Immer wieder Sonntags …

… ein kleines Stück Dylan zum Frühstück

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Seit einer Woche jeden Sonntag – ok, fast jeden Sonntag und wenn ich Lust und Zeit habe und nicht meinen Gemüsegarten gießen muß (mußte ich heute) – ein kleines Stückchen Bob Dylan zum Frühstück. Frisch verwurstete Texte. Oder altes Material. Eigener Mist. Fremder Mist. Fundstücke. Auch das alte Brot muß man essen. Auf geht’s. Fast jeden Sonntag. Seit einer Woche.

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„Komm ich hier irgendwie raus?“ fragte der Glücksspieler den Taschendieb.

„Wir sind doch alle meschugge, ich komm‘ überhaupt nicht mehr runter.

Anzugträger saufen mir meinen Wein weg, durchgeknallte Bauern pflügen mein Gemüse unter die Erde

und anscheinend hat niemand mehr eine Ahnung davon, daß irgendwas noch einen Wert haben könnte!“

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„Reg Dich ab, komm runter!“, antwortete der Taschendieb mit sanfter Stimme.

„Wir sind nicht die einzigen die spüren, daß das Leben nichts als ein fader Witz ist.

Aber wir zwei haben das doch hinter uns und unabwendbares Schicksal ist das auch nicht.

Also, laß uns kein verlogenes Geschrei anstimmen und wir müssen auch bald ins Bett.“

*

Auf den Wachtürmen stehen kostümierte Prinzen, schauen in die Ferne.

Frauen kommen, gehen, kommen und kommen und nacktfüßige Schnorrer auch noch.

Ganz da hinten, weit weg, sehr weit weg, heult eine Wildkatze.

Zwei Reiter nähern sich. Der Wind wird zum Sturm. Hörst Du das?

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PS: Vor fünf Jahren. Erster Gig mit laufender Kamera. Der Opener. Zu aufgeregt den Gitarrengurt ordentlich zu richten.

Immer wieder Sonntags …

… ein kleines Stück Dylan zum Frühstück / eins

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Ab heute jeden Sonntag – ok, fast jeden Sonntag und wenn ich Lust und Zeit habe und nicht unseren Gemüsegarten gießen muß (neues Thema) – ein kleines Stückchen Bob Dylan zum Frühstück. Oder auch zum späten Mittagessen. Frisch verwurstete Texte. Altes Material. Eigener Mist. Fremder Mist. Fundstücke. Auch das alte Brot muß man essen. Auf geht’s.

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wieviele strasse musse manne gehe weg
bisse heisse richtige mann
wieviele grosse wassa musse weisse vogel flieg
bisse koenne slafe in de sand?
wie oft musse kanonekugel mache bumm
bisse alle sage nix gutt: verbot!

*

richtich antwort gut freund musse feife inne wind
richtich antwort musse feife inne wind

*

wie oft musse manne immer kucke immerzu
bisse koenne sehe dä himmell
un wieviele ohre musse eine manne hab
bis koenne hoere au au au
und wieviele tot kaputte leute musse sehn
bisse wisse zu viele tot kaputt

*

richtich antwort gut freund musse feife inne wind
richtich antwort musse feife inne wind

*

wieviele jahre musse eine berge leb
bisse gewasche von de see
wieviele jahre koenne gebe eine volk
bisse frei sein duerfe all‘ hurra
wie oft musse manne drehe seine kopf
und immer tue so als ob nix seh

*

richtich antwort gut freund musse feife inne wind
richtich antwort musse feife inne wind

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(aufgenommen in gießen im theater im löbershof / ende mai 2006)

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PS: Der Text ist von Wiglaf, dem Droste(n). (Ist das der Vater unseres EAV? Der Säzzer). Hallo, was bitte ist der EAV? (Unser Erster Allgemeiner Virologe! Der uns gerne mal verunsichert. Und das nicht nur einmal. Grins. Der Säzzer) Zurück zum Thema. Die Anregung damals kam über die Interpretation dieses Textes durch die wunderbaren Herren Köster und Hocker aus der seit gestern doch noch Erstliga – Stadt. Hätte es Kiel, einem meiner liebsten Arbeitsorte, schon gekönnt.

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PS2: Warum PfeiferSoltauLugerth nicht begrenzt weltberühmt wurden, ist uns allen noch ein ungelöstes Rätsel. Grüße hiermit die zwei alten Wegbegleiter in Rente. Wat eine Freude am Spaß wir damals hatten. Humor gehört halt in die Musik rein. Sagte ja schon Zweitmeister Zappa.

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / neun

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Seit acht Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit acht Wochen.

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ich hatte gestern

gestern hatte ich zuviel gestern

vom gestern nicht nur im kopp in allen gliedern

heute habe ich so viel vorgestern

nein präzise sein vom vorgestern noch mehr

vielmehr vom vorgestern noch mehr als gestern vom gestern

also diese tage sind nee so lange tage sind das aber

leer lange her die vollen tage und lange war ich

weg war ich abgetaucht und der himmel im kopf

der pocht immer

manchmal kommt der himmel über dem kopf

dazu und drückt und es stürmt und hagelt

alles vernagelt

innen wie außen tralala

die kurbel ans geschwurbel gelegt und das wirre

gehegt und gepflegt hoch lebe der

bandsalat und ich las dann

dass der gestorben ist der die kassette einst

in meinen kopf kann ich keinen bleistift stecken

wie einst in die spule um den bandsalat

zurückzukurbeln und ihn straffen selbst wenn es gelänge

das lied es knistert dann und rauscht und frage mich so

was ich gerne hätte heut auf der kassette

dieses lied und

gleiten in sinnleere freuden

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / acht

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Seit sieben Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit sieben Wochen.

