Seit Tagen, immermal wieder bass erstaunt oder mit Magenschmerzen lesend von den Washingtoner Kapriolen, geht mir eine Textzeile aus Tom Waits‘ „The piano has been drinkin“ nicht aus dem Kopf. „And the owner is a mental midget with the i.q. of a fencepost“. Es scheint als würden die Götter uns Menschen Dummheit und Rücksichtslosigkeit in Form von Trump und Virus um die überrascht tuenden Ohren hauen. Mit viel Spaß an dr Freud‘.
Vielen Dank. Mir aus dem Herzen und dem Hirn gesprochen aka geschrieben, der Essay von Mark Siemons aus der FAS vom 27. Dezember 2020. Teile ich sehr gerne:
Das Jahr der Verdrängung
„Es war ein widersprüchliches Jahr in Deutschland. Auf der einen Seite sah es eine so große kollektive Bedrohung wie seit Generationen nicht mehr, mit so vielen Toten, so vielen Existenzängsten, so vielen außergewöhnlichen Eingriffen des Staates, auch so vielen staatlichen Schulden. Und auf der anderen Seite eine Öffentlichkeit, die von einem gemeinschaftlichen Erleben dieser Bedrohung, von einer gemeinsamen Trauer, Furcht, Vorsicht und Nachsicht nichts wissen zu wollen schien. Je länger das Jahr unter dem Eindruck der Pandemie andauerte, desto zersplitterter wurde dessen Wahrnehmung, aufgelöst in viele, oft gegeneinanderstehende Einzeldispute, die sich von dem Ausgangspunkt, der unerwarteten Erfahrung der eigenen Verletzlichkeit, zunehmend entfernten.
Im März war die Anteilnahme über die vielen in Italien am Virus Verstorbenen noch groß; heute, da im eigenen Land schon höhere tägliche Todeszahlen erreicht sind, stößt das auf kaum Resonanz. Der schon vor Monaten geäußerte Vorschlag des Bundespräsidenten, in einem nationalen Akt der Opfer der Pandemie zu gedenken, wie dies so unterschiedliche Staaten wie China und Spanien getan haben, verhallte. Im Frühjahr wurde noch viel Empathie für das Krankenhauspersonal bekundet, dem die Seuche besonders viel abverlangt. Später verlor sich auch dieses Interesse. Andere Fragen wurden wichtiger: Wer darf sich wo mit wie vielen Menschen treffen, sind die Eindämmungsmaßnahmen überhaupt verhältnismäßig, welche Geschäfte dürfen sich systemrelevant nennen, sind Masken womöglich gesundheitsschädlich? Nicht, dass eine dieser Fragen unbedeutend wäre, aber in der Summe addieren sie sich zu einer im Rückblick fast monströs wirkenden Verdrängungsleistung – vor allem, da ihnen fast vollständig das Gegenüber fehlt, die Verständigung über die allen gemeinsame Verwundbarkeit.
Es ist, als klammere sich die Öffentlichkeit an ihre Debattenroutinen, an vertrautes Kommunikationsterrain, um sich mit dieser Verwundbarkeit und Ungewißheit nicht konfrontieren zu müssen. Jeder rhetorische Winkelzug schien dazu recht. Man stritt sich darüber, ob die Opfer „an“ oder doch nur „mit“ Corona gestorben seien, ob überhaupt von einer „Übersterblichkeit“ die Rede sein könne oder ob man die Diskussion nicht besser auf die „vulnerablen“ Gruppen konzentrieren solle, um die Mehrheit damit nicht weiter zu behelligen.
