Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 25

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In der Dorfkneipe / Lourdata / Kefalonia / Juni 2023

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Ballade vom unschuldigen Handy, welches das Fliegen erlernen mußte

(frei nach Bertolt Brecht / Erinnerung an die Marie A.)

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1

In jener Nacht am See, die voller Hitze

Da lag ein Handy leise bis sehr stumm

Nur sacht berührt von einer Fingerspitze

Man war verschlafen, man nahm gar nichts krumm

Über dem Telefon da wölbte sich ein Himmel

Und voller Sterne glimmerte die Nacht

Am Nebentisch die Stimmen laut und lauter

Der See er raunte, habe besser acht

2

Seit jener Nacht und viele Tage später

Fragt sich das Handy, was plötzlich da geschah

Es lernte fliegen, hört Flüche und Gesänge

Und fühlte sich dem Tode ziemlich nah

Die fremde Hand war keine Fingerspitze

Die es ergriff so fest, man glaubt es nit

Die dunkle Luft strich über seinen Bildschirm

In seinem Hörer taumelte ein Lied

3

Und jenes Lied es wird es nie vergessen

Welch es durchdrang, als es zu Boden schlug

Es sang vom Hass der gräßlicher als häßlich

Von einem Fluch und niemals nie genug

Heut‘ liegt das Handy lebend vor der Seeschau

Unter Kastanien wellig tanzt der See

Die Fingerspitzen streicheln es ganz leise

Die Dämm’rung kommt und es tut kaum mehr weh

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(gießen / 21. Juley 2026)

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So! Jetzt habe ich mir die letzten Wochen, die mit einem – sagen wir – ‚argentinischen‘ Schlußakkord enden mußten (?), weitgehend aus den Klamotten geschrieben. Vielleicht noch eine kleine Ballade über einem Begriff inklusive Totschlagargument, der mich seit einiger Zeit verfolgt und in etwa so unvermeidlich ist wie Achtsamkeit, Quinoa oder Resilienz: Die Kröte Empathie? Oder besser doch den inneren Bodensee austrocknen lassen oder wie Halics in Kraznahorkais „Satanstango“ sagt: „Man muß sich schützen vor dem innerlichen Regen, der leicht verhängnisvoll wird.“ Ein Klagelied und ich gebe ab an Genosse Archibald Mahler. Der sendet ab dem Wochenende aus einer Anstalt. Hasta la vista, baby!

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Nachreim:

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Der gütige Gott des Umbruchs packt dich am Ärmel.

Das Licht von jenseits ist genauso stechend wie hier.

Wichtiger ist, wer dich hören kann und nicht, wen du gerufen hast.

Es gibt nur ein Motiv und eine Strecke.

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Siehst du das Kinderbild? Jemand hat sich große Mühe gegeben:

fröhliche Männer stehen da wie Gedichtzeilen.

Ein Mann hat ein dick nachgezogenes Herz, als sei es misslungen.

Was da nachgezogen ist, das ist die Seele.

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11.10.21

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(aus: Serhij Zhadan / Chronik des eigenen Atems / 50 und 1 Gedicht)

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