägt. Nicht der, der rauskrabbelt und mit jemandem drüber reden muss. Ich nicke, er scheint ergriffen von seinen eigenen Worten. Ja, danke jedenfalls!

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(aus: Lena Schätte / Das Schwarz an den Händen meines Vaters)

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Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 7

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Einsame Socke / Die hängt rum in Mittelhessen / Wo ist denn heut‘ der Eisvogel?

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Von den Tränen humpelnder Krokodile, CheChe oder Heute morgen in der Kita der Rentnerkletten, an der Larmoyanz ersaufend oder was ist daran so erfreulich die Erinnerungsräume mit verschütteter Milch zu tünchen

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So fiel viel äh so viel fiel dunst herab

Alleine ich auf grabesfeldern

Wo meine wehmut inkontinent

Mich in eine erinnerung flennt

Als che und ich noch

Bücher

Verquast gelast und wir im krauttopf von frau bolte

Sangen von der

Bürgerbubenrevolte

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„Habe heute … den letzten … Schnaps ausgetrunken. Da werde ich ich … mich wohl aus dem Haus … bewegen müssen.“ (Doktor / Bela Tarr: “Satantango“ — Teil 1 — nach Laszlo Kraznahorkai)

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Oh nein

Ekstase blieb mir fern

Den namen trägt oh ja

Der stern

Ihr könnt mich

Alle gerne haben

Die rasenbank an meinem graben so wie an neuen gräbern

Es lebe die vergangenheit

Warum denn war ich niemals breit

Den schmerz nun denn was soll ich sagen

Laß mich ein bisserl klagen noch

Feucht wie ein gestaubter nebel

Bebel freund genosse bebel

Ebel denn

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„Und es regnet jeglichen Tag!“ (Der Narr / Shakespeare / Was ihr wollt)

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Ein neues körperteil

Was mir aus eisen

Gesetzt ins bein es singen meisen

ergötzt mich nicht

Ohjemine gibt es noch schnee

Der bodensee bleibt

Leer so leer

ach nee

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„Doctor, doctor! Heal yourself Doctor, doctor! Heal yourself And I will break my own heart I will break my own heart from now on“ (Geese)

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Ach ach und wieder ach

Mein denken bleibt wie damals flach

An fremden federn lutschte ich

Und weiter immer stets

Der nebel fällt was zählt

Ist meine wunde seel‘

Oh bettler weg von meiner pforte

Und taube

Fick woanders du

Heiligtum mein

Die eig’ne ruh

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 „There were days / And there were days / And there were days between.“ (Bob Weir / Grateful Dead)

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Oh gottchen ach und gottchen fein

Der lärm regiert wer ist das schwein

Das uns zu neuer einheit zwingen könnt

Wer totenstill den kindern singt

Von freiheit die wir ausgesoffen

Vergiß vergiß vergiß das hoffen

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„Don’t get up, gentlemen! I’m only passin‘ through!“ (Bob Dylan)

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Weiterlallen

Im selbst verfallen

Andere schnallen

Den gürtel enger

Texte werden lang und länger

Ab morgen will ich schlafen

Mit all den anderen schafen

Und eigene entbehrlichkeit

Allzeit bereit

Nein nein nein

Großbuchstabe noch ein punkt

Genügend in die welt gefunkt

Den nächsten text den schreib ich nicht

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(gewidmet den eisern erblauten linken, alten schaumschlägern, schlaumaiern und uns, die wir alle halt so hinken / rum oder cognac / anfang juni 2026)

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Gießen oh Heldenstadt, leuchte weiter!

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In der Heldenstadt sind die roten Nelken ausverkauft!

