Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 20

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Musik-Pilsstube Moseleck / Moselstr. 21 / FFm / vorgestern

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Zwickt’s mi, sagte Frau Bachmann oder Neulich im Moseleck / Teil 2

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„Was wahr ist, streut nicht Sand in Deine Augen, was wahr ist, rückt den Stein von deinem Grab.“ (Ingeborg Bachmann)

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Mit Flipflops und einem Sommerhut auf dem Kopf, beides vor ein paar Jahren erstanden auf Kefalonia, an einer dieser typisch griechischen Wildwestkreuzungen, zwei Kneipen, ein Lebensmittelgeschäft und ein Laden mit Krempel für die Touristen, betrete ich das Moseleck. Eine Bekleidung, die ich mir bis vor wenigen Jahren noch verboten habe. Erwachsene Männer tragen so was nicht. Nur Weicheier und ewig Pubertäre gewanden sich, bloß weil es ein bisserl warm, in dieser Art und Weise und zeigen der Welt ihre bemalten Waden. Man wird halt auch nicht mehr älter, würdevoll wie betagte Männer am Mittelmeer, für die ordentlich gekleidet sein, auch bei über 100 Grad Fahrenheit, Verpflichtung und Anspruch an eigenes ästhetisches Empfinden und Respekt vor den Blicken des Gegenüber ist. Stichwort: optische Verwahrlosung oder wie ein ehemaliger Kollege einst gerne sagte – er kam aus Lautern – Ei do krisch isch doch Augecrepes!

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Ja dieser Hut. Den hatte ich stets, wenn ich als des Masters Voice auf die Bühne trat, auffem Kopf. Damit der Himmel mir nicht auf den selbigen fällt und er hält die Konzentration zusammen, auch. Rein von der noch vorhandenen recht dichten Haarbestückung hätte ich es gar nicht nötig, ein Glatzenzudecker ist das Ding nicht. Was sonst? Vielleicht nur eine Macke oder mein Statement-T-Shirt. Halt nur da oben. Setzte mich an den Tresen, orderte einem Humpen, neben mir ein Herr in meinem Alter, Hesse, Trunkenbold, man quatscht, Ei, du biss doch Musiker, stimmt, so und so, ei, was spielst dann so, singen, Gitarre, und Mundharmika, ei, ich aach, aber so die mit dem Hebel, also so eher, wie heißt das denn, chromatisch, und du so ei, ja ich eher so Bob Dylan, pentatonisch, ei, ich hab des von mein Vater gelernt, der hat so eine mit Hebel, ja, mein Vater auch, womit wir beim Thema dieses Eintrags wären: Väter, die Wahrheit und die verschiedenen Interpretationen der eigenen Verlorenheit auf diesem Planeten. Wird bald ein Lied. Aber davon später.

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Die nicht fahrenden Züge waren nicht der Grund in FFm zu bleiben, statt zur wartenden Frau heimzukehren. Ich mußte mir die letzten 6 Wochen am See – mit gelegentlicher Heimkehr – glatt denken und auch trinken, wissend, daß in ein paar Tagen mich Onkel Doktor und Tante Heilemach zwingen werden, den Scheiß wieder sein zu lassen.

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Lena Schütte gewinnt den Bachmann-Preis. Thema, wie der Suff so manches zertrümmert. Manchmal alles. Trinken ohne Kollateralschäden? Nicht so leicht. Gelle.

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Dann ging ich vor die Tür, setzte mich auf eine der Bierbänke, die Strassenbahnen rollten an meinen nackten Zehenspitzen vorbei, die quirlig multikulturelle Brüchigkeit um mich herum, die mir in Gießen auf den Sack geht, mich im Frankfurter Bahnhofsviertel schon immer faszinierte, klar, mal Anwohner, dann nur Gast, waberte und pulsierte an mir vorbei, vierzig Grad im Schatten, wir schwitzen wie die Ratten, der Mundharmonikaspieler kommt raus, bettelt mich dann doch an, mir gebbet nix, ich hatte wirklich nur größeres Geld im Beutel, ein Junkiedame auf Krücken bettelte mich kurz zuvor an, ich gab ihr alles, was ich an Kleingeld über hatte, sie blaffte mich an, ei, viel iss des nich, nimm es, Madame, das Kupfer ließ sie liegen, ein Jungtrinker von der Nebenbierbank brachte mir später die SIEBEN PFENNIGE, gehört das Ihnen, die Welt ist heute gut zu mir. Oder ist es mal wieder nur das Schweinchen Alkohol?

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Ich kritzelte Notizen, die meisten kann ich auch heute noch unfallfrei entziffern, Verwahrlosung in kleinen Dosen also und entdecke noch einen Reim, den ich in KN-Staad, mit Blick auf die dort festliegenden Segelboote, geschrieben hatte. Ein freundlicher Wind blies von Meersburg herüber, die Halteseile schlugen rhythmisch gegen die Masten der Segelboote, eines meiner Lieblingsgeräusche am See, an der Förde, an den Wassern der Erinnerung, gerne auch unterlegt vom Geschrei der Möwen. Geschrieben am Tag vor oder nach der Bestattung da unten:

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Gereffte Segel

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Der Wind zählt vor

Nicht immer auf die EINS

Was das Segel hält

Hält weiter vor und schlägt gegen den Mast

Klicke di klicke di klack

Heilandzack

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Boote menschenfrei

In der Warteschleife

Manche werden ungesegelt liegen bleiben werden

Der Föhn stürzt sich auf den See hinab

Gravitationsbesoffen

Fürchte dich nicht

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Ich schnipse mich ein

Klicke di klicke di klack

Und dann mein Heilandzack

Ist der Schnitter

Schlagzeuger oder Bassist

Egal … Er ist.

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(konschtanz / anfang juni 2026)

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Dieses war der zweite Teil und morgen folgt der dritte dann. Als letztlicher.

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