Die Zurückeroberung des Alltags / VI

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„Nur wo wir handeln, fühlen wir uns lebendig, und nur im Handeln gewinnen wir soziale Energie.“ (Hartmut Rosa)

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Die Kugelschreiber sind verteilt, die Luftballons sind davongeflogen oder geplatzt, die Windrädchen atemlos stille. G., die Heldenstadt, ach was: das Heldenland – im folgenden Gihela – hat gewählt. Kommunal. Als jemand, der auf dieser Seite keck behauptet, an den Rändern lauerten die Erfahrungen, muß ich selbstredend Gihela, jener tendenziell selbstverliebten Melange aus weltgeistbewegtem ewigem Kinderladen und Einkaufseden für Co2-Junkies aus dem Umland, zum Wahlergebnis gratulieren, haben doch die fuffzig Prozent des Wahlvolkes, die wollten, obwohl sie durften, die Ränder stark kumuliert und panaschiert.

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Kurzer Blick in den neuen Magistrat: Die Wirtin des Vertrauens der Generation Bürgerpunk wird selbstlos um den Erhalt des identitätsstiftenden sinnlosen Betonmonsters Dickhäuterlocus kämpfen und den Aufstieg der Männerturner mit gezielten Pilsinfusionen fördern. Die erste und größte Friedenskämpferin und Nachlaßverwalterin der DDR auf mittelhessischen Boden hat, nachdem sie morgens neben ihrer Putinbüste erwacht war, hoch und heilig geschworen der Arbeiterklasse unter der Führung der Lehrerschaft von Gihela aus ohne Blutvergießen an die Macht zu verhelfen. Im Westen und Osten, koste es, was es dauert, während der letzte, altweis(ß)e Poltersozi und ehemalige Kapo aller Karusselschubser in die Weststadt zurückkehrte und sich nun frei gewählt darüber ärgern darf, daß die Sozen unter der Leitung äh Führung äh dem Vorstehen eines Pastors und ohne ihn sogar zugelegt haben. Man munkelt Lars, der Berliner Eisbär, denke darüber nach, nach Gihela zu ziehen. Er ist sich noch unschlüssig, ob er dann im Kinderladen oder bei Karstadt unterkommen will.

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Ich habe die gewählt, welche ich vor 5 Jahren gewählt habe und für die ich damals als Unterstützer ein paar politische Liedlein coronasicher eingesungen habe. Die sind so naiv wie ich, nicht benzinsüchtig und oder / aber auch fleißiger in der Sache unterwegs, finde ich, als die meisten anderen Fraktionen. Und wir teilen uns einen Lieblingsgegner. Die ahl Juffer Madame Kettensäge, die sich an der Macht genauso verbissen festklammert wie inzwischen an ihrem Rollator. Während den vorüberziehenden Teilzeitbewohnern und -wählern der Linken die Stadt Gihela in Sachen Entwicklung wahrscheinlich am Arsch vorbeigeht. Außer sie bleiben hier hängen. Hauptsache Haltung äh Kopf hoch!

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In letzter Zeit muß ich bei jedem zweiten Bucherwerb – Ja! Ich KAUFE und BEZAHLE Bücher und Musik, wohlwissend was falscher Geiz mit den Geldbeuteln der Künstler anstellt! – das Bestsellerpickerl vom Einband puhlen. Inflationär. – Zwischenruf: Herr Weimer! Schaffen Sie das ab! – Lese nun dieser Tage ein Buch von der Sachbuchhitliste pickerlfrei und mit höchstem Vergnügen. Schön, wenn ein anderer das ausdrückt, was einen so umtreibt und was in den letzten Jahren mir manche Freude u.a. am Beruf genommen hat. Zu oft wird dir die Rolle des Vollziehenden zugewiesen. Ein Handeln wird nervös beäugt. Bleibt im Alter gerne über die Rolle des Klugschwätzers. Auch nicht abendfüllend.

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Apropos Alter. Bei 3Sat ein vom Schweizer Fernsehen produziertes, amüsantes Interview mit dem Diogenes der deutschen Unterhaltung, Harald Schmidt, gesehen. In Sachen Alter äußerte er sich dahingehend, wer jenseits der 60 mit enger Lederjacke, mit den Schirm nach hinten gedrehter Kappe und Sneakers rumlaufe, den Schuß wohl nicht gehört habe. Das Lied Stell Dir vor erwähnte er nicht. Ich habe es nochmal gesungen.

