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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 5
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Die natürliche Grenze zwischen Texas und Mexico ist, je nach Blickwinkel, der Rio Grande bzw der Rio Bravo del Norte. Man denkt vor diesen Begriffen gleich etwas breitbeiniger und versichert sich, ob der Trommelrevolver im Halfter auch noch geladen. Nicht unbedingt gesichert. Die drei Buben aus KN wollten nun also nach Mehicho einreisen. Dies erwies sich als eine etwas abenteuerliche Angelegenheit. Der erste Grenzübergang Richtung Matamoros war geschlossen. Wir fuhren weiter entlang des Flußes mit den klingenden Namen. Am nächsten Übergang stellten sich die mexikanischen Zöllner stur und, keiner von uns des Spanischen mächtig, aber was wir verstanden: heute keine Einreise für Yankees. Donalds Alptraum. Die Nervosität im easy does it wuchs und wuchs. Zankereien. Vorwürfe. Zu lange Haare sagt der eine. Und deine blöden nackten Füße sagt der andere. Du bist und bleibst Konschtanzer, verkleide dich nicht als Ami, sagt ein Dritter. Und schließlich. Hey, Schauspieler in spe! In deinem Alter hatte Brecht schon 5 Theaterstücke geschrieben. Was das mit der angenehm augenzwinkernden Willkürlichkeit der Pochos zu tun hatte, erschließt sich mir heute noch nicht. Aber Zank ist Zank und Hitze und Weed und Naivität sind eine wunderbare Mischung. Dem dritten Zoll näherten wir uns beschuht, mit gezückten Fluppen und wir sprachen deutsch. Viel Papier galt es auszufüllen. Viel Zeit wurde sich genommen. Aber, wie es Bobbele einst ausdrückte: Ich bin drin. Apropos drin. Das Hotel, in dem wir in Matamoros abstiegen, also die Absteige, war nebenher ein Bordell. Das Bier eiskalt und die Damen grinsten den Buben amüsiert zu. Im Jahre 2022 saßen die drei, inzwischen gealtert, aber nicht unbedingt reifer, beim Grillen am See, in dem Garten, auf den ich die letzten Wochen in KN blicken durfte, gaben Anekdoten vom legendären Grenzübertritt zum Besten, drei Versionen / Varianten / Erinnerungsversuche, die verschiedener nicht hätten sein können. Soviel zur Rekonstruktion versunkener Zeiten in jenen letzten Tagen des Mais und der Behauptung: SO WAR’S DOCH. Quatsch!
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Einschub. Der Grenzübergang auf Amiseite hieß Brownsville. Dylan singt mit Sam Shepard von einer jungen Frau aus diesem Ort. Look at the cover!
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Erst alles auf Master A hochziehen und speichern. Die nächste Lichteinstellung auf Master B. A dann weg. B wieder hoch. Nächste Einstellung. Ulrick stand vor dem Pult, drückte einen Knopf und die Regler, die man in Deutschland einen nach den anderen ziehen mußte, bewegten sich hier in Winston-Salem wie von Geisterhand und die Lampen gingen an oder aus und wieder anders und alles neu. Ulrick sagte immer, eines Tages will ich einen Sonnenuntergang wie über dem Überlinger See leuchten. Hier, auf einer Bühne. Keine Lampe dieser Welt aber schafft so einen herrlichen Kitsch. 1979 konnte man das Wort Computer kaum buchstabieren, dachte dies sei eine Erfindung von Spock und genauso theoretisch wie seine Vulkanierohren, aber hier war das eine Art reale Zukunft. Da kommt was auf uns zu. Ulrick war nach seiner Ausbildung direkt Beleuchter an den Münchner Kammerspielen und brachte dann den in Würde und im Namen Fritz Kortners gealterten Beleuchtungsmeister bei, wie man Knöpfchen drückt, statt Regler zu schieben. Wie man Spektralfarebn mischt. Zeiten eingibt. Und daß man sich nicht alles merken muß. Das übernehmen andere.
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Vielleicht war Heino daran schuld, daß wir in Tampico landeten. Die Hinfahrt entlang der Küste des Golfes von Mexico – Dig it orangenköpfiger Motherfucker! – war spannend. Alle fünfzig Kilometer stand die el policia am Strassenrand und stoppte uns und easy does it. Der freundliche Hotelbetreiber in Matamoros hatte uns gewarnt. Muchachos. Wenn ihr kontrolliert wurdet, kontrolliert euer Autochen. Sie stecken euch gerne was zwischen die Felgen, ins Handschuhfach, unter die Fußmatte, das Zeug was ihr, so wie ihr ausseht, euch gerne reinzieht, rufen dann den nächsten Posten an und: klick! Oder zweihundert bucks bezahlen. So standen wir, nichts gegen ein bisserl Paranoia, auf dem kleinen Zacalo einer Provinzstadt, robbten durch easy does it und die lokale Jugend gab uns Tipps, wo man so überall schon Weed gefunden hatte. Im Hotel in Tampico waren wir die einzigen Gäste. Fenster gab es nicht, Luftlöcher und fadenscheinige Lappen davor. Direkt am Strand gelegen, wehte der Nachtwind den Sand direkt auf die Laken. Erfahrung mit Tequila hatten wir nicht unbedingt. Aber das Zeug schmeckte. Zu gut. Und da war eine Mariachiband. Nur für uns? Wer hat diesen Film gedreht? Werner Herzog? Wim Wenders? Für ein paar Dollars mehr spielten sie! Nur für uns! Mehr Tequila! Neun Jahre zuvor war WM gewesen in Mehicho. Muller. Die Lichtgestalt mit der bandagierten Schulter. Als die Musikanten mitkriegten, daß wir keine Yankees, sondern Alemanos waren, war die Freude groß und es gab nur noch ein Thema: Balompie. An der Pinkelrille, inzwischen waren auch die Musiker gut dabei, erzählte mir einer der Sänger, er habe seinen Sohn nach 1970 den Zweitnamen Muller gegeben. Vor lauter besoffener Euphorie benässten wir uns gegenseitig, einander zugewandt mit heruntergelassenen Hosen. Und dies stimmt sogar. Am nächsten Morgen nach dem Erwachen waren unsere Hälse und Nasen mit Sand, pochendem Schmerz und entsetzlicher Trockenheit bestückt, der Wirt war noch nicht da und wir rannten ins Meer und tranken Salzwasser. Nicht sehr hilfreich. Kurz darauf, es war wohl ein Sonntag, wurde das Hotel von Horden Einheimischer gestürmt und ein paar Büchsen eiskaltes Dos Equis retteten den Tag. Die Mariachiband hatte gestern nur geprobt. Nur für uns, die Lichtgestalt und Muller, den göttlichen Gerd. Jetzt legten sie los. Für alle.
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Morgen dann vom einsamen Daumen im Wind und wie mir ein leibhaftiger Indianer einen Todesschreck einjagte. Und ich dann Zeit brauchte, um wieder deutsch sprechen zu können.
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(soon to be continued)
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