Und vergib‘ uns uns’re Schuld, da wir doch auf den Anderen weisen. Amen!

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Konstanz / wo über der Unteren Sonne die Gespräche verteilt wurden / 11. März 2022

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Es klingelt an der Haustür. Ich öffne, obwohl noch im Nachtgewand, etwas verkatert und mit subakutem Rückenschmerz. Ein bebrillter Glatzkopf hält mir einen Ausweis unter die Nase.

„Moin. Sie wünschen?“

„Ich bin Ihr Erhebungsbeauftragter!“

„Schön! Und was wollen Sie?“

„Wissen wie es Ihnen geht!“

„Geht so! Geht es etwas konkreter?“

„Was war gestern?“

„Ich trank Wein, pflanzte Bohnen, fuhr Fahrrad und schlief dann ein.“

„Sonst nix?“

„Doch, ich mußte noch einen Schuldschein entgegennehmen. Nix besonderes. Tut man ja jeden Tag. So als Mensch oder Menschine.“

„Also sind Sie ein Mensch. Darf ich das schon mal in meine Erhebung eintragen?“

„Wenn es der Wahrheitsfindung dient!“

„Und was machen Sie heute so?“

„Ich schnüre ein Entlastungspaket!“

„Und was ist da drinnen?“

„Nüscht oder nur das, was der Empfänger da drinnen zu sehen in der Lage ist. No Expectations!

„Schönes Lied!“

„Find ich auch! Wollen Sie reinkommen? Hab‘ noch was Wein!“

„Glaube nicht. Ich habe mich, denke ich eben, beim Erheben etwas verhoben. Ohne mich zu loben. Jetzt. Ich muß mal vergessen, was ich eh nie begriffen hab‘! Manchmal ist man doch gehetzt!“

„Sie können aber jederzeit wieder vorbeischauen!“

„Mache ich! Tschööö!“

Die Tür fällt ins Schloß, ich mache das Bett, trinke den Restwein vom Vorabend und gehe zur Akupunktur. Ein weiterer Tag geht. Weiter!

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Ich liebe die Tage nach Wahlen. Egal wo und wie. Der Ausgang ist mir meist wurscht. (Stimmt natürlich nicht. Aber heute will ich mal wieder kokett sein!) Jedoch die GROSSE NACHBEREITUNG, da habe ich einfach Spaß dran. Erst die ritualisierten Elefanten -, Goldhamster – oder Kreuzotterrunden. Mit den wild vorwärts stürmenden Fragen der – den Rücken überstreckt – naja, das ist nicht gesund – Frager und Fragistinnen. Herrliche Scheingefechte. An den Montagen dann die Lektüre des Papiers und die erneuten Hinterherdenkereien schauen. Die ausgestreckten Zeigefinger prangen allenthalben. Das üblich obsolete Politikerbashing, welches vor allem die Verlierer in die Ringecke quatschen soll. Um dann den Gewinnern die Schuhe zu polieren. Aber mit einer farblich anderen Schuhvixe. So simmer halt, wir Wählermenschen … Verzeihung … Staatswürger … so ein Blödsinn auch: STAATSBÜRGER. Den ausgestreckten Zeigefinger aber brauchen wir. Morgens bohrt man sich ja auch gerne mal in der Nase rum.

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Die Menschen in diesem Land verzichten zunehmend auf die Ränder. Können wir uns nicht mehr leisten! So isses. Oder? Man kuschelt sich in die Mitte. Angstvoll. Sollte ich meinen Block … sorry … Blog schließen? Frag ich mich. Oder Dich. Oder jene auch noch.

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Weit über vierzig Prozent nutzten ihr Wahlrecht nicht vorgestern. Ist alles so schön bunt hier. Kann mich gar nicht entscheiden. Ist alles so schön bunt hier. Da ist doch die Eine dööfer als der Andere. Und die Benzinpreise.  Ich find‘ mich da nicht wieder.  Ich bin denen allen nicht grün. Jetzt wähl‘ ich halt mal die. Solange Krieg ist, gibt es auch kein Tempolimit. Die haben anderes zu tun. Nächstes Jahr im Merz sieht dann alles wieder ganz anders aus. Was weiß ich denn?

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Immer noch mein Mantra: Auch der Wähler ist ein Depp. Vor allem, wenn er nicht wählt. Der Depp.

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Immer noch mein Lieblingsaufkleber auf dem Flaschencontainer, wo ich eben das Leergut, welches der Erhebungsbeauftragter*in nicht mit mir leeren wollte, entsorgte:

Olaf Scholz ist nur Kanzler, weil der wahre Olaf schmolz!

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Ich glaube, die Ränder wollten eigentlich schon immer Mittelpunkt sein. Ich liebe Rio. Schauen Sie selbst. Morgen mehr über eine wieder neu entdeckte Liebe.

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