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Appendix oder Eidechsenschwänzlein

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(…………………………………………………..…..) Hier bei Bedarf abtrennen!

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Sah ich heute auf dem Weg in den Botanischen Garten, einem der angenehmeren All(t)agsorte von Gihela. Wiederaufschließung war um 8 Uhr morgens. Ich war der ERSTE! „Putzig“, meinte meine liebe Gattin dazu. Ich konnte direkt eine reiche Bärlauchernte einfahren. Bisserl was ist noch über. Wenn man sich sputet! Und für die herbstliche Maroneneinsammlung habe ich mich gegen ein geringes Entgelt – Sind ja schließlich kein Volkseigentum die Kugeln! Gelle Genossen! – bei den Gärtnern eingetragen. Für den 11. Oktober 2026. Gegen 12 Uhr. Man sagte mir, ein paar preiswerte Timeslots zwecks Sammlung wären noch frei. Nach dem Motto: First Come! First Serve! Klingelbeutel nicht vergessen! Ach: Wo ist eigentlich mein alter „Willy wählen!“ – Anstecker?

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Ende 2020 hatte ich bei einem der vielen Eventtage im besetzten Dannenröder Forst ein bisserl Scherben und Gundi gesungen. Kampflieder, wie man so sagte. Nächste Woche werden wir das erste Mal über die neue A 49 fahren. Alles verändert sich. Ein paar Tage in nordhessische Wälder. Mal schauen, ob die neue Hüfte sich schon wieder mit Waldwegen anfreunden kann. Solange bleibt hier das gerupfte Schiff vor Anker und harrt aus in den Winden des All(t)tags.

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Die Zurückeroberung des Alltags / VI

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Und wilde Männer, die die Sonne liebten. Verstehen zu spät, es war ein Mißverständnis. Und klagen, fluchen, daß sie untergeht.“

(Dylan Thomas / aus: Die gute Nacht)

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Krankheit, behinderte Gesundheit, Rekonvaleszenz: ein Käfig. Weggesperrt von den alltäglichen Ablenkungen, aber auch alle Konzentration konzentriert auf den oder die Schmerzpunkte. Befreiend auf eine Art. Die Rückkehr in den All(t)tag kann da verwirren, verstören, überfordern. Muß ich mich da jetzt wieder drum kümmern? Hinschauen? Reagieren? Als geschwätzige Elster? Ich habe, erzählte schon davon, eine Zeitlang „kulturgeschafft“ in der JVA Butzbach. Und dort erzählt bekommen und auch mitgekriegt, daß doch einige nach der Entlassung recht schnell wieder einfuhren. Hinter Gittern ist man vor dem Leben etwas sicherer. Ich verstehe dies. Vor allem der kleine bittere Mönch in mir tut dies.

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Zu den ersten Zurückeroberungen des Alltags zählte für mich der Gang ins Cafe ums Eck. Zeitungslektüre. Und als überzeugt ideologiefreier Leser liegt da auch gerne die Focus-Kolumne von Herrn Fleischhauer neben meiner Kaffeetasse. Und ich gestehe, oft freue ich mich darüber. Unlängst gar etwas diebisch, was ja, sagt man, ein anderer Ausdruck für bitter ist. In etwa schrieb er davon, man müsse jederzeit mit der Feigheit der „Kulturschaffenden“ (Danke Reichskulturkammer für die sprachliche Hilfeleistung in Sachen Gendern!) rechnen und ihrer Opportunität im Namen der subventionierten – sicher ist sicher – Moralansprüche. Und mußte – Deja vu oh Deja vu! –  lauthals auflachen, so daß eine der studentischen Bedienungen, die mich sonst als sehr störungsfreien Gast kennen, nachfragte, ob alles in Ordnung sei. Nun, ich konnte doch nicht erzählen, welche Bilder mit eben durch den Kopf schossen. Alte Kollegen, teils unkündbar, sonoren mit engagiert nachdenklicher Stimme, daß es gerade„in diesen Zeiten, in diesen schrecklichen Zeiten“ angesagt sei, stell Dir mal vor, Johns ewiges Lied zu singen. Gerade in der Heldenstadt G. (Von der bald mehr. Erstmal noch auszählen lassen!) Zuhause habe ich dann Fleischhauers Videotipp gegoogelt. Verstehen Sie mich nicht falsch, gelle!

