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„Es gibt Tage, an denen es geht, und Tage, an denen es nicht geht, aber ich muss an allen Tagen leben.“ (Michel Houllebecq)
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Bei der bewußt fahrlässig lückenhaft beschriebenen Zurückeroberung des Alltags festgestellt, daß so was wie Alltag gar nicht mehr existent ist in dem, was ich noch lebe, erlebe, durchlebe. Wollte ich beschreiben, was dieses DING war, was zurückerobert werden sollte, falls es jemals existent war, das DING, was ich mehr und mehr bezweifle, blicke ich in blinde Spiegel und sehe Chimären, die sich mir als Erinnerung verkaufen wollen, bestenfalls noch Reminiszenzen gut durchbluteter Tage, gefriergetrocknete Leidenschaften, geräuchert, abgehangen, vergessen und doch ständig präsent wie Füsslis „Nachtmahr“.
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„Nein, dieses Leben reicht nicht aus / Es kann nicht mal ein Tausendstel unserer Träume beinhalten.“ (Michel Houllebecq / 2)
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Lese dieser Tage bis zu fünf / sechs Bücher parallel. Konzentration fällt schwer, es mäandert, viel bleibt haften, verschwindet wieder, kommt zurück. Schwere Kost reiche ich mir, vom Entzug, Kontrollverlusten, Wahnbildern, Starrsinnigkeiten, von den guten alten Sackgassen wird erzählt, die einst begannen verheißungsvoll zu blinken und zu rufen, dann zerbröselten bis zur Lagerhaft, von Erkenntnisschränken, mit schweren Vorhängeschlössern gesichert, die grinsen verschlossen, deine Geduld wird eingefordert und der Verzicht auf das verlogene Besingen angeblicher Emphatie. Folgender Satz begegnet mir die Tage wieder und wieder. Ein Schriftsteller schreitet mit Fritz (Nietzsche) höchst unterhaltsam durch die Kammern dessen sich selbst auferlegten Wahns. Wider die um sich greifende „Timmysierung des Denkens“, sagt man, hilft nur eig’ner, von den Himmlischen geschenkter Wahnsinn.
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„… hatte geschrieben, daran erinnert er sich, daß aus den Leidenschaften Meinungen wachsen, die durch die Trägheit des Geistes zu Überzeugungen werden, was einer Erstarrung gleichkomme.“ (aus Otto Böhmer / Der Hammer des Herrn)
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Wahrscheinlich ist es Heuchelei, welche die ständige Wiederverwertung verdorbener Lebensreste verträglicher machen soll, wenn man das Entschwundene euphorisch und mit Zähren besingt, um sich der Existenz des eigentlich Nichtexistenten zu versichern, als hätte dies so und nicht anders stattgefunden und also belegbare Spuren beim Blick in den Spiegel hinterlassend, einen Hauch von Sinn hinter den Mühen, dem Eben, aufscheinen möge. Ich schätzte stets den Gang, die Fahrt zur Arbeit. Die Annäherung an den Alltag. Kaffee. Zigarette. Bahnsteig. Unbestimmtes. Ein Hauch von Freiheit. Bevor dann die vielen VARs eingriffen. Die zweite Ebene der Heuchelei griff zu.
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