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An den Rändern lauern die Erfahrungen.
Texte. Vergessen, wiedergefunden, wiedergekäut. Neues aber auch. Autor: Christian Lugerth
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Der zwei oder drei Blätter Trudeln
Erinnernd nach unten
Vom Baum hinfort der nicht mehr
Grüßt sagte man damals von der
Anhöhe
Jetzt kniehoch umwuchert ihn Gesträuch
Und Laub des Bodens gesammelt gepresst zu
Zetteln die betteln
Beschreibe sie während der Baum trockenen Fußes
Nur will überstehen
Den nächsten Sommer
Und was folgt
Wird so nicht bleiben
Auch wenn umarmt
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I’m looking in my little black book,
To see if was right or rongwrong,
Between the lines on the tattooed pages my inspiring writing in clense
I’m old before my time
I feel that I’m growing out of this world
But with the world at my ears
I guess is true there’s no tears
No tears
When things get bad
I can always turn in to a cloud
That I’ll drift back home
If the wind will blow
Be there
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Der Beginn dieses Jahres hält etliche Tote bereit. Vor allem für die Mitglieder meiner Alterskohorte. Böse Enkel nennen uns gerne Boomer. Die anderen Bösen nennen uns einfach nur Berufsjugendliche. Und? Ach!
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Hast Du schon gehört? Meine ersten feuchten Träume sturben gestern! Hä? Lollo! Bitte? Hast Du überhaupt noch Feuchtigkeit in Deinem Restleben? Oder Antworten? Genosse? Samstags schlurft es über den Markt. Verzeihung, man schlendert humpelnd und sucht erinnernd ein Sprechen gegen die Einsamkeit. Hast Du schon gehört? Der Davie Cosby. Ach!
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Wenn Du gehst, dann stirbt auch ein Teil von mir. Und der andere Teil bleibt hier. Wer hat das nochmal gesungen? Weiß nicht mehr. Wenn das Ende sich heranschleicht, beginnt man wohl in Schlagertexturen zu denken. Ach!
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Lassen wir sie sterben. Unsere hüftkranken Erinnerungen. Sie tun es eh. Manchmal ist es an der Zeit. Öfters auch zu früh. Dennoch aber: Ach!
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Was ist mühsamer? Zu wissen, dass ein Gegenüber von David Crosby nur gelesen hat? Gestern gar? Oder dass in jedem Printmedium vom „Mann mit dem Walrossbart“ die Erzählpaste kopiert wird? Oder dass selbst Jens Riewa mir tagesaktuell einen von Woodstock erzählen muss? Ach!
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Oben ein Schweigen, welches vor sich her singt. Mitwirkende u.a.: Phil. Jerry. Gregg. Joni. Neil. Elliot. Jack. Graham. Mickey. Bill and Paul und Grace. Die gute alte Vornamenvertraulichkeitsvortäuschung. Die beste Pizza bei meinem Giovanni. Hans macht mein Fahrrad. Ich habe noch Freunde. Ach?
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Unten noch weniger Worte die gesungen. Da war doch wer? Bin ich mir sicher. Heißt es. Reicht doch. Lassen wir die gehen, deren Zeit abgelaufen und verwechseln sie nicht mit … tja … mit was auch immer. Ach!
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Die nächsten Erinnerungswettbewerbe werden wir aber auch noch bestreiten müssen. Die Niederlagen jedoch sind alle mit einkalkuliert. Ach!