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Gießen feiert sich dieser Tage. Darf man. Nachdem etliche auf die „Panikmache“ im Vorfeld reingefallen waren – die bösen bösen Panikmacher eben – Frage: Wenn man auf Panikmache panisch reagiert, wer ist Schuld? Die „Panikmacher“? – war die Erleichterung ab Samstagnachmittag groß. Zu Recht. Der Gießener hat es den Rechten und der Welt gezeigt, vergißt dabei aber geflissentlich, daß nicht nur die Randalefreaks von außerhalb kamen, sondern auch ein erklecklich großer Haufen der Friedlichen. 70 Prozent? Weiß nicht. Manche Einwohner flohen im Vorfeld ins Umland, zu Mama und Papa oder – wie ich las – gar bis Südtirol. Skifahren für den Frieden! Viele haben ihre Geschäfte verbarrikadiert, als würde ein Hurrikan das Lahntal hinunter wehen wollen und die Innenstadt überfluten. Das es auch anders geht, zeigte mein persönlicher Glückwunschkartendealer. Er blieb offen, kam so mit vielen (Nicht)käufern ins Gespräch. Seine Schaufenster hatte er mit Postern voller guter alter humanistischer Sinnsprüche vollgehängt. Sein Motto? „es gibt wichtigeres als umsatz“. Der Zentralgastronom visavis hatte geschlossen. Als man nachmittags bemerkte, daß auch der Protestant (so ein Reporter in der Hessenschau!) konsumbereit ist – Zack! – war der Laden offen. Pecunia non olet! Gibt es neben Kriegs- eigentlich auch Demogewinnler?

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Gießen leuchtete also und brannte nicht. So der erste Bürger der Stadt. Er hatte am Montag letzter Woche den obligatorischen Weihnachtsmarkt eröffnet und man könnte meinen, daß das was eine Demokratie auszeichnet und was das Allererste der zu verteidigenden Kulturgüter ist, dies der deutsche Weihnachtsmarkt sei. So der erste Bürger der Stadt. Es wurde sogar – kostspielig – ein Shuttleservice organisiert, um dem geschockten und abgeschnittenen Umland den Besuch des Kulturguts zu ermöglichen. Doch ab Freitagmittag bis Sonntagabend machte davon kaum jemand Gebrauch. Schon gar nicht die Demonstranten. Da waren Gehbier, Kaffeebecher und ein Stück Pizza gefragter. Am gestrigen Montag war die Location dann wieder proppenvoll. Die hohe Kultur ist back in town. Und was gibt es Schöneres als überteuertes Zuckerwasser mit Alkohol aus Plastikkanistern in geschmackvoll designten Tassen zu süffeln?

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Gießen ist eine Kulturstadt und auch diese zeigte Flagge oder wahlweise gold-silberne Rettungsdecken. Warum? Bereitete man sich auf Wasserwerfereinsätze vor? Oder wollte man gegebenenfalls die unterkühlte Demokratie darinnen einwickeln? Flaggen wurden aus einigen – überschaubar – Fenstern gehängt. Einer reaktivierte sogar sein altes „Kein Blut für Öl!“- Bettlaken. Er heizt wahrscheinlich noch mit russischem Gas. Ein Konzert am Vorabend des bange erwarteten Samstags eröffnete ein Mime mit den markigen Worten, dies sei ein Konzert für Frieden und gegen rechts. Wahrscheinlich damals schon, als die alte Autokratin noch dem Musentempel vorstand, ein unerschrockener Kämpfer gegen antidemokratisches Gemauschel. Der Bandleader bat das Publikum dann zu tanzen. Derweilen machte sich in den Strassen der Stadt eine an die Pandemie erinnernde vibrierende Stille und Leere breit. Auf dem Kirchplatz knatterten drei einsame Fahnen im Wind. Klaus Meine pfiff dazu.

