Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 20

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Musik-Pilsstube Moseleck / Moselstr. 21 / FFm / vorvorgestern

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Hörst Du die Glocken von Santa Fe oder Neulich im Moseleck / Teil 3

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„I don’t wanna be buried in a pet cementary!“ (The Ramones)

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Im dritten Teil wird gerne gestorben. Der Pate. Der Pferdekopf im Bett. Winnetou. Den gab es nie. Die Wahrheit in diesem Fall. Aber, küss die Hand Frau Bachmann, die war schon immer eine schöne Leich‘.

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Sitze im Moment im Türmchen zu Gießen. Am Nebentisch zwei muskelbepackte und mit Botschaften hautbemalte Levantiner. Sie unterhalten sich eher lautstark. Ich sitz eben am Nebentisch. Das Risiko des Nebentisches. Man sitzt oft neben anderen Tischen oder zwischen den Stühlen. Muß ja nicht gleich der Katzentisch sein. Ist dir die Welt zu laut, gibt es halt nur noch das Separee. Der Nebentisch spricht von einem vor Jahren hier im Umland spektakulär erschossenen Höllenengel. In den Tempeln der Rückschau entweder Held oder Arschkrampe. Die einen so, die anderen gegensätzlich. Ich liebe diese Coinzidenzien, sitze ich doch hier, um etwas zu notieren vom Tod, den Nebentischen und allzu kuscheligen Erinnerungen, der Wut über diese und denke: Des glaub‘ i doch it.

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Zurück ins Moseleck und zur Mundharmonika. Die Kuhjungen. Die Kriegsheimkehrer. Am Lagerfeuer. Am Wolgastrand. Bob Dylan. Einatmen. Ausatmen. Die Zunge einrollen. Strecken. Gegen die Zähne stoßen. Und die Mundorgel beginnt zu weinen. Traintime. Wer einsam ist, muß sich bewegen. Iss besser so. Sonst wird er bewegt. Die Züge rollen nach Nirgendwo. An die Ostfront. Ins Lager. Mundharfe. Das einsamste aller Instrumente. Es genügt sich selbst. Wenn man an der Rampe in den Klangkolben bläst, zieht sich der Rest der Band dezent zurück. Lauscht den eigenen Zähren. Außer da ist Ginger Baker und trommelt alles zu.

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Die Erinnerung und die Wahrheit sind Idioten oder – süddeutscher halt – Deppen. Entweder machen sie aus Monstern Kuscheltiere oder aus traurigen Gestalten Dämonen. Die Pendel schwingen, in sich verbissen, im größtmöglichen Ausschlag von rechts nach links und kommen nie zur Ruh‘. Erinnernde sind selten Archäologen, die, bei brütender Hitze im Hirn, in den pompejanischen Resten ihres Lebens Tonscherbe nach Tonscherbe aus dem verhärteten Lehm herauskratzen und die Scherben und deren freigesetzte Töne neu und wieder neu und anders bewerten.

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Braucht Trauer als Hintergrund eine Mär von einem allseitig glücklichen Leben? Ein alter Lieblingswitz von mir: Laufen zwei Brüder die Straße lang. Nach einer Weile sagt der eine zum anderen, der Rechte zum Linken, oder umgekehrt: Du! Gelle! Jetzt! Ich will halt auch mal in der Mitte laufen! Verzeihung? Dann eben der noch: „Wenn ein Witz gut ist, dann ist mir egal, wenn ich damit beleidige!“ (W.C. Fields). Einer geht noch. Immer. Oder it?

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Ein Neuer war nicht nötig. Im Moseleck. Zwei Humpen im Moseleck. Einer für jedes Bein. Standbein. Spielbein. Weiterziehen. Natürlich werden verschwiegen die Vorglüheinheiten und geflissentlich die Absäckeleien. Früher Abend. FFm glüht vor sich hin. Ich flippfloppe ins Hotel. Ich hatte das vor Jahren entdeckt, nicht nur weil es nah am Bahnhof liegt, sondern weil es nach dem Spanier aus Genua, der Amerika entdeckt haben soll, benannt wurde. Unten ein Italiener. Auch hier Bierbänke bis an den Rand der Strassenbahnschienen. Die Italiener leider nicht mehr da. Jetzt? Türken? Usbeken? Kurden? Tadschiken? Immer noch eine wunderbare Speisekarte. Salsiccia gegrillt. Das verdura dazu auch. Halbliterkaraffen Hauswein. Uff. Wollte ich doch von schweigen. Früh ins Bett. Im Hotelzimmer weit über 30 Grad. Unten: Niddastraße / Ecke Ottostraße toben die jungen, einsamen, dunklen Buben die ganze Nacht durch. Sollen sie. Oben: Etliche Gespenster kraulten mir den Nacken sanft. Noch’n Gedicht kritzeln halt noch.

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Wie wir nicht mehr sitzenbleiben wollten

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Du hattest mir mal ein Versprechen gegeben

Wir hatten keine Verträge unterzeichnet

Dann standest du auf wortloses Lächeln

Ich rief noch hinter dir her

Es sei MEINE Entscheidung gewesen

Du murmeltest etwas von

Auf der Flucht zu sein

Eine Tür fiel ins Schloß

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Dann blieb ich einfach sitzen

Ameisen im Hinterteil juckend

Momentan ist richtig momentan ist gut

Du freutest dich sagtest du

Wie ein Schnitzel

Was mich lachen machte

Die Tür stand weiter offen

Spielen wir hier eigentlich UNO

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Nun ein leerer Tisch

Die Lehne des einen Stuhles

Hält sich fest an der Tischkante noch

Der Stuhl visavis liegt quer zu den Füßen

Des noch nicht abgeräumten Tisches

Die Türe angelehnt abwartend

Ein milder Wind bläst durch den Spalt

Vielleicht werden wir zusammen alt

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Man denkt

Gott lenkt

Chancen versenkt

Den Mantel an den Kleiderhaken gehängt

Bestattungsunternehmen

Werden im Alter Themen

Der Tod ist nicht nur ein Formular

Er war schon da trotz Anfang wahr

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(Hotel Columbus / FFm / unlängst)

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Nachklapp:

So. Jetzt hammer hier eine kleine Sommerpause. Die Bub’n übernehmen mal wieder. Und: Randnotiz: Geh bitte, lieber Gott: Wann i noch einmal auf der Erde herumhüpfen täten dürfte, könnt ich dann vielleicht als an Weaner zurückkemma können? Dafür tat ich gerne danken und sonst, liaber Gott, die Woit ist halt eine Art von Schrott. Iss nett so schlimm. Servus. Hier ist jetzt eine Sommerpause. Hoab i mi jetz gar wiederholt? Bist Du deppart? So isses hoit mit dem Lebn. Küß die Hand, schöne Frau. Geh mer alle scheiß’n.