Die Rettung, ist sie das? Der FFP2 – Leberknödel? Endlich entledigt der Maske, nicht mehr darauf angewiesen sich auf dem Weltmarkt mit der Pharmaindustrie zu prügeln: unser Land, darf es nun endlich aufatmen? Alle die Grundgerechtigkeit kehrt zurück? Hier im beschaulichen kleinen Gießen der Stein der Weisen gefunden, ach was sag ich, der Leberknödel der Weisen in den Ring geworfen, um das tägliche Hauen und Stechen rund um Impfstoff, Schließrunters, Öffnungen, welches das kleine miese Virusviech uns permanent beschert, zu beenden? Sind wir gar bald von den ständigen abendlichen Brennpunkten befreit? Müssen wir unsere Wut nicht mehr an den Rummenigges dieser Welt auslassen? Jeden Tag einen frischen FFP2 – Leberknödel verspeist und der Virus samt seiner unappetitlichen Mutantenschar haucht sein unnützes Leben aus? Warum? Der Leberknödel quasi als eine Monsterversion des Virus lauert in uns auf die kleinen Störenfriede und saugt sie in sich auf, weil die da glauben auf den großen Vater – oder Muttervirus zuzurauschen, Tod und so endlich Erlösung suchend? Oder ist es nur ein wirrer Traum, aus dem ich heute morgen irritiert erwachte, nachdem ich gestern im Schaufenster der Metzgerei um die Ecke obige Inschrift erblickt hatte? Man wird ja langsam blöd im Kopf und glaubt alles, was einem in die zu heiß servierte Suppe gebrockt wird, selbst wenn man diese gar nicht auslöffeln muß. Ich wurde wieder müde.
PS: Plückebeutel ist der Fabelname des Raben. Besserwisserisch, diebisch, dumm, eitel, sagt man, sei er. Nennt man ihn Merkenau, ist es eine Krähe. Die sei naiv und leichtgläubig, behaupten die Fabulierer. Lassen wir das mal so dahingestellt sein.
Der Firnis namens Zivilisation ist doch recht dünn und rissig. Auch 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee der damaligen Sowjetunion schadet gelegentliche Erinnerung nicht. Ach, nötiger denn je ist sie. Genau so wenig schadet uns die Selbstbefragung. Es ist nie zu früh in den Spiegel zu blicken.
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„Du kannst tun, was du willst, du kommst von Auschwitz nicht mehr los
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Gesetzt, du wärst nach Auschwitz kommandiert worden, was hättest du dort getan? Nein, sage nicht, die Frage sei unsinnig, da du ja eben nicht dort gewesen bist …
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Und es brauchte ja nicht Auschwitz zu sein, nur eine Handvoll Morde, und auch gar nicht im Krieg, nur in der Kristallnacht, und auch nicht eine Handvoll – ein einziger
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„Aber ein Kind hätte ich nie getötet …“ Du siehst dich mit einer großen Gebärde vorm Ofen stehen und einen Befehl verweigern und dich in die Flammen stürzen … So träumen Zwölfjährige von Heldentaten …
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In diesem „Ich nicht! – Ich nie!“ schaudert die Menschheit in dir, und ihr Schaudern ist auch dein bestes Teil. Doch mit ihm allein kommst du nicht weiter, denn dieses Schaudern schließt dich nicht ein
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In diesem „Ich nicht! – Ich nie!“ brüllt der Andere auf, daß er nie dieser Eine gewesen sei, und in dieser Form ist er dieser Eine ja auch nicht gewesen. Ohne dieses „Ich nicht!“ könnte der Andere nicht leben; aber mit diesem „Ich nicht!“ kann er den Einen nicht erkennen und also auch nicht überwinden
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Dieses „Ich nicht! – Ich nie!“ ist ein menschliches Grundrecht, und wer es nie gestammelt, wäre ein Stein. Aber in diesem „Ich nicht! – Ich nie!“ lebt auch die romantische Auffassung vom geistig – moralisch souveränen Individuum fort, und damit sind die Bewegungen dieses Jahrhunderts nicht erfaßbar … Nicht das ist der Faschismus: daß irgendwo ein Rauch nach Menschenfleisch riecht, sondern daß die Vergaser auswechselbar sind“
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(aus Franz Fühmann Zweiundzwanzig Tage oder Die Hälfte des Lebens)
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Untergang
Ueber den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind
Ueber unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht,
Unter Palmen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht
Fünfzigtausende Tote nun und sie verkommen zur Randnotiz, die Verstorbenen, Erstickten, ihrer letzten freien Atemzüge Beraubten. Erschreckende Gewöhnungsmuster, Verdrängungsmechanismen. Unsere Gesellschaft findet keine Form um Trauer zu bekunden. Oder ist es der Unwillen? Die eigene Vergänglichkeit? Oh Ängste. Innehalten kurz nur, zeigen, daß man nicht komplett taub, blind und verstummt ist im eigenen Sumpf. Ein Minütchen nur wie Joe Biden in seiner Einführungsrede. Kopf senken, Hände falten, Maschine stop.
