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Tuchel muß sich nach jedem Spiel was anhören. Halt einer derjenigen, die es niemandem recht machen können. Nun wird er kritisiert, gerne auch von solchen, die beim Anblick eines Pekinesen schon die Strassenseite wechseln, wegen „Feigheit vor dem Feind“, weil er nach der Führung der englischen Pöhler auf 5er-Kette umgestellt hatte. Sei’s drum. Ich glaube nicht, daß die erzmüden Engländer gegen die Dampfwalze Argentinien, die ja nebenher noch die Falklandinseln in Malvinias umbennen mußte, den Hauch einer Chance hatte. So oder so. Genausowenig wie am Tage zuvor die Blauen gegen die spanische Präzisionsmaschine. Aber dies ist nunmal ein zentrales Hobby der Menschen: die sogenannte, nachträgliche Betrachtung, gerne Aufarbeitung genannt, jedoch letztlich nichts anderes als das Besingen vergoß’ner Milch. Hosianna! Kreuziget ihn! Klar, ich hätte gerne ein finales Aufeinandertreffen der Ritter der Kokosnuß und der Froschschenkelfresser gesehen. Und wie Mick Jagger jubelt. Bleibt halt der Samstag. Heißt ja nicht umsonst Trostpreis. Schnief schnief!
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Ich mag den Tuchel. Weil ich mich gelegentlich in seinen Verbissenheiten und (unerfüllbaren?) Ansprüchen wiedererkenne. Oder sind es die Ohren? Erinnere mich an eine Vorstellung meiner Rio Reiser – Inszenierung, sie lief vier komplette Spielzeiten lang, stets volles Haus, inklusive Warteliste. Das Publikum hatte eben noch stehend applaudiert, als ich schon hinter die Bühne jagte und in ‚Tuchelscher‘ Gereiztheit das Ensemble ‚bat‘, sich bitte nicht zu sehr in der Gunst der Zuschauer zu suhlen, alle Tränchen der Selbstrührung zu streichen und einfach nur die Geschichte zu erzählen und zu singen. Dem Stück folgen. Egos in der Garderobe lassen. Dienen und Team. Spanisch quasi. Man war so gar nicht amused. Wie kann das arrogante Arschloch nur? Wir waren doch sooo gut. Nun denn, die nächste Aufführung war, in meinen Augen, dichter und konsequenter. Und wir hatten uns alle wieder ganz arg lieb. Zitiere dazu den guten Olli Kahn, der Tuchel, nachdem der nach dem Norwegenspiel seine Mannschaft kritisiert hatte, in Schutz nahm.
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Olli Kahn:
„Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball. (…) Denn sie offenbaren eine Eigenart, die weit über den Sport hinausreicht. Wir glauben, Niederlagen seien der gefährlichste Moment einer Entwicklung. Tatsächlich ist es oft der Sieg. (…) Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen. (…) Er hat etwas getan, das im Spitzensport selbstverständlich sein sollte. Er hat verhindert, dass ein Sieg wichtiger wird als die Wahrheit.“
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