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Wo war ich sitzen geblieben? Ich mag Texte, die sich die Zeitläufte vornehmen, vor allem wenn diese frustrierende, irritierende, menschenverachtende und gerne verbitternde sind, dann wenn sie es bei angemessener Düsternis belassen und sich verkneifen den Worten einen „positiv“ stimmen sollenden Appendix anzutuckern, sei dies ein Rezept, ein Wandertipp, eine Restaurantempfehlung oder, gerne genommen, eine sensitive und seelenbadende Naturbeobachtung. Der heimkehrende Kranich tanzt mit dem Eichhörnchen und der Eisvogel jubelt ein Lied dazu in die ihn erfreuenden Krokusse. Lenz, oh Lenz Du Kommender! Und klang’s das Liedlein gar nicht wie, äääh?

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Unlängst googelte ich nach einem Poem eines meiner Lieblingspoeten und stieß, drei- bis viermal um die berühmte Ecke, auf ein Stück von mir verlebtes Leben.

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ach es war ein baumstamm der im nebel unterging

die blase die vom grund stieg war kein letzter atemstoß

nein was am ufer schäumt ist sud von teer und fett

und rührt von keiner toten die sich hier verfing

(Wolfgang Hilbig / aus: Ophelia)

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Und ich kehrte einige tiefe Atemzüge lang zurück in jene All(t)tage, an denen ich unzählige Stunden hinter verregneten und / oder vertrauerten Zugfenstern verbrachte, den Schwarzen Hund molk, leere Weinflaschen sammelte und sandte dann Grüße, wohin auch immer, und dachte noch, hatte ich doch eben von Appendixi gesprochen: „Berühre den Schwanz der entwischenden Eidechse nicht, denn dann fällt er ab!“ Jedoch, so sagte man mir früher – war es gar mein Vater? – er wachse nach. Schmerzfrei.

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Die Zurückeroberung des Alltags / V

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Meine Oma trifft im Hühnerstall die Götter, die Götter, die Götter …

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Sind die Götter Omas oder sind die Omas Götter? Sie hinterlassen jedenfalls beide breite Spuren im Zitierköfferchen. Spatzen in der Hand und Tauben auf dem Dach. Ein letztes Hemd ohne Taschen. Brötchen, welche man besser etwas kleiner backe. Omas Mühlen, die in aller Gemütsruhe vor sich hinmahlen, ähnlich denen der Götter. Oder wie mein hessischer Lieblingsopa aus Mainz einst sang: Es ist alles nur geliehen. Von den Göttern? Von den Omas?

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Und das Wenige sei mehr. Dies erkennt sogar jener, der sein drittes Segelboot abstoßen muß. Man käme ja mit der Freizeit äh … Arbeit nicht mehr hinterher. Im fortgeschrittenen Alter, wie man heutzutage das Alter nennt. Und so durfte ich irgendwann unter Zuhilfenahme der altvorderen Weisheiten meine Krücken in die Ecke stellen und damit die Illusion ad acta legen, daß irgendetwas irgendwie und irgendwann wieder würde wie davor. Träume sind aus Leergut gemacht. Seitdem humpelt es sich würdevoll voran. Greife einem nackten Mann mal in die Tasche. Beim Blick auf den zehn Gehminuten entfernten kleinen Fluß erledigen sich hochfliegende (sic!) Reisepläne sowieso von selbst. Fluch – statt Flugversuche? Eher nein.

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Keine Reime heute, da ich mir keine Reime machen kann auf die Zeitläufte. Keine Reime auf die in die Wohlstandsgesichter eintätowierten Klagen, die in der Lobby eines von Sklavenarbeitern hochgezogenen Hotels Bundeswehrflieger statt Drohnen einfordern, sie sicher nach Hause zu chauffieren. Man gönnt sich ja sonst nix. Kaum zu Hause angekommen, stehen sie dann vor den Zapfsäulen und schütteln die Faust Empörung gen Himmel und Regierung. Meine Steuer zahl ich nicht, nein meine Steuer zahl ich nicht, rumpelstilzt es in den Abendnachrichten und anderswo. Meine Freiheit. Meine Regeln. Nach der Schlacht ist vor der Schlacht.

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Seit Monaten nun endlich in Ansätzen schmerzfrei(er) wieder. Gut Ding und so. Die Oma grinst sich einen. Die Götter? Kein Kommentar. Was schrieb unlängst mein Wörterbuch als Mitteilung, da ich vergaß Korrektur zu lesen: „Hier schneit noch die Sonne!“

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Das nächste Mal von „Kulturschaffenden“, den schrecklichen positiven Schlüssen düsterer Texte und angedrohten weiteren Höhenflügen (Höhenflüchen?) der Heldenstadt an der Lahn.