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By the way: in den USA starben bis heute mehr Menschen am Virus – iss ja nur ’ne Grippeart – als im gesamten zweiten Weltkrieg. Der dauerte für die Amis ab Pearl Harbour etwa dreieinhalb Jahre. Grundrechenarten! Dig it!
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Hier ein sehr lesenswerter Artikel meines Freundes Götz Eisenberg zur momentanen Verfasstheit unseres Landes. „Dem Ochs‘ ins Horn gepetzt.“ Teile den Pessimismus dieser Worte nicht bis ins letzte Komma, aber die Stoßrichtung ist mehr als richtig.
Hatte dieser Tage einen kleinen Disput mit meiner lieben Gattin. Brauchst Du noch was? – Ja. Bring mir doch bitte noch so einen Yogi Tee mit. – Welchen? – Wie welchen? Den Yogi Tee halt. – Welchen? – Es gibt nur einen Yogi Tee. Da diesen Gewürztee. – Da gibt es etliche. – Nee, ich meine den Tee, den es seit bald 40 Jahren gibt. Den Tee mit Kardamon und so halt. Und der heißt Yogi Tee. – Nein, das ist die Marke. – Ja, aber den Tee, den gibt es doch noch. Tempo heißt doch auch noch Tempo. – Schon, aber der heißt jetzt Yogi Tee classic. Und von Tempo gibt es auch mehrere Variationen. – Und deshalb könnte ich niemals Cola trinken, das Amigesöff. Geschweige denn bestellen. Bitte eine Coca-Cola classic. Ich würde mir die Zunge brechen. – Reg Dich doch nicht auf über solche Lappalien. Also einen Yogi Tee, der früher mal der Tee war, den Du meinst. Bis gleich. – Lappalie?
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Las am selben Tag über eine Studie israelischer Forscher. Die Masse weltweit von Menschen hergestellter und gebauter Dinge könne einer Schätzung zufolge erstmals die Masse aller Lebewesen der Erde übertreffen. Das vergangene Jahr hätte bei dieser Entwicklung so eine Art Wendepunkt dargestellt. In den letzten hundert Jahren habe sich die Masse von Menschenhand hergestellter Objekte alle 20 Jahre verdoppelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug sie nur etwa 3 Prozent der Biomasse. Das Gleichgewicht zwischen lebender und von Menschen geschaffener Masse hat sich komplett verschoben. Wir erdrücken die Welt mit unserem selbstermächtigten Gewicht. Bald gibt es mehr Joghurtsorten als Vogelarten. It’s all to much.
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Erinnere mich mit Grausen an solche Machwerke wie „Harry und Sally“. Gelangweilte New Yorkerin bestellt Salat in einem Restaurant. Dauert etwa eine halbe Stunde bis sie dem Kellner all ihre Sonderwünsche verklickert hat. Das Kinopublikum schmeißt sich weg. Dann spielt sie ihrem Begleiter einen Orgasmus vor. Das Kinopublikum liegt unter den Sitzen. Der reiche Teil der Menschheit hat den Höhepunkt erreicht. Und überschritten. Von nun an spielt man sich nur noch gegenseitig vor Mitglied der Spezies homo sapiens zu sein. Devolution rules ok.
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Schlußwort oben erwähnter Studie: „Diese Studie zeigt, wie viel größer als unsere eigentliche Schuhgröße unser globaler Fußabdruck ist. Wir hoffen, daß wir als Spezies Verantwortung übernehmen können, wenn wir diese ziemlich schockierenden Zahlen vor Augen haben.“
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Ja, ja machen wir dann schon. Aber erst mal die A 49 zu Ende bauen. Eins nach dem anderen.