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Gießen, ja und gelle, Gießen konnte auch anders. Nachdem in den frühen Morgenstunden an den beiden Lahnbrücken, rechterhand gar nicht, linkerhand dann doch etwas mehr, die ersten Erregungs- und Aggrowellen ausgelaufen waren, füllte sich die Kreuzung vor der zentralen Bühne. Und da begann wirklich Erstaunliches. Eine gelassene Stimmung machte sich breit, man mäanderte von hier nach da, lauschte, länger, kürzer, wärmte sich in der Einkaufspassage. Auf dem Wochenmarkt stand ein einsamer Brotverkäufer und – anders als auf der anderen Seite des Flußes – sank das für das Zentrum dieser Stadt eigentlich typisch hohe Aggressionspotential gegen Null. Da der Hauptdealer der Punker- und Trinkerszene am Marktplatz geschlossen blieb, wurden diese nicht gesichtet. Die Freunde des Cracks und die dazugehörigen Händler mieden – Wer weiß, vielleicht hat der Polizist gerade nichts zu tun – ebenfalls das Zentrum. Die streunenden, sich in Grüppchen lautstark langweilenden Jungmänner saßen wahrscheinlich zu Hause vor der Daddelmaschine und – Tusch! – den „Hauptaggressoren“ Parkplatzsuchverkehr und Umlandshopper war es weder gelungen die Polizeiabsperrungen noch die widersetzlichen Blockaden zu überwinden. Außerdem war da ja noch die „Panikmache“. Die Stadt kurzzeitig wieder in den Händen der Bewohner. So schien es. Gelle Umland! Einschub 1: Und am erstaunlichsten war, daß am Ende des langen Demosamstags weitaus weniger Müll auf den Straßen lag, denn nach einem langen Einkaufssamstag oder einer vom Jungvolk befeierten Nacht. Können so viel mehr Menschen weniger rummüllen als weniger Menschen? Einschub 2: Noch erstaunlicher, daß entgegen der üblichen Praxis am Sonntagmorgen die Straßen in kürzester Zeit gereinigt waren. Weiter im Text: als nach dem wunderbaren Kurzauftritt von KRAFTCLUB die große Masse der Friedlichen und Freundlichen sich zerstreute, blickte man in tatsächlich strahlende Gesichter. Es gemahnte an die verzückte Atmo, nachdem in Kölle der Rosenmontagszoch vorübergezogen ist. Ein letztes Alaaf und „Es hätt noch immer jootgejange!“

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Gießen, heute mehr denn vorgestern Heldenstadt, fängt an ein bisserl zu hyperventilieren. Gewiß darf man das, wenn man in den samstäglichen Hauptnachrichten den Opener geben durfte aka mußte und auch das Netz überquillt wie bei einem Heringsfang im letzten Jahrhundert. Gewiß muß man das, da man in den Geschichtsbüchern ab sofort seinen Eintrag mit Sternchen gefunden hat. Die zwei Lokalgazetten, die eigentlich nur noch eine sind, schicken ihre Jungredakteure an die etwas arg starre Meinungsfront. „Wer ist schuld an der Eskalation?“ Sie beziehen in Sachen Gewalt Stellung neben den inzwischen entfernten Blockaden. Wie in den Gefechten im Kampf um die Meinungshohheit zwischen den Behelmten und den Vermummten bleiben die Zeigefinger weit ausgestreckt und man vermisst den guten alten Spruch von der Sinnhaftigkeit der Reinigungsarbeiten vor der eigenen Haustür. Von Feindbildern mag man nicht lassen. In „Heldenstädten“ steht man – zumindest bis zur Kommunalwahl – eben immer auf der rechten Seite. (Ein Hoch der Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache!) „Hey Wiesbaden! Mach mir meinen Status nicht madig!“ Egal! Wiesbaden ist halt keine Heldenstadt. Pfeift Klaus Meine noch?

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Die Geburt der Heldenstadt Gießen war ein freudiges Ereignis. Aber auch mit gewissen (oder Gewissens..) Schmerzen verbunden. Und jetzt lauf los, Kleine! Feier Dich nicht zu lange und geh an die Arbeit! Nachdenken wie man dem braunen Haufen aus den Hessenhallen in Zukunft beikommt. Oder vertreibt. Und laß Dir ruhig ab und zu von Wiesbaden helfen. Auch wenn die keine ….etc ppp. Und draußen vor der kleinen Stadt stehen sich nicht mehr die Kontrahenten des letzten Samstags die Füße platt, sondern der Chef des Einzelhandels brüllt von seinem Hügel herunter: „Wer hat mir meine Millionen geklaut?“

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Lechts und rinks kann man leicht usw

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In Gießen und anderswo im November 2025: „Der braune Haufen muß weg! Aber wie?“

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In der Überschrift dieses Blogs steht, daß an den Rändern Erfahrungen lauerten. Wie man’s nimmt. Ganz gewiß lauern dort auch erhebliche Gefahren und Abgründe. Wie letzten Samstag direkt vor meiner Haustür zu erleben. Wer aus Gewalt gegen Polizisten, die ihrem Scheißjob machen, schulterzuckend einen „Fliegenschiß“ macht … nun denn. Untiger Kommentar dazu spricht mir aus dem Herzen.

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„Die Ereignisse in Gießen an diesem Wochenende sind in keiner Weise erfreulich. Das gilt sowohl für das eigentliche Gründungstreffen der neuen AfD-Jugend als auch für das, was sich außerhalb in der Stadt abgespielt hat. Friedrich Merz hat von einer Auseinandersetzung zwischen ganz links und ganz rechts gesprochen.

Beginnen wir mit ganz links: Statt eines friedlichen Aufzugs für Freiheit und Demokratie, wie ihn sich Gießens Oberbürgermeister gewünscht hatte, gab es wieder einmal von Chaoten geprägte Proteste. Es ist leider oftmals das Gleiche: Linke Gewalttäter nutzen Demonstrationen, um vor allem Polizisten mit Steinen, Flaschen, Feuerwerkskörpern und anderen Dingen anzugreifen.

Derart verteidigen sie aber nicht die Demokratie, sondern sie verletzen sie. Das fängt nicht erst bei den Gewalttaten an, sondern schon mit dem Vorhaben, Andersdenkende daran zu hindern, sich zu versammeln. Die Gewalt der linken Chaoten führt dazu, dass die Mehrheit der friedlichen Demonstranten kaum noch wahrgenommen wird, die sich für ein Land der Vielfalt und gegen Rechtsextremismus eingesetzt haben.

Aber nicht nur das. Die Gewalt überschattet auch das, was auf der anderen Seite eigentlich vor sich geht – die Inhalte der AfD-Jugend und die damit verbundenen Gefahren geraten ins Hintertreffen.

Damit sind wir bei ganz rechts. Denn dort steht die neue AfD-Jugendorganisation ganz sicher. Nicht nur dass ihr Vorsitzender als Rechtsextremist wohlbekannt ist, auch die Träume von einer „millionenfachen Remigration“ waren bei dem Gründungstreffen mehrfach zu vernehmen. Das ist die Höcke-Linie der „wohltemperierten Grausamkeit“. Auch die „Generation Deutschland“ gibt also nicht Anlass zur Hoffnung, dass sich die AfD in nächster Zeit mäßigen könnte. Sie sollte vielmehr ein weiterer Grund sein, über eine irgendwie geartete Zusammenarbeit mit dieser Partei gar nicht erst nachzudenken – sondern sich ihr mit friedlichen Mitteln entgegenzustellen.“

(FAZ / Kommentar von Philip Eppelsheim / mit Dank für das Verwursten)

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Das Beharren auf und an den Rändern, somit das Beharren auf eigener Besonderheit, die starke Anziehungskraft der Selbstgerechtigkeit oder gar Selbstüberhöhung lauern nunmal eben dort. Auch wenn man nur seinen Lebensweg nachträglich verteidigen, geradebiegen oder was auch immer will. Da halte ich es heute lieber mit David Bowie. Mal so, dann anders, aber beweglich bleiben. Nicht immer in denselben Haufen … Naja! TOITOITOI!

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PS: Vielleicht muß ich nach Rückkehr aus den Spitälern – ab heute läuft die Maschine (Vorgespräche, Voruntersuchungen etc ppp) – das Ding hier in eine wie auch immer geartete Mitte verorten. Ansonsten bin ich froh, daß es endlich losgeht.