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Der Bote stand auf meiner Schwelle
Und fragte mich in fuchtiger Schnelle
Der wo ich eben aufgeschnellt
Er trat hinein hat nicht geschellt
Der engelsgleiche Überbringer
Hielt in den Händen seltsam‘ Dinger
Schnüre Seile und Pistolen
Ist er der Teufel will mich holen
Er hätte eine Frage lediglich
Ich sprang auf es fiel mein Tisch
Auf dem noch eben Frühstück lag
Nun auf dem Boden was ein Tag
Was Bote ist denn dein Begehr
In Ungeduld die Blase schwer
Gefüllt mit alternden Getränken
Die müsste ich jetzt mal versenken
Ich sprach und fuchtelte herum
Ach Menschenkind du bist nicht dumm
Drum hör‘ auch wenn es dir nicht passt
Es endet bald dein Lebensknast
Gäbe es dir einen Tag
An dem man gerne sterben mag
So nenne ihn und sag weshalb
Und am Spieß dreht sich ein letztes Kalb
Nicht golden aber durchgebraten
Deine Antwort laß mich raten
Und ich schluckte voller Pein
Darf das nicht sagen nein nein nein
Gerne hätte ich die Welt verlassen
Als ungezählte Menschenmassen
Sich kauften Sportlerschuhe weiß
Und diese tragen was ein Scheiß
Tag und Nacht und ohne Scham
Der Herr der Welt die Ästhetik nahm
An diesen Tag wann es begann
Fing vielleicht dein Sterben an
Sprach der Bote flattert fort
Offne Augen schwerer Tort
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(Gießen heute. Nachdem ich, manchmal muß man ja einkaufen, die Einkaufszone durchwanderte und auf die Schuhe meiner Mitbürger achtete. Sogar Herren in meinem Alter latschten – und das in Horden – in weißen Snickern über den Konsumbullewart. Wie sagte ein alter Kollege von mir gerne: Augenkrebs ist der schlimmste Schmerz.)
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Es raten Ärzte Apotheker
Und viele Menschen – Better – Maker
Zum Optimieren der Systeme
Benutzen heute gerne Meme
Doch dies war nur der Nebensatz
In der Tastaturenhatz
Denn was mein Finger schreiben sollte
Und dies auch eigentlich noch wollte
Ist falls dich zwickt ein klein Malör
Natürlich hilft da auch Likör
Es gibt der Hilfen etliche
Zuckersüße Fettliche
Doch so dient man der Gesundheit nicht
Ja ja der nächste Reim Verzicht
Wozu man aber raten kann
Ein neues Lied von Zimmermann
Hinfort mit allen Pillen
Goooooood Morning Meister Dylan
Es dunkelt zwar ist fast schon finster
Drei Monat‘ noch dann blüht der Ginster
Drum sei bemerkt an dieser Stelle
Das obig‘ Lied erzeuget Helle
Gedankt sei noch Herrn Wilhelm Busch
Den Stecker raus und Tusch
Alaaf und Horrido
Depressiv und Lebensfroh
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Die Gitarrenvergöttlichten. Irgendwie lief Jeff Beck da gerne unter dem Radar rum. Warum nur? Da es die nächsten Tage weiter regnen werden soll und die Wasserstände ordentlich steigen werden, hat man ja Zeit und bleibt besser in der dann doch gut beheizten Wohnung. Zumindest der Rentner in mir. Obwohl der gerne fröstelt. Hören wir ein erstes Lieblingsalbum. Oben.
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Und dann das noch. Von Kölle zurück nach Konstanz. Eine lange Zeit lang dort in Dauerschleife genossen. Jenes unten. Und wer will: Miami Vice.
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Wo wir gestern schon zu Kölle waren und weil es seit Tagen regnet: Zur Weihnacht hat mir ein längstjähriger Freund und Theaterkumpan eine CD voller Gesänge in Memoriam Colonia inklusive etlicher Achterbahnfahrten gebrannt. Gestern war es der Alkohol – hat ja manchmal was mit dem Lieben zu tun – von dem sie sungen die Kölschen, hück ist es die Liebe und die damit verbundenen Fallstricke. Müssen wir dann nicht über Getränke reden. Hier die Reime. Heute mal fremde.