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Deutschland hat seit vorgestern eine höhere Corona – Todesrate als die USA. Echt? Sorry, ich muß jetzt aufhören. Hat geklingelt. Mein Friseur kommt zu mir nach Hause. Und meine Gattin läßt sich im Nebenzimmer die Nägel machen. Weil, auf der Piste will man ja ordentlich aussehen. Man gönnt sich ja sonst nix. Ski heil.
Ich kann es nicht mehr hören oder lesen. „Angriff auf das Herz der Demokratie!“ „Unsere Werte mit Füßen getreten!“ „Diese chaotischen Szenen stehen nicht für das wahre Amerika!“
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This is not America? Come on! Indian Reservation? Ethnic Genocid? Slavery? Ku Klux Clan? Hiroshima? Nagasaki? Mc Carthy? Agent Orange? My Lai? Martin Luther King? Rubin Carter? Death Penalty? 4 dead in Ohio? Watergate? Waterboarding? Abu Ghreb? 5000 bombs a year on Afghanistan since 2009? United Fruit Company? Amazon? Facebook? Any taxes paid? 74 millions voting for a fascist psycho? Are you real? Forgive me if i forgotten something! Oh yeah, i’ve forgotten George Floyd. Gimme an F. Gimme an U. Gimme an C. Gimme an K: What’s that spell?
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Megan Rapinoe, Fußballspielerin und mutig (By the way: wie wär es mal Mut in solchen Fragen zu zeigen, lieber Thomas Müller, statt angepisst als schlechter Verlierer eine Reporterin blöd anzumachen? Trainingslager Katar zB?), wird heute so zitiert: „Das ist Amerika. Machen Sie sich nichts vor. Ich denke, wir haben sehr wohl unser wahres Gesicht gezeigt. Es ist nicht das erste Mal, daß wir einen solchen mörderischen Mob sehen. Die Entfesselung eines Mobs der weißen Vorherrschaft ist nichts Neues für Amerika, wie People of Colour sehr gut wissen.“ (Quelle / Sportteil FAZ)
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Und noch ekliger die plötzlichen Absatzbewegungen (hihi, Herr Freud: Absetzbewegungen wollte ich eigentlich tippen!) ehemaliger Geschäftlesfreunde des Golfbescheisserles. Dieser klebrige Gratismut. Erinnert mich – danke dafür SZ und für’s Verwursten – an manch „couragierte“ Ensembleversammlung in meinem Berufsleben. Das Rückgrat einer Meise. Hatte ich ja unlängst.
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„Wie soll man all diese Entscheidungen nennen? Späte Einsicht, aber immerhin? Gar mutig, weil irgendwie doch auch radikal? Da fällt einem ein Begriff ein, den der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger vor 60 Jahren in einem Essay kreierte: Gratismut. Er umschrieb damit auf höchst elegante Weise die Wesensart bestimmter Menschen, sich besonders couragiert zu geben, in Momenten, in denen ihnen sehr gewahr ist, dass ihnen daraus keine Nachteile entstehen. Mut-Simulanten könnte man sie auch nennen. In noch erträglichem Maß lässt sich diese Eigenschaft manchmal bei Künstlerinnen und Künstlern beobachten, die öffentlich Missstände kritisieren und dabei eine Haltung einnehmen, die sowieso schon deckungsgleich mit denen ihrer Fans ist. Geißeln ohne Gefahr, mit dem schönen Nebeneffekt eines warmen, aber vielleicht etwas schalen Applauses.“
Doch du kannst nicht gewinnen, solange du allein bist!
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Ein Baum kann nicht blühen, wenn keine Sonne scheint.
Und es gibt keinen Fluß, wenn kein Regen fällt.
Und es gibt keine Wahrheit, wenn wir sie nicht suchen.
Und es gibt keine Freiheit, wenn wir sie nicht nehmen.
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PS 1: Letzten Samstag wäre Rio Reiser 71 geworden. Gerade noch dran gedacht. Er fehlt.
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PS 2: Für die beiden Fotos vom „König von Deutschland“ danke ich mit liebem Gruß Udo Herbster, dem genialen Bühnenbildner seinerzeit. Oben Bühnenbildmodell, unten Beleuchtungsprobe. Das waren die guten Tage.