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Euphorisch verkatert, den Magen auf links gestülpt wie einen zu hastig ausgezogenen Handschuh, schlichen wir, mein ewiger Freund, der stets darauf bestand mich zum Gleis zu bringen und dies auch noch heute täte, würde ich ihn wieder regelmäßiger besuchen wie einst, und ich zum Nürnberger Hauptbahnhof. Einer alten verkaterten Tradition gehorchend reimten wir Sinnloses vor uns hin und benötigten dringend noch mehr Zigaretten, um das Abschiedstucher im Bahnhofsrestaurant, welches es damals noch gab und ich es immer noch vermisse, nicht alleine zu lassen. Der vorherige Tag, ein Sonntag, war mein Geburtstag gewesen und wir hatten ihn wahrscheinlich seit Samstagabend durchgefeiert. Wenn ich mich richtig erinnere war auch der ältere Bruder meines Freundes zu Besuch. Dieser hatte die Gabe aus allem was an Bäumen, Sträuchern und Gebüschen hing, Schnäpse und Liköre zu bereiten. Was den hastig ausgezogenen Handschuh erklärte. Zudem machte die Wochenbeginnhektik und der schnelle Aufbruch nach kurzer Nacht dem jungen, doch aber an Einiges gewöhnten Kreislauf zu schaffen. Bier, Fluppen und ich bräuchte doch noch eine Zeitung für die Fahrt, meinte der Freund. Auf der Titelseite ein lebloser Politiker in einer Badewanne, fast vollständig bekleidet, Reste des Badeschaums umspielten das scheinbar friedlich schlafende, gegen den Wannenrand geneigte Gesicht. Ein Hotelzimmer ist die Bühne seines Todes. Das neue Lebensjahr beginnt mit Verve. Ein Geburtstag, den man so schnell nicht mehr vergisst. Auf Gleis 5 erhält Einfahrt der IC nach Köln. Pünktlich.
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Zwanzig Jahre später hatte ich sukzessive begonnen von auf der Bühne vor die Bühne zu wechseln. Warum? Manchmal denke ich deshalb, weil ein Regisseur vom Auftraggeber eher ein ordentliches Hotel bezahlt bekommt als ein gemeiner Mime. Und weil, zumindest damals noch und immer in Kiel, die Hotelzimmer über eine Badewanne verfügten. Noch heute stehen in unserem Badezimmer Tütchen mit Badesalzen, die ich bei jeder Reise mit Hotel mitnehme in froher Hoffnung. Meist vergeblich. Man gönnt sich ja sonst nix und duscht und tut so als spare man, wo man kann. Ich gestehe, daß das Aasen mit Wasser und Strom im Rahmen meiner dienstlichen Hotelaufenthalte mir großen Spaß bereitete, ganz im Gegensatz zu meinen privaten, an die berühmte schwäbische Hausfrau gemahnenden Gepflogenheiten. Und immer wieder stand dieses Photo aus dem 1987 vor meinem Auge. Und nur nüchtern bin ich ja nicht in die Wanne geschlüpt, da ich schon ganz unschwäbisch und die Preise mißachtend der Minibar die Ehre erwiesen hatte. RUF … MICH … AN! Und: Gute Nacht.
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Wenn, anders als zu Hause, im Hotel die Türe zu ist, dann ist sie zu. Allein diese rot – grünen Papphängerle – Don’t disturb! / Clean my room! – sind ein Vergnügen. Manchmal klopft der Roomservice und man kann ein bisserl freundlich tun. Diese Mischung aus grausliger Einsamkeit und friedlicher Freiheit mochte ich immer. Und morgens die Glotze an und vor dem Frühstück das Wetterfernsehen. Der Alpenblues zithert vor sich hin. Kaffeepads. Und wo sonst verzehrt man bergeweise Rührei mit Speck und speckigen Würsten? Als bekennender Nichtfrühstücker? Wo ist das Nachhirnen über mühsame oder aber überfliegende Probentage auswegloser als bei laufendem Fernseher und den Erdnüssen aus der Minibar? Diese Inszenierung eines Mannes und seines Schaffens? Und so denke ich mir, wenn du spürst die Endhaltestelle ist nah oder sogar fast schon da, warum nicht in einem Hotelzimmer einschlafen und nicht nur das. Da, wo man ab und an sein kann, was man eh ist, auch wenn man es nicht so recht wahrhaben möchte, auf sich und sein Spiegelbild zurückgeworfen halt. Alleine. Ein Inselwesen, gehetzt. Keine klebrigen Erinnerungen, Bücherregale, Kühlschrankfüllungen. Vor dir und nach dir genau solche Deppen wie Du. Im Zimmer 1056. Und, by the way, ich glaube nicht, daß der tote Mann aus Niederbayern ein Depp war. Im Gegenteil. Aber daß er sich die gerne herablassend auf die Restwelt schauende Hauptstadt als Endpunkt aussuchen mußte? Da könnt mr gesondert drüber redn.
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