Schmalkalden / Thüringen / Buchladen in memoriam Peter Sodann / Oktober 2021
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HOYWOY II (Gerhard Gundermann)
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Man konnte hier Klaus oder Janek heißen
Das war egal
Warn alle nur Teig fürs Waffeleisen
Das war egal
Dick oder doof schnell oder arm
Das war egal
Hier war ja nur ne Maschinistenfarm
Das war egal hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
War das egal
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Die Wecker klingeln hier früh um vier
Alle zugleich
Am Zahltag gabs immer Radeberger Bier
Für alle gleich
Und schlief der Janek mit der Frau vom Klaus
Ach, alles gleich
Das fiel nicht weiter auf
Hier sehn ja alle aus wie Klaus
Alle gleich hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
War alles gleich
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Nur eins war seltsam hier
Gleich hinter dem Ortseingangschild
War es plötzlich ganze vier Grad wärmer
Und der Wind so mild
Ich riß mein Helmvisier
Hier immer weit auf, weil ich nicht mehr so fror
Du lachtest hinter mir
Und die Kinder krochen kichernd
Unter der Seitenwagenplane vor
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Und Feuersteins Musikpalast
Das war egal
Lieben, streiten, denken, Haß
Das war egal
Wir brachen auf, und wir brachen ein
Das war egal
Warn alle nur Tropfen aufn heißen Stein
Das war egal hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
Hier in Hoywoy
War das egal
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Nur eins war seltsam hier…
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Das war Hoywoy
Das ist Hoywoy
Aber nur für uns
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(sein letzter auftritt in gundermann / der alte verknöcherte genosse, der gundi aus der partei werfen werde, wenn der nicht zu kreuze kröche / peter sodann nach dem tod der ddr als trotziger verteidiger von resten / würdevoll wütig / tatortkommissar / theaterleiter / kandidat in sachen bundespräsidentschaft / und vor allem gnadenloser sammler der bücher des untergegangenen landes / er war sohn eines stanzers und einer landarbeiterin / ich vermisse gelegentlich solche biographien in meinem umfeld / in meiner generation (west) verkleideten sich die bürgersöhnchen als proleten oder indianer / mississippi statt saale / behauptete heimat)
(vor kurzem wegen zweier sehr schöner radioreportagen wieder an meister rio erinnert worden / mit und ohne scherben / mein alter genosse der gesinnung und mancher selbstverbrennung / war meine erfüllendste arbeit / maßlose dezenz / dezente maßlosigkeit / gerne mal durch die wand)
(gießen heute wieder / niemals würde ich auf einer otfried preußler-schule lernen wollen / wird geschreit / umbenennen also / mein gott / gute zeitung heute / in umfragen teilen sich spd und afd bei die jungwählers platz eins / neverlusen marschiert / alonsos pullover ist inzwischen durchscheinend / die hitzewellen ante portas / immer die eine lange strasse lang / besser nicht)
Auch wenn finstere Rauchwolken über dem See aufsteigen müssen
Sie werden es sowieso
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Er war schon mal in Mittenwald gewesen früher
Auf Hochzeitsreise
Knappe sieben Monate alt
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Die erste Frage nach der Heimkehr des
Vaters dem ein Jahr noch blieb
Hast du geraucht
Nein
Geknutscht
Pause und nein
So lernt man das sinnlose Lügen
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(gießen heute / zeitung lesen / fünfzig jahre da da da / da da da da / da da da dada / das eigentliche lied auf der scheibe die wenig später mein kleiner bruder nach hause brachte / er hatte sie einem klassenkameraden aus der tasche geklaut / ein anderes / höre unten / die erinnerungen werden tag für tag milder)
Ersatz für eine gute alte Kifferbank / Bodanrück / August ’20 / In der Tüte unten links Herr Mahler
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Narrenbehandlung
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Wenn es mich nicht mehr juckt
Man sich lediglich ab und an kratzt
An den stillgelegten Testikeln
Die gepresst werden von gepackten Koffern
Auf denen ich ausharre laut singend
Alle Aufbrüche vermeidend
Aber die Moralhitparaden hoch und
Runter buchstabierend auf der Suche
Nach den Verletzbarkeiten und ich
Ein Stellvertreter meiner Schäden
Profund und blind jubelnd bleibe
Opfer meiner Narben