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ich hatte gestern

gestern hatte ich zuviel gestern

heute habe ich so viel vorgestern

und spring kopfüber

hinein in das läuten der glocken von santa fe

man richtet meinen oberkörper auf

ich blicke in die untergehende sonne

und spüre

die aufgabe eines großen spielers ist der tod

den tod zu spielen

welche aufgabe und

sie jagen den nuggets hinterher wieder

den nuggets die ich aus den gräbern meiner väter grub

während der pfeil eines sioux mich

sie jagen den nuggets hinterher wieder

während ich die ewigen jagdgründe betrete

sie jagen den nuggets hinterher

während ich die ewigen jagdgründe betrete

den nuggets hinterher die ich aus den gräbern meiner väter hob

sie jagen sie hetzen

während santer unter dem gold der apachen verendet

jämmerlich und ich

mit dem kopf in die alten träume

dieser bücher

eigene bilder noch

jetzt sterben sie verschüttet

allmächtiges abbild

leinwände nimm aus meinem kopf die übervollen leinwände

die phantastie vernagelnden endgültigkeiten

das wort

das buch

nur das buch

unter der bettdecke

sie jagen den nuggets hinterher

kleine gierige kaninchen

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / sieben

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Seit sechs Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit sechs Wochen.

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ich hatte gestern

gestern hatte ich zuviel gestern

einen weißen raum mit schwarzen vorhängen

nahe dem bahnhof

als ich so jünger war jünger als

gestern hilfe ich brauche

im sonnenschein deiner liebe hilfe ich brauche jemanden

und gott sprach zu abraham töte mir deinen sohn

aber ich kaufte mir einen rolls royce denn das

tat meiner stimme gut

wachte morgens auf nahm mir ein bier

keiner kommt hier lebend raus schrei kind schrei

da an der kante da an der ecke steht dein neffe mit dem gewehr in der hand

halt’s maul

schon als kleiner junge spielte ich den flipper wie ein gott

hoffte zu sterben bevor ich alt werde

du schlugst mich mit einer blume

das telefon klingelte ich sage wer ist dran

auf meiner wolke sind zwei einer zuviel

stell dir vor

stell dir vor

da ist kein himmel

es gibt ihn nicht

halt’s maul

gib mir ein f

gib mir ein u

gib mir ein c

gib mir ein k

buchstabiere

danke für die musik

frühstück im bett für vierhunderttausend

ich sitze vor meinem gesicht

gehe hinein

spieglein spieglein

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / sechs

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Seit fünf Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit fünf Wochen.

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ich hatte gestern

und dann wer ist das

denn

wer bist du

bist du der

vom letzten jahr

von anfang an

wer bist du

was willst du

wer warst du von anfang an immer

einer immer einer

immer nur einer

und gerne der andere und der zeigefinger lang

wie lange schafft man es in den spiegel zu schauen ohne

die anderen

immer die anderen

die anderen immer immer immer

immer die anderen

die langeweile an sich selber

diese lange weile von zeit an sich selber

reiben reiben sich reiben woran

immer immer immer die anderen

der spiegel

das gesicht

das gesicht gegen das gesicht das

eigene gesicht

das ist das eigene gesicht

das gesicht

es anschauen

stille halten

still

das eigene gesicht betrachten

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / fünf

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Seit vier Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit vier Wochen.

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ich hatte gestern

immer wieder den zweifel

dieser zweifel

das zweifeln

ob

ob das

oder aber eher nicht

nein

leg dich wieder hin

hinlegen wieder

nicht neues

in der nacht bleiben

haften

haftenbleiben

nichts mehr umlegen

keine schalter

keine bewegung

wohnen bleiben

und godot soll bleiben wo auch immer

weg

ich warte nicht mehr

nichts umlegen kein

kein neuer morgen

keiner mehr mehr

keine neuen pferde

kein ritt in die untergehenden sonnen

kein neues pony

wie lange noch

wieviel länger noch

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Immer wieder Sonntags …

… ein Blick zum Himmel und in den Kopf / vier

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Seit drei Wochen jeden Sonntag ein Blick in den Himmel im Kopf. Stelle mir vor, ich begebe mich in den Winterschlaf wie ein Bär. Erwache erst, wenn der ganze Mist vorüber. Träume mich durch alte Lieder. Ab und an hebe ich ein Augenlid, blicke in den Himmel und schaue nach, ob es sich lohnt, mich wieder zu bewegen. Jeden Sonntag. Seit drei Wochen.

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ich hatte gestern

als das erwachen mich nahm

einen moment jener klarheit kurz nur

kurz streifte mich

warum war jene nacht so kurz

kürzer war diese nacht

als ich wach wurde dachte ich wie kurz doch

jene nacht und so warm und

ich werde sie nicht mehr erleben

jene nacht

ich werde sie in die schubladen

in die schubladen meines gedankenschrankes

abgeheftet dort die nacht wie ein schmetterling

mit spitzer nadel gesteckt hinter glas

staub auf den durchsichtigen schwingen

zu betrachten hinter glas die nacht

als etwas was war

die nächte

waren

und hinderten dich daran

nach hause

nach hause und heim

heimzugehen

heim

heim

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