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Die Zurückeroberung des Alltags / IV

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Don’t judge ä Gehstock by his Beigeschmack!

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Die Winkelzüge der Götter zu durchschauen, hinter ihrem Handeln eine Art Plan erkennen zu wollen oder vielleicht gar später den tieferen Sinn in den Händen halten zu dürfen: oh Menschlein, lassen wir ab davon.

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Es läßt sich nicht verhindern, daß man, will, kann oder muß man das Ghetto der Krankheit verlassen, um das hoch besungene freie Land der Gesunden wieder zu betreten, in die fröhliche Gemeinschaft der Gesunden sich wieder einzureihen, selbigen auf dieser wackligen Reise auch begegnet, wobei ich nicht reden will vom Zusammentreffen im Reiche der Pflege und Wiederaufforstung, sondern von den zufälligen oder verabredeten Begegnungen auf der Gass‘, in den Familien, sei es in natura oder in digitalis oder anderen Freundschaften. By the way: Begegnet man auch Feindschaften?

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Von der ängsten Vertrauten A. / 1

Was hinkt der rum noch uff der Gass‘

Schon schmerzt mein Knie ich sag Dir was

Mein Herz will fremdes Weh nicht seh’n

Schon lauf ich unrund kann nicht geh’n

Das Pumporgan was schneller schafft

Was beinah mich dahingerafft

Mir reicht mein tägliches Geraffel

Der Stress in meiner Denkerwaffel

Ach sei so gut und mach es besser

Was sagte ich? Da unterm Messer

Mußt Du Dir keine Sorgen machen

Warum tust Du jetzt blöde lachen

Und mit Deinem Gehstock klopfen

Verzeih muß weiter denn der Hopfen

Kann nicht warten

Geduld Geduld Geduld

Am Ende ist man selber schuld

Dies würd ich nie behaupten

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Der Kranke oder leicht bis schwerer Lädierte weiß manchmal nicht, wem er da ins gesunde Aug‘ schaut. Den Ängsten des Gegenübers? Oft. Diffusen Befürchtungen vor der Aussicht auf den eigenen nicht zu vermeidenden Verfall, der eventuell ähnliches bereithält? Augen auf und trotzdem nicht durch? Nichts in den falschen Kropf, Emphatie gibt es auch, aber ganz frei von … siehe oben … selten. Vor allem bei meiner Alterskohorte.

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Von der ängsten Vertrauten A. / 2

Den Stock den Stock den brauchst du nicht

Er ist nur Accessoire

Den Stock den Stock den brauch ich doch

Ich gehe schief sonst zwar

Ich weiß genau

Obwohl nicht grau

Dem Alter flieh ich nicht

Doch doch unendlich Jahre hast Du noch

begib dich nicht in dieses Loch

Man ist so jung wie ich mich fühle

Ach Freund dies wird dich nicht entzücken

Ich mocht sogar die beiden Krücken

Ich mußte ja

So endet dies Gedicht

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Die letzten Monate haben mir gewiß etliche Stecker gezogen und waren oft sehr schmerzlich. Aber ‚Derjenige von vor der OP‘ mag ich gar nicht mehr sein. Isch over! Ein bisserl was Anderes nehm ich mit und wahr. Was genau? Wird sich weisen. Solange gemächlich am Stock in Würde altern unter Verzicht auf alterspubertäre Schübe. Und nun hier zum dritten Mal die Ankündigung von den Flugversuchen zu denken. Solang halt nochmal von den ängsten Vertrauten. In, um und um mich herum. Die Rente ist sicher!

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Die Zurückeroberung des Alltags / III

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Quäle nie den Schmerz zum Scherz, denn er ist ein Tier mit Herz

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Nein, Ärzte sind sie nun wirklich nicht, die lieben Götter, deren Garagen überquellen von Streitwägen, mit denen sie ausfahren, der Schmerzen vielfältige unters hastig davoneilende Volk zu schmeißen wie ein überdrehtes Dreigestirn op der Vringstroß am Rosenmontag zu Kölle die Kamel(l)e. Nun die Verantwortung für die meisten Wehwehchen wollen wir damit nicht von den gesenkten Schultern der gerne und meist unaufrichtigen Aufrechtgeher nehmen, aber wo wir schon die Götter rumstehen haben, auch wenn wir sie kaum mehr benutzen, außer als Begrün(d)ung für Kriege aller Art, von irgendwo her müssen wir uns ja einen Schuldigen zusammenschustern.

