Zwesche Finsterbredd un Stenz / Teil 15

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Reisbier / Grüner Tee / Treffen sich im koreanischen Restaurant in Bad Soden

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Fuß ist Hand und Hand ist Fuß oder Neulich in Winston-Salem / Teil 6

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Als wir, der barfüßige H und ich, NY verließen durch den Hollandtunnel und saßen in dem roten, klapprigen Datsun, um ihn nach Oakland / CA zu überführen, hundert bucks Kaution hinterlegt hatten und sieben Tage Zeit gewährt bekommen hatten, die Schrottmühle bei der Besitzerin unfallfrei abzuliefern, die Reifen durften nur, solange es hell, rollen, wir also das Radio andrehten, aufdrehten, sobald der Hollandtunnel hinter uns lag, heading for Pennsylvania und weiter in die untergehende Sonne, und uns also die britische Band Bittere Notlage mit ihrem ewigen Lied von den Machthabern der Schwingen auf dem Highway begrüßte; Kitsch as Kitsch can, der am Horizont versinkende Planet uns auflud mit glitzernder Vorfreude, go west, wußte ich noch nicht, daß wenige Wochen später in Winston-Salem ein Liebesbrief im Mailkasten liegen würde – c/o Ulrick in Amerika – der Liebesbrief, den ich solange ersehnt / erwartet / erhofft / vergessen und verflucht hatte, der in jenen Tagen noch in Freiburg, das ich fluchtartig verließ Richtung Amiland, mich wohl noch erlöst / gefesselt / gebunden / entmündigt hätte, dieser Liebesbrief, der dort in Freiburg sicherlich versunken war in der fürchterlichen Düsternis ihrer Heroinsucht, der mich wenige Monate zuvor, abgeschickt von ihr, wohl niemals hätte aufbrechen lassen, dieser Liebesbrief, der viel zu spät, aber schicksalsgerecht verspätet doch, mir auftat so die Türe zu meinem Lebensberuf. Ich hatte Politik und Literatur studiert. Denke ich daran zurück, erfasst mich immer wieder ein böser Schauer angesichts der Möglichkeit eventuell in papierner Besserwisserei ein ganzes Leben veratmen zu müssen. So eröffnete mir die ungelenk und ungestüm geliebte Fixerin, die später zur Zennonne wurde, die Chance aus Buchstaben nicht nur Zitate, sondern auch Menschen auferstehen zu lassen, auf den Brettern. Mit der Welt. Für die Welt. Und vor allem gegen sie. Und die Zweifel zu beatmen. Als ich die am wenigsten brauchte. Aber sie am meisten.

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Viel Geld hatte ich nicht. Ich brauchte auch keins. Oft ließ ich mich von den Fahrern, die auf meinen Daumen reagiert hatten, in der Wildnis absetzen, stolperte den Fahrbahnrand runter und legte mich in den Wald, unter einem Baum zu schlafen. Sentimental blaue Erinnerungen an untergegangenen Mut. Und eine Gedenksekunde für Dean Moriarty. Nahe Kamloops, auf dem Weg nach Vancouver, erwachte ich, es morgengraute eben, von peitschend lauten Schlägen. Ich lag neben einem kleinen Teich, den Biber aufgestaut hatten. Meine Gegenwart erfreute sie überhaupt nicht. Fuck off, Menschlein. Gleichzeitig ratterten über mir im frühgelben Himmel Helikopter. Am Horizont brannten Wälder. Es roch lungenverengend. Das Atmen fiel schwer. Ich steckte mir eine Zigarette an und dachte an Freiburg. Noch zwei Wochen bis Frisco. Sie sahen sich sehr ähnlich. Die zwei. In Vancouver saß ich unten am Hafen, on the dock of the bay, der Song spielte sich in Dauerrotation in mein Hirn rein und wieder raus und wer verlässt eigentlich wen, wenn jemand geht? Oder muß / will / soll / hilflos / mutig und dann mal weg? Und warum geht oft der oder die, der eben jemand gefunden? Ich nahm die Fähre nach Vancouver Island und legte mich in den Hafenpark der Inselhauptstadt Viktoria. Morgens weckten mich die Hunde der flanierenden Hausfrauen. Leckten mein schlafendes Gesicht ab. Inseln sind ein Geschenk. Viel Ufer. Wenige Nachbarn.

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Irgendwann kam die Nacht, in der ich begann englisch aka amerikanisch zu träumen. In Winston-Salem wurde ich erwartet. Easy does it war verkauft. Dreifacher Preis zurück. Wir hatten also ein bisserl Kohle über.  Zurück gen Osten. Vor oder hinter Salt Lake City griff mich ein schlingernder VW Passat auf. Ein dauerfluchernder Mann am Lenkrad. Frisch verlassen irgendwo an der Westküste. Auf dem Weg zur Mama in Jacksonville / FL. Ich sagte, führerscheinfrei, baby, i can drive your car. Do so. Keine einfache Fahrt. Nüchtern blieben wir nicht. Er schlief auf der Rückbank. Albträume. Flüche. Ich versuchte wach zu bleiben. Dann wachte der beleidigte Mann auf der Rückbank auf. Zwang mich auf einem Autobahnkreuz in Arkansas zu halten. Schmiß meine Tasche auf den Highway. Bretterte davon. Meine letzten Reisechecks – American Express – und schlimmer noch – meine Zahnbürste fuhren mit dem weißen Passat davon. Richtung Florida. Hilft nix. Nickerchen am Strassenrand. Daumen raus. Dann hielt wieder eine Kiste. Mit Wohnwagen hinten dran. Noch eine Geschichte. Eine ziemlich böse Geschichte.

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Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin um. Unlängst saß ich mit meiner trauernden Mutter in KN vor der Glotze. Nachrichten. Putin. Trump. Netanjahu. Sie sagte: Die leben alle noch und mein Schatz mußte sterben. Warum? Das ist doch ungerecht. Ich nickte. Das Leben ist nicht fair. Erst wenn einer geht, begreift man, wie man ihn brauchte. Der Indianer wartet noch.

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(soon to be continued)

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