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Wie e Meer dat an kei Ufer schleit
Kein Flut mih kennt
Wie e Für wo nur noch ne Funke glimb
Dat nit mih brennt
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Et jav en Zick da kannste ming Jedanke
Du wors et einzije Jeföhl
Ich hatt‘ Sehnsucht no dir wie ne Kranke
Un jetz setz ich zweschen de Stöhl
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Lass mich nit ston em Rän – Leevje
Lass mich nit ston em Rän
Söns wed m’r mi Hätz ze Stein – Leevje
Lass mich nit ston em Rän
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En däm Draum do han ich uns zwei jesin
Om Daach d’r Welt
Huh op enem Seil kunnt ich nur noch d’r Himmel sin
Un nix usser dir
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Du häs jelaach un du lets mich falle
Trocks mem Wind su wie ne Vugel
Ävver vielleich han mir uns noch nit verlore
Da es jet ze deef en uns dren
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Lass mich nit ston em Rän – Leevje
Lass mich nit ston em Rän
Söns wed m’r mi Hätz ze Stein – Leevje
Lass mich nit ston em Rän
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Keiner sang so sentimental von den Verirrungen des Lääve wie der leeve Tommy Engel. Oft war dat kölsche Sentiment mir etwas anstrengend, ävver – in diesem Falle – schön isset jewiss jeblevve. Dat Lääve und der janze Driss. Und wie. Soweit die heutigen Erinnerungen im Dauerregen. Übersetzungshilfen. Hier dat Leedche.
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Stets fragt sich der FC Küchenpsychologie
Dieser Tage stringent divers wie nie
Wie ist jener der mal ist gewesen
Hast du schon das Buch gelesen
Was steckt vom Gestern der Geschichten in ihm
Und kann es ihn vernichten
Vergällen alle Lebensfreude gar
Schmerzen sind so wunderbar
Hat er wenn seine Frau verweigert den Knicks
Noch halbwegs erfüllende Dings
So viele Fragen in Reserve
Ein bisserl Wut aus trauriger Konserve
Mama gut und Papa böse
Gottesdienst vor ihrer
Ganz gewiss das geht zu weit
Und mancher stöhnt betroffen
Tendenz in Richtung selbstbesoffen
Und überhaupt der große Bruder
Dieser ist ein mieses Luder
Und auch noch Fisch oh komm zur Butter
Das Monstrum namens Stiefelmutter
Und die Gazetten und Beklickten
Die einst das Reh Diana trieben
Narro Narro siebe sieben
Und wie geht es Thomas Müller
Aus einer Hand der Füller fällt
Dafür gibt’s jedoch kein Geld
In Cherson quietscht die Welt
Wir schalten um nach Lützerath
Muss dat sinn
Jewiss
Et iss doch schad
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PS: Schon vor etlichen Jahren hat ein Kölner Musikus dat Prinzenbüchlein treffend besungen. Und jetzt ab auf die Poller Wiss. Auch Arbeitslosigkeit mag sinnstiftend sein.
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Steh auf oh Volk und erstürme frei
Die Kamera ist stets dabei
Und hinter dir wer’s immer ist
Letztendlich nur ein Journalist
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Bleib liegen Volk und singe Lieder
Sing sie immer immer wieder
Und blinkt vor dir die Kamera
Na ja die war schon immer da
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Bedenke Volk du bist längst tot
Es gab dich nie nur Einzelnot
Kannst weder reimen auch nicht dichten
Auf die Ermächtigung verzichten
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Oh Volk was willst du alles haben
Kaufe dir doch einen Buchstaben
Schlemihl schenkt dir eine Nelke
Volk oh gehe weg und welke
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„Der Unterschied zwischen einer Demokratie und einer Diktatur besteht darin, dass Sie in einer Demokratie zuerst wählen und später Befehle entgegennehmen. In einer Diktatur müssen Sie Ihre Zeit nicht mit Abstimmungen verschwenden.“ (Charles Bukowski)
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Mehr Licht wie Goethe sprach
Als ihm der letzte Atem brach
Mr lücht so spricht der Dialekt
Selbst wenn man lediglich verreckt
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Säue jagen durch Gemeinden
Wer unterscheidet Freund von Feinden
Noch und doch
Aus jedem Loch
Ein Strahl
So Licht
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Sich fremden Ratschluss übergeben
An einer Feder sich verheben
Nicht weiter
Die erste Sprosse einer Leiter
Auch wenn die Götter seltsam stumm
Sie hält uns stand
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„Wir werden alle sterben, jeder von uns, was für ein Zirkus! Das alleine sollte uns dazu bringen, uns zu lieben, aber das tut es nicht. Wir werden terrorisiert von Kleinigkeiten, zerfressen von gar nichts.“ (Charles Bukowski)
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