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Erste und leicht klagende Schmerzensmelodei:

In jenem Haus des Laibes

Ich war und hieß‘ und hauste

Statt zu wohnen

Poltern Schmerzen

Die wie Drohnen

Nicht erkennen lassen jeglich Sinn

Wohin die AUAS fallen hin

Und her bis alle Nervenbahnen

Leiten Leiden leider weiter

Man finstert ein was wenig heiter

Bis ins klagend‘ weiche Hirn

Menschlein konntest Du nicht ahnen

Daß die Götter pinglig sind

Will man sie ver …

Arsch und Himmel und auch Zwirn

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Gewiß Manches ereilt einen. Und nimmt so (s)einen nicht erwartbaren Gang. Mal mit Schutzengel, mal ohne. Auf das Meiste sind die Meisten jedoch sehend blind zugerauscht. Man gönnt sich ja sonst nichts und erzähle mir nichts vom Pferd, welches den größeren Kopf hat und dem man deshalb, auf väterlichen Rat, das Denken überlassen hatte. Und wenn es mal wieder richtig weh macht und nicht vorangeht, geschweige denn schleicht, bestenfalls in so etwas wie Richtung „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ humpelt, hat man ja immer noch die Ärzte, die bekanntnerweise keine Götter sind und lediglich Verwalter der Schmerzen, aber vorzüglich zum Schuldigen taugen wie immer, zum Blindfuchs und Schuldschulterer – wenn nicht der klimaanverwandelnde Turbokapitalismus einspringt – ohne den wir nicht mehr atmen können, denken wir, falls uns nicht anheim oder von drohnenverschmierten Himmeln fällt zu ein Hauch von Dank für das ein oder andere AUA. Hätte man sich sonst wieder bewegt? Ohne eine Stunde Null ist Erkenntnis selten zu erwerben. Leider(n)! Wir erinnern uns: „Großhirn an Blutdruck: Steigen!“

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Innehaltende Schmerzmelodei, so nun als No Zwei:

Der Körper wird zur Diktatur

Was will er denn was hat er nur

Der Schmerz entgleitet meinem Griff

Wie war die Melodei die pfiff

Ein Gott mir von den Wolken runter

Wenn einem sowas widerfährt

Das ist schon einen …

Oder darauf einen Dujardin

Hallo mein Hirn bin Dein Cousin

So singt der Schmerz und

Und dies ist kein …

Den Reim erspare ich dem Hirn

Oh Arsch und Himmel und auch Zwirn

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Das nächste Mal von den Genesungswünschen und Flugversuchen (auf allen vieren).

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Die Zurückeroberung des Alltags / II

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Hoppe, hoppe Reiter, wenn was fällt dann schreit er

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Die Götter sind Spielkinder und lieben es den Zweibeinern zu Testzwecken kleine, fiese Aufgaben zu servieren. Sei es an den Mauern von Theben oder im schnöden Alltag eines zeitweise vierbeinigen Menschleins mit akutem Ödipus, also dem Schwellfuß nach EINGRIFF. Ob sie, die Götter, dabei in hämisch grinsender Betrachtung verharren oder lediglich den Zeigefinger lehrvermittelnd schwenken, wer weiß dies schon, wenn fataler Schmerz in die Leiste fährt und ein sinnloser Wutschrei sich aus der Kehle windet, wenn mal wieder etwas aus den zittrig ungeduldigen Fingern des Erdenmenschleins zu Boden stürzte und blöd nach oben schielte.

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Nun, kaum hatte der EINGRIFF mich am Vorabend meines Lebens zum Vierbeiniger gemacht, gefiel es der Gravitation mir all ihre Macht zu demonstrieren und dies, wie man so schön sagt, GEFÜHLT, ununterbrochen. Doch ganz allein mit dem dämlichen Schicksal hatten mich die sorgenden Geister nicht gelassen.

