Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 12

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Am Rande des Neuen Kurparks / Bad Soden / Hessen / letzten Sonntag

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 3

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Da gab es, um die Ecke eine Tanke mit Büdchen. In Winston-Salem. Autos, Alkohol und Schmerztabletten – wie man heute sagt – 24/7 zu erwerben. Die Provinzbuben staunten. Der Betreiber war Grieche und wir recht schnell Stammkunden. Sixpacks, Fluppen, die direkt vor Ort gebastelt wurden, Camel, Winston, Pall Mall. Where special people congregate. Reynolds tobacco eben. Eric Burdon singt davon. Auf dem Verkaufstresen ein riesiges Glas voller Asper, as they said. Man konnte sich, und es war gelegentlich nötig, Aspirin abgezählt aus dem Gefäß nehmen. Und endlose Reihen von Softdrinks in allen Geschmacksrichtungen und vor allem Farben. Spektralzuckerstoff quasi. Irgendwann kauften wir uns dort für twohundertfifty bucks ein himmelblaues Automobil. Gab es ja alles vor Ort. Easy does it. So hieß er. Ein Ford Falcon Stationwaggon. Ein Schiff. Aber erst mal blieben wir noch.

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Wenn ich von der NCSA nach Hause kam, lag Freund H in der Hollywoodschaukel auf der Frontporch und mähte den Rasen nicht. Wie erwähnt, es war schwül. Sehr schwül. Ulrick und ich verpassten ihm bald den Spitznamen the schnitzl. Liegt rum und does not move. Like Timmy … sorry: Timma did it those days. Dann rafften wir uns auf und gleich wieder um die nächste corner eine Art Pub, eine Bar. Ein langhaariger Vietvet, der aussah wie Kris Kristofferson, war unser Gastgeber. Oft waren wir die einzigen Gäste. Büchsenbier. Chips. Peanuts. Zu Ehren des – denke ich – besten Präsidenten, den die Amis jemals gewählt haben: Jimmy Carter. Dylankenner by the way und vom Größenwahn unbeleckt. Giscard und Helmut verklickerten ihm damals ständig wie Wirtschaft geht. Hochnäsig wie wir Europäer sind. Hat sich ja inzwischen erledigt. Gelle. Da stand eine Jukebox in der finst’ren Stubb. Das Fenster ist den Bars in den Staaten eher fremd. Viel Country in der Kiste, von dem wir, arrogant halt, kaum Ahnung hatten. Der Arm griff nach der Single und legte sie unter den Sapphir. So lief in einer Art Dauerschleife I was made for loving you und Join together von The Who. Gelegentlich verschwand der Gastgeber in irgendwelchen Hinterräumen, zog sich, was auch immer rein, kam zurück, aufgeladen und schmiß uns raus. Germans gehen dem Rest der Welt meist gehörig auf die Nüsse. Wollen es aber nicht wahrhaben. Think!

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Darauf waren sie stolz in der Schauspielschule. Ein oder zwei Mitglieder der Village People hatten dort studiert. Der Cowboy? Der Indianer? Der Bauarbeiter? The Black Cop? Der Landser? Ich habe es mir nicht gemerkt. Ich dachte darüber nach da drüben zu bleiben. Mit der Sprache kam ich gut zurecht, ich war sogar in der Lage auf den Gipsfuß, den sich meine Partnerin kurz vor einer Prüfung zugezogen hatte, auf der Bühne improvisierend in Sachen Liebesszene einzugehen – nein: Julie war es nicht – schrieb sogar einen Aufsatz – creative writing – über die Auslöschung der Indianer in North Carolina – strenger Verweis! – How dare you german boy! Ausschwitz! – und dachte trotzdem nochmal nach und dran zu bleiben. Geld dafür hatte ich keines. Stipendium may be. Anyway. Ich hatte einen sehr guten Schauspiellehrer. Er wohnte quasi round the bend. Er riet mir ab. Theatre is language. Mind. You are not made for the showbusiness. Tell stories. Ich schloß mich dann ein paar Tage ein, schaute intensiv homebox, der Vorvorvorgänger von netflix und dachte nach. Was für ein schrecklich schönes Land. Aber dort leben?

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Bevor ich aber darüber nachdenken konnte, hatten wir noch zu dritt unseren easy does it gesattelt und brachen auf gen Mexiko. Man hatte seinen Kerouac durchaus studiert. Mit viel Bemüh’n. Das war die zweite Halbzeit der längsten aller summertimes.

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