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Letzte Nacht viele Hunderte
Mit Tüten in der Hand
In den Wiegen immer noch schaukelnd
Mutlos befreit
Durch eine Vergangenheit geadelt
Breit leider nicht die Brust
April April
Man legt sich selber rein
Freudlos
Ins gemachte Bett
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(gießen / heute lese ich bei der physiotherapie auf einem plakat narrenbehandlung statt narbenbehandlung / uli hoeness hatte unlängst sich öffentlich über fliegende punkteraubende tennisbälle beschwert / dann musste er sehen im stadion: für euren scheiß-fußball seid ihr doch selbst verantwortlich, uli / selbst das kiffen ist inzwischen eine langweilige und verantwortungsfreie veranstaltung / den walldorf-schülern und den moral-pianisten sei dank / regnet es noch oder schon wieder in saarbrücken / wurscht / alle lüste flachen sich halt mal ab / in würde hoffentlich / auf alten bänke sitzen später neue)
Hafeneinfahrt / Sami / Kefalonia / Auf nach Ithaka / Juni 2023 / Foto: A. Haas
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Rededes Odysseus am Grabe eines alten Widersachers
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Hier stehen wir ins Grab zu legen
Den göttlichen Polyphem
Zu schließen sein Auge
Welches weder rechts noch links blind
Ich selbstgerecht in Not gepfählt
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Keiner zog schneller als er
Nur einer
Niemand
Werden wir meißeln
In den Stein
Über seinem zerfallenden Leib
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Oft trifft es einen
Gerade auf der Straße
Auf der man
Vor seinem Schicksal flüchten wollte
Das war nichts Neues für Ihn
Den Zähler seiner Schafe
Aber für mich
Der ich ihn verhöhnte
Penelope so warten ließ
Lange zehn Jahre
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(karwoche / die klagewoche wie sie heißt / warum heute tanzen wollen müssen / xabi alonso bleibt / gut so / es regnet und regnet manchmal nicht / wenn man mal alte western schaut / unten der andere junge mit der mundharmonika)
Gießen / Botanischer Garten / Palmsonntag / Foto: A. Haas
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Lob des Alltäglichen / Versuchsanordnung
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Statt sich zu versaufen
Vor lauter Warten
Auf himmlische Chöre und Lobpreisungen
Mag es ausreichend werden nach dem Zähne putzen
Den Tag zu begrüßen
Nicht als Feind
Und die Klinke nicht zu verwechseln
Mit dem Schloß
Hoffen wir
Ohne Gewähr
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(gießen heute / eben hagelgewitter / ostern vor den türen / weihnachtsgeschenke eines alten freundes gelesen in den letzten maladen aua-tagen zwischen wartezimmern, ergo- und anderen therapeuten / eine entdeckung / danke bester thomas / der franke sagt dann: passt scho / in diesem sinne: siehe unten)
Waschwand vor einer der vielen beeindruckenden und besuchten Moscheen / Istanbul / März 2012
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Die halbierte Pommesgabel und andere Scheinreligiösigkeiten
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Warum den Finger richten in die Höh‘
Statt das Haupt senken
Auch wenn Hand und Fuß gewaschen vor dem Gebet
Oder der pralle Klingelbeutel
Eine Wahrhaftigkeit besingen soll
Die Götter tanzen nicht auf der Agora
Lediglich die Götzen sind es
Und die Heimatlosen
Ein Glauben atmet hinter der
Ikonostase erstmal
Durch und
Hält sei Gosch
Gott scheißt auf große Geste
Mein bekennender Zweifel
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(gießen vor ostern / immer noch beten wir die lächerlichkeiten an / pastor reichelt gegen imam rüdiger / real ramadan gegen dfb kreuzabnahme / am wochenende dann bayern gegen borussia / leiser leben plus lauter schweigen vielleicht / zwiebelschalen sammeln / eier färben / ab und an den bart abnehmen / und die hostien in den whiskey der feinde tunken / notfalls chai)
(gießen heute / hübsche fotos von macrons bizeps allenthalben / hau den lukas für eitle / morgen wird nagelsmann dessen bodentruppen besiegen wollen / darf deutschland weiterkiffen / das gesetz wird wohl gelagert werden müssen / da wir über keine tiefkühltruhe verfügen in unserem bescheidenen haushalt wird es schwierig / vor allem mit dem einfrieren von dem und diesem und den kriegen / osterlämmer muss man eh frisch verbraten / goethe – the show must go on – auf dem sterbebett fordert mehr licht / weniger vielleicht / dunkel wird es von allein)