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Erstes Loblied auf die orthopädischen Hilfsmittel:

Es fällt, es fällt

Nach Vermählung mit der Welt

Strebt manche Sach

Die scheinbar unter Dach und Fach

Regalisiert und eingetütet

Und so der Schmerz im Hüftbein wütet

Der Griff gen Boden knirschend lähmt

Ach Burschi sei er nicht vergrämt

Und keineswegs voll Bange

Dem Dinge nach es greift die Zange

Dies muß man dankend lassen

Dem Orthopäd, den Kassen

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Zwei Engelein sitzen auf den Schultern. Der eine schwarz, die andere weiß oder pastellfarben. „Quäl Dich, Du Sau!“ ruft es von hier, „Geduld nur Geduld!“ von dorten. Hart, aber herzlich streifen die Flügel die Seele des innerlich etwas wund Geriebenen. Beides wohl zurecht eingesagt. Der Schwerkraft aber ist dies gleich. Die Gegenstände aller Form und Farb fallen und stürzen und trudeln grinsend zu Boden wie so mancher germanische Athlet dieser Tage vom Stockerl plumpste und vom sogenannt undankbaren Platz Vier hinauf winkte zum Dreigestirn. Man holt sich, wo die Schwerkraft waltet, seine Auszeichnungen mit dem Pöter ab und rodelt, kufenbewehrt zu Ehr und Beifall. Der Rest stochert, vierbeinig, den eigenen Erwartungen hinterher. „Quäl mich, Scheißgeduld!“

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Zweites Loblied auf die orthopädischen Hilfsmittel:

Auch wenn das rechte Hosenbein mit Tücke

Den Eingang Dir verwehret

Dann greif zur Krücke

Den der Alltag lehret

Dir nach und nach so manchen Griff

Qui vive

Und Krüppelstolz

Aus gänzlich andrem Holz

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Als nächstes von den mannigfaltigen Liedern, die der Schmerz einem singen kann und mag und verborgenen Flugfähigkeiten.

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Die Zurückeroberung des Alltags / I

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Wenn die Götter lieben, den prüfen sie auf Hüft‘ und Herz

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Ich weiß nicht recht, welche Götter ich mir in den letzten Jahren zum Feind gemacht habe. Weder blendete ich einen eingebildeten Göttersohn, noch verspeiste ich im Lotosrausch heilige Rinder, geschweige schlug ich ein becircendes Angebot – ich gestehe aber, daß ich schwankte wie ein trunkener Eber – aus, welches mir Unsterblichkeit bei gleichzeitigem Verzicht auf treuebewahrende Heimkehr angeboten hatte. Dennoch gefiel es dem Einem aus der Heerschar der himmlichen Wächter die nicht gerade für Extreme und Exzesse, sondern eher für wohltemperierte Langeweile und Selbstbeweihräucherung bekannte Kleinstadt in der ich lebe, seit dem Tage, da ich vierbeinig die Rehabilitationsanstalt mit einem Ersatzteil im rechten Bein verließ, mit rekordverdächtigen Schneemassen zu beschenken.

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Zwischenreim:

Ach der du hinkend und malad auf Krücken zweier

Schwankend Schritt und Dein Rumgeeier

Auf Strassen Wegen ungeräumt

Beim Blick aufs Smartphone hat versäumt

So manch Passant ach was

die Tür fällt zu vor Deiner Nas

Werd halt gesund und unsre Eil

Wie geil (ist das denn)

Macht nicht vor Pfützen halt

Du Bremsgestalt

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Doch, es gab sie schon, die Türaufhalter und Beiseitetreter. Jedoch: et tu, mein Sohn in alten raschen Zeiten? So also knirschte ich bei der schrittweisen (im wahrsten Sinne des Wortes) Zurückeroberung des Alltags manch Sätzlein der Reue in den Bart bezüglich meiner Ungeduld angesichts bremsender Malader und Maladerinnen im öffentlichen Raum, die ich einst nicht eben … sagen wir: begrüßte. Wie ich überhaupt feststellen durfte, daß der öffentliche Raum keine Spielwiese für all die Eingeschränkten ist. Körperlich selbstredend. Einschränkungen im Hirnbereich werden ja oft als Alleinstellungsmerkmal, Durchsetzungsfähigkeit oder als Wahlempfehlung besungen.

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Ein zweiter Zwischenreim und Hinweis:

Meide oh Hinkender heilende Bäder

Bist du nicht Privatbezähler

Sondern vom Gesetz gesandter

Und der Arzt nicht ein Verwandter

Vor allem in der Weihnachtszeit

Denn dann macht sich Leere breit

Wo eigentlich die helfend‘ Hand

Starrt der Kranke auf die Wand

Und begrüßt das Neue Jaaa … hrr

Immerhin die Putzfrau da

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Als nächstes von den Prüfungen meiner Lieblingsgöttin Gravitation und ihrer Muse Hüftsteifigkeit. Und was das mit dem Medaillenspiegel und so …

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