Wenn der Anu Branco wüßte …

… wie teuer die Liebe sein mag

Ich wette nie würde er singen

Nie wieder wecken den Tag

(Teil 4)

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Manchmal, vor allem in den ersten zwei Jahren der Ausbildung, bekam der Provinzler Besuch aus der alten Heimat. Pflichtprogramm war dann eine ausgiebige Kneipentour. Euphorie und Stolz: auch ich nun in einer Großen Stadt. Immer ein Muß auf der Tour: das BLUE SHELL. Eine Erinnerung: Frühes Nachmittagskölsch. Mehrere. Die Eingangstüre, Doppeltüre, schwingt sich auf, herein fährt „De Plaat“ aka Onkel Jürgen aka Zeltinger auf einem Minimotorrad. Parkt am Tresen rechterhand des Eingangs. Bestellt lauthals Getränke und ruft dann in den noch recht leeren Saal – mit Blick auf seine feingliedrigen Jungs, die meist in seinem Schlepptau auftauchten – außerdem hätte er noch gerne was zum f….! Sofort! Meiner Begleitung fiel die süddeutsche Kinnlade runter. Mir auch, aber als neugeborener Ex – Provinzler tat ich professionell unüberrascht.  Mochte diesen Laden sehr. Noch eine Erinnerung: saß hier oft mit C., die sich dort wohler fühlte als in den Kaschemmen der Südstadt, die meist die 70er nicht hinter sich lassen wollten oder konnten.

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C. war in meiner Schauspielschulklasse. Sie spielte im Speckhut mit. Die jüngste Prostituierte. Wir schlichen eine Zeitlang um einander herum, waren beide liiert, so fest, wie man das damals halt war. In diesem Sommer, auch über die hitzigen Proben, fanden wir zusammen und blieben es fast sechs Jahren lang im steten Auf und ab. Nach wenigen Wochen war sie schwanger. Von wem? Wohl ich. Hoffentlich. Gemeinsam entschieden wir den Abbruch. Ich war dabei. Hielt Hand, als das kleine blutige Ding entsorgt wurde. War es vor oder nach der Premiere, ich weiß nicht mehr. C., zäh wie sie war, stand wenig später wieder auf der Bühne. Die Sommerferien verbrachten wir getrennt. Mißverständnisse. Wir hatten den Verlust nicht verarbeiten können. Sprachlos jenseits der Bühne. Im Herbst, kurz vor Beginn des nächsten Semesters steht sie vor meiner Tür. Wieder schwanger. Ich? Möglich. Ich reagiere arschlöchrig. Zwei Tage später gehen wir durch den Park des Klinikums in Porz. Ich war nicht mehr miteingebunden in die Entscheidung. Selber schuld. Idiot!

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Ich hatte schon vor den Ferien am Schauspiel Köln begonnen für Edvard Bonds „Gerettet“ zu proben. Ich spielte – u.a. zusammen mit dem schwarzen M. – einen der Jugendlichen, welche ein Baby in einen Kinderwagen zu Tode steinigen. Regie führte A., eine der Hauptfiguren im oben erwähnten Buch von Ike über den „Speckhutsommer“. Es war ihre erste Regie und potenzierte ihre eh schon vorhandene Verbissenheit. Erst heute, beim Niederschreiben, stehen diese ständigen Begegnung mit dem Tod, auf der Bühne und im Leben, so plastisch vor meinem erinnernden Aug`.

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Wir nahmen die Proben am Speckhut wieder auf. Es war schwierig. Nicht nur da ich, der Halbstarke in „Gerettet“ trug natürlich Skinheadkopp, den Erzähler nun mit einer extra für mich von der Maske des Schauspiels angefertigten Perücke spielen mußte. Meine erste Perücke. Ein Fremdkörper. Kastriert wie Samson hielt ich das Herz in der Hand. Der intensive Sommer glimmte nur noch nach. Das alte Spielfeuer loderte müde und rauchte stinkend vor sich hin. Das Erinnern fiel allen schwer und es wurde mehr debattiert als ausprobiert. Profis waren wir noch lange nicht. Aber wir mussten noch einige Aufführungen – das war der Deal mit dem Verlag – in der Schlosserei des Schauspiel Köln spielen. Davon als nächstes.

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In diesem Herbst zog ich mir eine Entzündung zu, die ich nicht weiter ernst nahm. Jahre später sollte ich erfahren, daß dies der Grund dafür war, daß ich alle Gedanken an Vaterschaft vergessen mußte. Die Wegweisungen dieses langen Sommers.

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Wie schrieb O. uns ins Programmheft? Sie verwechseln das Theater mit dem Leben und das Leben mit dem Theater? Oder andersrum? Er hatte mir geraten um das Kind zu kämpfen. Ich war zu feige. Oder einfach nur zu wirr.

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(wird fortgeschrieben)

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