Selbst vorsichtige Formulierungen wie die der „neuen Normalität“, die Politiker wie Olaf Scholz am Ende des ersten Lockdowns wagten, um das fortdauernd Außergewöhnliche der Situation anzudeuten, wurden brüsk zurückgewiesen. „Wir wollen unsere alte Normalität zurück!“, hieß es trotzig in einem Kommentar. Diese Art Panzerung gegen die Realität hatte auch Folgen für die Wirksamkeit der Eindämmung des Virus. Da keine gemeinsame Sprache für die Bedrohung gefunden wurde, hatten es alle vorrauschauenden Maßnahmen, geschweige denn langfristige Strategien schwer, sich unter den Ministerpräsidenten durchzusetzen. Und selbst das Verhalten derer, die das Virus nicht für eine Erfindung halten, richtete sich weniger an der Gefährdungslage als an Verordnungen aus – die vielbeschworene Eigenverantwortung setzt offenbar erst dann ein, wenn die Wirklichkeit durch Gesetze oder andere Prinzipien beglaubigt ist.
Wahrscheinlich hat die Pandemie auf einer individuellen Ebene bei vielen das Bewußtsein dafür befördert, wie viel mehr das Leben wert ist als die Gewohnheiten, die es in ruhigen Zeiten ausfüllen und die jetzt so schmerzlich unterbrochen wurden. „Daß das Leben nicht gehortet, sondern gelebt sein will“, hielt der britische „Economist“, sonst nicht als Fachmagazin für solche Ergebnisse bekannt, als Lektion dieses Jahres fest. Die große Frage bleibt, warum sich dagegen das kollektive bewußtsein die Lebenserfahrung dieses Jahres so ausdauernd vom Leibe hält. Und was getan werden kann, damit sich das ändert.“
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Und: es sterben vor allem Mitglieder jener Generation, die dieses Land nach dem Krieg aufgebaut haben und auf dem Rücken derer Lebensleistung die Nachgeborenen ihren Wohlstand gefestigt haben. Nachdenkenswert, bevor man wieder das nächste Schlupfloch sucht. Dankbarkeit und so.
Das Leben kehrt zurück in unsere heile heilige Welt. Maskiert als Tod. Wessen Welt? Wessen Morgen ist der Morgen? Was wäre ein nächster Schritt? Eben eine Weihnachtskarte der hiesigen DKP aus dem Briefkasten gefischt. Ein freundlich aus der Zeit gefallener Text. Es singt Ernst Busch von hinten her das gesellschaftliche Pferd aufzäumend. Die Lösung? Gewiß nicht. Dennoch höre ich das Lied mit erhobener Schwanzfaust und sentimental hoffnungsfroh immer noch gern. Tränen inklusive. Bringt aber nichts. The Proletariat has left the building. What was it you wanted, Fidel?
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Sie sprechen vom Scheitern
des Sozialismus!
Wo aber ist der Erfolg
Des Kapitalismus?
(Fidel Castro)
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Hat er immer noch recht. Golf spielen ist nicht der Weisheit letzter Schuß.
Nachdem inzwischen sogar Potin und Pulen anerkennen, daß es über dem Großen Teich einen gewählten Nachfolger von Psycho – Kid gibt, auch von mir ein kleiner Abschiedsgruß. Barack Obama beschreibt es in seinem Buch, welche Provokation seine Präsidentschaft für die einigen Vielen (aber doch Wenigeren, hihihi!) darstellte. Tausend Seiten oder so. Lemmy Kilmister hat es in seinem Sprech einst schöner und knapper auf den Punkt gebracht: „Amerika ist randvoll mit rassistischen Mamasöhnchen, die keinen mehr hochkriegen! Für die ist ein schwarzer Präsident, den die schicken weißen Mädchen vom Rodeo Drive gut finden, die größte Provokation der Welt!“ Conclusio? Soll er sich halt weiter lächerlich machen der Haarfärber, jedoch das Hauptproblem ist ein anderes: It’s the Wähler*Genderstern*mensch, not the President, Stupid! It’s not the devil or the demon, es ist immer noch die Übernahme eigener Verantwortung, die letztlich zählt. Funktioniert nicht immer, aber ab und an wäre das durchaus sinnvoll. Nicht nur im Interesse der Eisbären. Freue mich jetzt schon auf die Reaktion der oben beschimpften Klientel, wenn mal Kamala Harris den Laden rockt usw.
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Postscriptum: Das wäre 2016 gewiß eine fundiertere Wahl gewesen: