Der Schwarze Hund plus Begleiterin 3

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Oft tritt der Schwarze Hund auf die Bühne mit einer Begleiterin. Auf den ersten Blick eine attraktive Dame von Welt, eloquent, belesen, schlagfertig. Ihren Blick hatte sie über Jahre geschult beim gerne etwas geringschätzigem Blick auf das allzu Laute, das Hektische, Gierige, Maßlose, Gerenne und Geflenne vor deiner Türe. Doch hüte Dich vor diesem Biest. Anfangs noch wirst du ihr gebannt zuhören, gescheit wie sie nun mal ist, gewachsen am eigenen, wohl als einzigartig empfundenen Schmerz, wie sie die Welt auseinandernimmt und vor deinen Augen wieder zusammensetzt. Aber irgendwann wirst du bemerken, daß die Menschen sich von dir abwenden, wenn du mit dieser Dame im Gepäck auftauchst und du schaust die Begleitung fragend an und sie sagt zu dir, feist grinsend: „Ja, mein Junge. Kennst Du mich nicht? Ich bin es, die Selbstgerechtigkeit!“

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Ich habe immer wieder mal diese Dame an die Hand genommen, den Schwarzen Hund zu Hause oder in den Nächten eingeschlossen, draußen die Welt auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt, dem nicht enden wollenden Strom meiner eigenen Worte lauschend und so vergessen genauer hinzuschauen oder zuzuhören. Wer selber redet, der begibt sich nicht in Gefahr. Kam ich dann erschöpft und angetrunken, meist beides, nach Hause, saß der Schwarze Hund am Küchentisch, knurrte mich freundlich an und dachte sich – heute sagt er mir es manchmal – : „Kerle, Kerle. Ich kann warten!“

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Ich glaube, es ist ein riesiger Irrtum anzunehmen, daß ein ordentlicher Weltekel dich von der Welt befreit. Ganz im Gegenteil. Sie rückt dir so immer näher auf die Pelle. Man darf seine Kräfte nicht überschätzen. Denn du weißt von deinem eigenen Schwarzen Hund, wenn du es zulassen willst. Aber die Schwarzen Hunde deiner Gegenüber sieht du meistens nicht. Und selbst erzeugte Einsamkeit ist ein hoher Preis. Ich lerne langsam, sehr sehr langsam, nun das Schwanzwedeln, das Knurren, Ohren aufstellen, Fiepen und Kläffen meines Schwarzen Hundes zu lesen. Man muß geduldig zuhören. Es braucht viel Zeit. Vieles der Zeit, die man liegen hat lassen. Unterwegs. Schiß halt! Und immer wieder aufpassen, wenn die eitle Dame deinen Stift führt. Obwohl man es wohl nie ganz verhindern kann.

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(Gießen, 22. Juli 2022 / Von der Depression / Eine Art Tagebuch)

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