bagatelle vier

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Nicht für meine Sünden starb das Kind

in der Krippe sang rezitierte Patti Smith

einst wurden dem Sohn Nägel durch

Fuß und Hand getrieben der Schwamm

getränkt von Essig zwischen die Lippen

gepresst

für die Sünden eines Anderen

rief sie

Wer es war

Vielleicht ich

Ach Bagatellen nur meine Missetaten

Hätte ich doch gesündigt einmal nur

mit Wucht und Wollen

Wenn ich mich vielleicht

vorstellen

dürfte

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In den Straßen des Friedens

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Wer wünschte sich nicht dieser Tage eine besinnliche Minute an obigem Grabstein verbringen zu dürfen. Ich tat es, vor etlichen Jahren in Ilmenau, dem freundlichen Ort, wo sich meine Eltern kennengelernt hatten und wo ich wohl zusammengebastelt wurde. Ich meine ab und an eine seltsame Verbundenheit zu dieser Gegend zu spüren, die je älter ich werde intensiver wird, intensiver manchmal empfunden als die Bindung an die Gegend, in der ich aufwuchs. Aber davon ein andermal. Warum Ilmenau und das heute?

Sprach mit meiner liebsten Gattin gestern über die Weihnachtsfeste der letzten Jahre, wo und mit wem. Meist mit Menschen. Diesmal zu zweit und wir erinnerten uns, daß wir im Jahre 2012 allen Begegnungen entsagten, um ein zurückgezogenes Fest in Ilmenau zu verbringen. Ich hatte eine der schlimmsten Begegnungen mit dem Feudalsystem Stadttheater hinter mich gebracht, Psychokacke und das ausgerechnet in der Stadt, in der ich zur Schule gegangen bin, Radfahren und Schwimmen lernte und versuchte erwachsen zu werden. Eine Flucht in die Stille. In die Heimat derer vor mir, Wurzeln. Spaziergänge. Ente mit Thüringer Kloß. Christmette. Schwalbenstein. Forellen in Manebach. Rostbrätel und zum Abschluß der Kickelhahn, Ilmenaus Hausberg, intensive Erinnerung an Wanderungen mit den Onkels und Geburtsort des berühmtesten Gedichts deutscher Zunge. Glühwein mit Bratwurst. Schöne Erinnerungen.

Ich schaue aus dem Fenster, grau und schneebeladen – Ja! Bitte! Weiß! – dräut der Himmel. Es ist so ruhig und still. Kein Auto. Kirchenglocken. Ausdauernd. Schön. Sehr schön. Trotzdem hoffentlich bald an obigem Grabstein stehen dürfen. Jetzt Dylans Weihnachtslieder. Noch schöner. Stille Nacht und heilige Nacht allen da draußen. Mehr denn je. In den Straßen des Friedens flanieren. Fürchtet Euch nicht. Ein Versuch ist es wert.

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Moria oder Bethlehem

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Moria  ( A )

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 (Opening riff – lead guitar)

(Rhythm guitar)

C A F G A

C A F G A

[Verse 1]

A

Schlauchboote treiben leer übers Meer

D

An den Küsten des Wohlstands wartet das Heer

A

Kinderleichen liegen am Strand

G                       A

Zäune hoch gezogen bewachen das Land

[Chorus]

E

               Moria

A

Wer hört noch Deinen Schrei  

E

               Moria

A

Geht uns am Arsch vorbei

[Instrumental]

C A F G A

[Verse 2]

A

Des Reiches Flaggen auf den Reichstagstreppen

D

Neben Schwaben und Hippies lauter rechte Deppen

A

Die Freiheit für die sie schreien verzichtet auf Vernunft

G                     A

13000 leere Stühle es brennt die Unterkunft

[Chorus]

E

               Moria

A                       

Wer hört noch Deinen Schrei

E

               Moria

A                   Asus4  

Geht uns am Arsch vorbei

[Instrumental]

C A F G A

C A F G A

C A F G A

C A F G A

[Chorus]

E

 Gott mit uns Moria     

A

Hört man jetzt Deinen Schrei

E

 Benzinkanister Moria

A

Weiter am Arsch vorbei

[Verse 3]

A

Kinder sitzen unter den verkohlten Bäumen

D

Sie ham schon lange aufgehört weiter zu träumen

A

Wasserwerfer vor Verzweiflung toll

G                     A

Hauptsache unser Kühlschrank, der bleibt voll

[Chorus]

E

      Moria

A

Hört man jetzt Deinen Schrei

E

 Oh Gott Moria

A

 Weiter am Arsch vorbei

[Outro]

E

Ich sage nee nee nee ooh

A

 So kanns nicht weitergehen

So wird es weitergehen

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Unten hören und schauen von 18:30 bis 23:15: und dann spenden

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PS: Obige Fotos aus dem Netz geklaut.

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Hymne der demokratischen Jugend

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Anhören. Ansehen. Großartig.

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Ballade von den Abenteurern / Bertolt Brecht

Von Sonne krank und ganz von Regen zerfressen
Geraubten Lorbeer im zerrauften Haar
Hat er seine ganze Jugend, nur nicht ihre Träume vergessen
Lange das Dach, nie den Himmel, der drüber war.

O ihr, die ihr aus Himmel und Hölle vertrieben
Ihr Mörder, denen viel Leides geschah
Warum seid ihr nicht im Schoß eurer Mütter geblieben
Wo es stille war und man schlief und man war da?

Er aber sucht noch in absinthenen Meeren
Wenn er schon seine Mutter vergißt
Grinsend und fluchend und zuweilen nicht ohne Zähren
Immer das Land, wo es besser zu leben ist.

Schlendernd durch Höllen und gepeitscht durch Paradiese
Still und grinsend, vergehenden Gesichts
Träumt er gelegentlich von einer kleinen Wiese
Mit blauem Himmel drüber und sonst nichts.

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Vom ertrunkenen Mädchen / Bertolt Brecht

Als sie ertrunken war und hinunterschwamm
Von den Bächen in die größeren Flüsse
Schien der Opal des Himmels sehr wundersam
Als ob er die Leiche begütigen müsse.

Tang und Algen hielten sich an ihr ein
So daß sie langsam viel schwerer ward.
Kühl die Fische schwammen an ihrem Bein
Pflanzen und Tiere beschwerten noch ihre letzte Fahrt.

Und der Himmel ward abends dunkel wie Rauch
Und hielt nachts mit den Sternen das Licht in der Schwebe.
Aber früh ward er hell, daß es auch
Noch für sie Morgen und Abend gebe.

Als ihr bleicher Leib im Wasser verfaulet war
Geschah es (sehr langsam), daß Gott sie allmählich vergaß
Erst ihr Gesicht, dann die Hände und ganz zuletzt erst ihr Haar.
Dann ward sie Aas in Flüssen mit vielem Aas.

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Alter, guter Freund der deutsche Sprecher. Im Jahr der Wende teilten wir uns in Münster manches Stück. Baal und Eckhart. Shlomo und Hitler. Drache und der blinde Diener des Drachentöters. Sangen und sprachen obiges. Und seit gestern lese ich das Buch, welches er mir dieses Jahr zum Geburtstag schenkte: Serhij Zhadans „Hymne der demokratischen Jugend“. Eine Empfehlung. Gute Verbindungen. Man braucht sie.

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